„Dies ist ein sehr guter Vorstoß“

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Bürgermeisterin Alexandra Scherer: „Mehr finanzielle Mittel würden schon gut tun, um unseren Aufgaben gerecht zu werden.“
Bürgermeisterin Alexandra Scherer: „Mehr finanzielle Mittel würden schon gut tun, um unseren Aufgaben gerecht zu werden.“ (Foto: PAM)
Schwäbische Zeitung

Der CDU-Vorstoß zur stärkeren Förderung von Flächengemeinden zieht Kreise. Auch Bad Wurzachs Bürgermeisterin Alexandra Scherer begrüßt die Initiative. Es sei dringend nötig, dass Gemeinden mit einer ausgedehnten Fläche und einer vergleichsweise geringen Einwohnerzahl besser gestellt würden. Mit Scherer sprach unser Redakteur Uwe Jauß.

Frau Scherer, die kommunale Förderung ist in erster Linie an die Einwohnerzahl geknüpft. Gemeinden in Ballungszentren profitieren davon. Die Landtagsfraktion der CDU pocht nun aber auf das Einhalten des grün-schwarzen Koalitionsvertrags und fordert, die Fläche bei der Vergabe von Fördermitteln mehr zu beachten. Wäre dies in Ihrem Sinne?

Natürlich. Dies ist ein sehr guter Vorstoß. Es freut mich sehr, dass die Fläche nun thematisiert wird. Bad Wurzach hat eine Gemarkung von 182,26 Quadratkilometern. Damit sind wir flächenmäßig die drittgrößte Gemeinde Baden-Württembergs. Wobei die Einwohnerzahl gerade mal bei knapp 15 000 Menschen liegt. Dies ist im Vergleich zur Fläche natürlich relativ wenig. Für uns heißt dies, dass wir bisher im Verhältnis nur geringe Fördermittel erhalten.

Richtig groß ist Bad Wurzach erst mit der Kommunalreform 1972 geworden, oder?

Ja, das stimmt. Unsere Gemarkung setzt sich aus den Flächen der Stadt und neun weiteren Gemeinden zusammen. Hinzu kommen dann noch zahlreiche Ortsschaften, Weiler und Gehöfte.

Was bedeutet die große Gemarkung letztlich für die Stadt Bad Wurzach?

Für uns ist das ein riesiges Problem. Wir müssen wahnsinnig viel Aufwand zur Unterhaltung der Infrastruktur betreiben. Alle Straßen müssen unterhalten werden, in jedem Ortsteil haben wir eine Schule und einen Kindergarten und so weiter. Diese Dezentralisierung ist gewollt, bedeutet aber auch eine finanzielle Herausforderung. Gleichzeitig übt die eigentliche Stadt eine relative Zentralfunktion aus. Auch hier muss eine Infrastruktur vorgehalten werden, die das Umland braucht und mit nutzt, etwa bei weiterführenden Schulen.

Der von politischer und wirtschaftlicher Seite stark propagierte Breitbandausbau dürfte dann fast eine Herkulesaufgabe sein ....

In der Tat. Wird innerhalb einer Großstadt die entsprechende Infrastruktur aufgebaut, hat man vielleicht mit einer Straße bereits 2000 Nutzer erreicht. Wir müssen hier die Glasfaserkabel über zig Kilometer über Land verlegen, um am Schluss einen Weiler mit vielleicht neun Haushalten zu erreichen. Aber in einem solchen Weiler wollen wir die Infrastruktur für unsere Bürgerinnen und Bürger auch verbessern, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu erreichen.

Was bedeutet dies für die Finanzen Bad Wurzachs?

Wir sind nicht schuldenfrei. Vieles ist nur schwer zu finanzieren. Es gibt immer mehr Projekte als wir uns leisten können. Jahr für Jahr muss der Gemeinderat beschließen, was Priorität hat. Dies ist eine ständige Herausforderung. Da würden mehr finanzielle Mittel schon gut tun, um unseren Aufgaben gerecht zu werden.

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