Der Bad Wurzacher Wald ist gestresst

Lesedauer: 6 Min
Redakteur Bad Wurzach

„Sehr viel Niederschlag“ wünscht sich Andreas Kurth in den kommenden Monaten. Denn auch im Gebiet des Bad Wurzacher Revierförsters hat sich die Trockenheit dieses Jahres nachteilig ausgewirkt. Borkenkäfer und Winterstürme taten ihr Übriges. Insgesamt kam die Region um Bad Wurzach laut Kurth aber im Vergleich zu anderen Gebieten halbwegs glimpflich davon.

„Rund 38 Prozent der Wälder gelten als deutlich geschädigt“, sagte Forstminister Peter Hauk (CDU) bei der Vorstellung des aktuellen Waldzustandsberichts Ende Oktober in Stuttgart. „Nachdem sich der Waldzustand in den vorhergehenden drei Jahren im Trend verbesserte, hat sich durch die extreme Trockenheit 2018 der Zustand der Wälder verschlechtert.“

„Das gilt so auch für mein Revier“, sagt Andreas Kurth. Er weiß dabei, dass dies für den Laien oft nur schwer sichtbar ist. Doch der Experte erkennt: Viele Bäume haben in diesem Jahr weniger Nadeln oder Blätter ausgebildet als üblich und viele Kronen sind vergilbt. „Buchen sind bereits Ende Juli vertrocknet, was an einer abrupten Verbraunung des Laubs erkennbar war. Zum Teil haben die Bäume damals auch bereits angefangen, ihre Blätter abzuwerfen, um sozusagen ihren Wasserverbrauch zu verringern“, erklärt Kurth. Vor allem an Bäumen, die an sonnenbeschienen Stellen exponiert stehen, sei dies „massiv geschehen“. Weil sich der wenige Regen, der fiel auch ungleichmäßig verteilt hat, fällt auch der Schadensbericht unterschiedlich aus. „In Gebieten, die ab und zu einen Gewitterregen erwischt haben, schaut es wesentlich besser aus als da, wo es fast durchgängig trocken blieb“, sagt Kurth.

Das ganze Jahr über macht das Wetter den Förstern das Leben schwer. „Im Januar und Februar, unserer Erntezeit im Wald, war es extrem nass. Es war teilweise unmöglich, mit schwerem Gerät in den Wald zu fahren. Im März und April, der klassischen Pflanzzeit, war es dann zunächst sehr kalt und dann fast nahtlos zu warm und zu trocken.“ Die Folge: „Wir haben einen leicht erhöhten Ausfall, bei der Weißtannenpflanzung sogar stellenweise einen Totalausfall.“ Kurth will dabei kein Schreckensszenario entwerfen: „Man kann nicht von einer Katastrophe sprechen.“

Zu warm und zu trocken

Zu hohe Temperaturen und viel zu wenig Regen sind den Förstern seit April erhalten geblieben. „Das ist Stress für die Bäume.“ Zudem habe der Wald „extrem stark geblüht. Das ist zusätzlich ein Prozess, der den Bäumen richtig Kraft kostet.“ Die Blüte ist dabei ein Phänomen, das die Experten immer häufiger beobachten. Blühte der Wald früher alle fünf bis sieben Jahre, geschah dies zuletzt alle zwei Jahre. Dies wird auf die steigenden Durchschnittstemperaturen zurückgeführt.

Die große Borkenkäferplage setzte erst Mitte Juli ein. „Dies hat daran gelegen, dass wir bis Mitte Ende Juni relativ kühle Nächte hatten“, sagt Andreas Kurth. Als auch die Nächte wärmer wurden, kam es aber zur befürchteten „Explosion“ der Schädlingspopulation, vor allem Borkenkäfer und Kupferstecher. „Trotzdem haben wir in diesem Jahr wesentlich weniger Käferholz als im Vorjahr“, sagt der Revierförster. Statt 2600 Festmetern 2017 sind es im Revier diesmal 1300 Festmeter. Kurth begründet dies auch mit einer guten Zusammenarbeit zwischen Forstamt und den insgesamt 550 privaten Waldbesitzern. „Viele haben super mitgezogen, und so konnten wir zeitnah mit den Unternehmen in den befallenen Abschnitten arbeiten.“

Weil zu Trockenheit und Käferbefall noch die schweren Stürme Anfang des Jahres viel Schaden anrichteten, geschah 42 Prozent des Holzeinschlags im Bad Wurzacher Revier außerplanmäßig. „Ein hoher Wert“, so Kurth, aber bei weitem nicht so viel wie beispielsweise im Nachbarrevier Haidgau (69 Prozent). „In einem Revier der Forstamtsaußenstelle Leutkirch betrug der außerplanmäßige Holzeinschlag sogar 84 Prozent.“ Insgesamt gibt es laut Kurth in den neun Revieren der Forstamtsaußenstelle Leutkirch in diesem Jahr 69 000 Festmeter, die durch außerplanmäßigen Einschlag entstanden sind, 27 000 Festmeter davon sind Käferholz, der Rest liegt vor allem in Sturmschäden begründet.

Wirtschaftlich sind die Waldschäden für die Eigentümer ein schwerer Schlag. „Die Preise für Käferholz sind abgestürzt“, weiß Kurth. „Die Sägewerke sind überversorgt.“ Teilweise seien die Erntekosten höher als die zu erzielenden Preise. Waldbesitzer verkaufen das eigentlich hochwertige Holz als Brennholz.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen