Daten sind die Währung bei Facebook

Lesedauer: 4 Min

Dozent Bela Mutschler, die Elternbeiratsvorsitzenden Renata Ertle und Kai Uwe Gurski (von links) nach dem Vortrag über die Komm
Dozent Bela Mutschler, die Elternbeiratsvorsitzenden Renata Ertle und Kai Uwe Gurski (von links) nach dem Vortrag über die Kommerzialisierung unserer Daten. (Foto: Christine Hofer-Runst)
Schwäbische Zeitung
Christine Hofer-Runst

Zum Vortrag über Kommerzialisierung unserer Daten, am Beispiel Facebook, hat der Elternbeirat des Salvatorkollegs am Montagabend eingeladen. Dozent Bela Mutschler, Professor an der Hochschule Weingarten erläuterte eindrucksvoll, wie mit den Daten umgegangen wird und wie Facebook damit Geld verdient.

Ein Leben ohne Smartphone? Ohne Tablet? Ohne Internet oder sozialer Netzwerke? Unvorstellbar – selbst bei Kindern unter zehn Jahren, gehört Chatten zum Alltag. Völlig unbefangen stellt man dabei Daten zur Verfügung, über deren Verbleib und Nutzen, nicht nachgedacht wird. Bela Mutschler thematisierte genau das und präsentierte schockierende Fakten. Etwa zwei Milliarden Nutzer sind bei Facebook gemeldet und nutzen täglich das Medium. Grundsätzlich ist Facebook gratis, stellt sich somit die Frage, warum ist der Konzern dann 350 Milliarden Dollar wert.

Zielgenau platzierte Werbung

Diese Erlöse können nur durch Werbeeinnahmen erzielt werden und dazu sammelt Facebook Daten. Alter, Familienstand, Geschlecht, Beruf sind zumeist noch Informationen, die man im Profil selbst freigibt. Durch Liken und Teilen werden die Vorlieben jedes Einzelnen konkreter und für Firmen interessanter. Zum Zeitpunkt des Einloggens werden bereits Filter gesetzt, wo versucht wird, Werbung zielgenau zu platzieren. Selbst anhand der Tippgeschwindigkeit analysieren Computerprogramme, ob der Nutzer entspannt ist oder nicht und passen die Werbeeinspieler entsprechend an. Klickt der Nutzer eine Werbung an, klingelt bei Facebook-Chef Marc Zuckerberg die Kasse. Bela Mutschler bezeichnet diese Kommerzialisierung als „die Lizenz zum Geld drucken“.

2014 übernahm Facebook das Nachrichtenportal WhatsApp für 14 Milliarden Dollar, um die Daten zu erwerben, die Facebook noch fehlten: Handynummern. Das bedeutet, dass selbst bei einer Anmeldung unter einem Pseudonym, der Bezug zur realen Person, hergestellt werden kann. Auch Saugroboter, die immer mehr in den Haushalten zu finden sind, liefern wichtige Daten. Über die Größe der Wohnfläche, über die Menge der Möbel. Ob es sich um eine aufgeräumte Wohnung handelt oder nicht.

Bela Mutschler empfahl den Zuhörern „Datensparsamkeit“ und immer wieder den Dialog mit Kindern und Jugendlichen zu suchen. Nur so werden diese sensibilisiert und vor Missbrauch geschützt. Renata Ertle, Elternbeiratsvorsitzende, wies in ihrem Schlusswort nochmals darauf hin, den Umgang mit sozialen Medien und den Gefahren dabei, immer wieder zu thematisieren.

Verfahren gegen Facebook

Facebook hat weltweit mehr als zwei Milliarden Nutzer, in Deutschland sind es rund 31 Millionen. Davon nutzen fast zwei Drittel das soziale Netzwerk täglich. Im Dezember hat das Bundeskartellamt bekanntgegeben, dass es ein Verfahren wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung gebe. „Das Sammeln und Verwerten von Daten aus Drittquellen außerhalb der Facebook-Website ist missbräuchlich“, heißt es einer Mitteilung der Behörde.

Es bezieht sich vor allem auf das Zusammenführen von Informationen aus WhatsApp und Instagram. „Das Ausmaß und die Ausgestaltung der Datensammlung verstößt gegen zwingende europäische Datenschutzwertungen“, wird Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, in der Mitteilung zitiert. Das Verfahren beziehe sich nicht auf die Datensammlung und -verwendung auf dem sozialen Netzwerk Facebook selbst, wird betont.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen