Direkte Hilfe seit über 30 Jahren

 Neben Tanzen, wie hier auf dem Bild, lernen die Mädchen im Heim in Allahabad auch alle Karate, um sich gegen Übergriffe besser
Neben Tanzen, wie hier auf dem Bild, lernen die Mädchen im Heim in Allahabad auch alle Karate, um sich gegen Übergriffe besser wehren zu können. (Foto: Privat)
Redakteur

Seit über 30 Jahren unterstützt der 1988 gegründete Bad Wurzacher Verein „Indien-Kinderhilfe Oberschwaben“ soziale Projekte auf dem Subkontinent. Zu den wichtigsten Projekten, die kontinuierlich unterstützt werden, gehört unter anderem ein Heim für misshandelte Mädchen. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“, die den Verein im Rahmen der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ mit Spendengeldern unterstützt, erzählt der Vereinsvorsitzende Hans-Martin Diemer unter anderem, welches Projekt dort als nächstes gefördert werden soll.

Im Mädchenheim in Allahabad (Bundesstaat Uttar Pradesh) sind derzeit 60 Mädchen untergebracht, erzählt Diemer. „Fast alle von ihnen wurden misshandelt oder vergewaltigt“, sagt er. Als Beispiel, was die Mädchen in vielen Fällen Schreckliches durchgemacht haben, schildert er die Geschichte eines jungen Mädchens. Auf einem der vielen Fotos, die Diemer dabei hat, sieht man das Kind lachend zwischen anderen Kindern. „Im Alter von zwei Jahren ist sie von zwei Männern vergewaltigt worden“, sagt Diemer mit Blick auf das Foto. Das sei kein Einzelfall, sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen sei ein großes Problem in Indien.

Mädchen lernen Karate

Deswegen müssen im Heim auch alle Mädchen Karate lernen, um sich gegen Übergriffe besser wehren zu können erzählt Diemer. Außerdem lernen sie als Beschäftigung auch tanzen. Während die älteren Mädchen im Heim, die dort bis zum Alter von 18 Jahren sind, teilweise schon studieren, gehen die jüngeren in die Schule. „Es ist ganz wichtig, dass sie weiterkommen“, so Diemer. Für die Versorgung dieser Mädchen bezahle die Kinderhilfe rund 5000 Euro pro Jahr.

Das nächste Projekt, dass der Verein fördern möchte, ist die Unterstützung und soziale Reintegration von Kindern, die im Bahnhof von Itarsi (Bundesstaat Madhya Pradesh) leben. Diese sollen Schutz und Fürsorge erhalten, außerdem sollen Angestellte der indischen Bahn, die an Bahnhöfen in der westlich-zentralen Region Indiens tätig sind, für den Schutz von Kindern sensibilisiert werden, heißt es in der Projektbeschreibung von Misereor. Erreicht werden sollen diese Ziele unter anderem durch eine dauerhafte Präsenz von Sozialarbeitern.

„Das ist eine tolle Sache“

Auch bei den anderen Projekten arbeite der Verein mit dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor zusammen. Das Hilfswerk kontrolliere alle Projekte, stelle sicher, dass das Geld auch wirklich an der richtigen Stelle ankommt. „Das ist eine tolle Sache“, so Diemer zu der Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk.

Ein generelles Problem in Indien, neben der sexuellen Gewalt, das Diemer stark umtreibt, ist die weit verbreitete Kinderarbeit. Vor allem in Steinbrüchen sei die Situation oft katastrophal. Jeder, der sich hierzulande etwa über billige Grabsteine freue, müsse das im Hinterkopf haben. Auch in der Teppicharbeit würden viele Kinder beschäftigt werden. Mit Projekten von Misereor versuche man gezielt, solchen Kindern zu helfen.

Auf die Not der Kinder des Subkontinents wurde Diemer Mitte der 1970er-Jahre aufmerksam, als er aus persönlichen Gründen nach Indien reiste. „Ich war geschockt von dem, was ich dort gesehen habe“, erinnert er sich noch heute. Zunächst als Privatmann leistete er Hilfe, schließlich fand er genügend Mitstreiter, namentlich erwähnt er Franz Butscher und Rudolf Ege als treibende Kräfte, um Ende 1988 den Verein aus der Taufe zu heben.

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