Bedrückend und berührend

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 Feline und Bernadette Miller spielen die „Ode an die Freude“
Feline und Bernadette Miller spielen die „Ode an die Freude“ (Foto: Patricia Gragnato)
Patricia Gragnato

An die Hundert großen und kleinen Gästen sind der Einladung zum Beten auf dem Klosterplatz in Bad Wurzach am Sonntag gefolgt. Bereits zum vierten Mal fand das ökumenische Friedensgebet statt – eine Initiative der vier christlichen Kirchen der Stadt, die immer am ersten Sonntag des Monats dazu einladen, gemeinsam für den Frieden zu beten und zu singen. Dieses Mal richtete die katholische Kirchengemende St. Verena die Veranstaltung aus.

Zur Einstimmung spielten die siebenjährige Feline Miller und Bernadette Miller auf ihren Blockflöten in bemerkenswerter Weise die Ode an die Freude von Beethoven respektive Schiller, die auffordert, dass alle Menschen Brüder werden. Auch heute noch ein unerreichtes Ziel, wie das von Herbert und Rosi Müller vorgestellte Beispiel des Jemens deutlich machte. Dort geschieht seit 2015 in einem Mehrfrontenkrieg die laut Medienberichten „schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt“. Achtzig Prozent der Menschen benötigten demnach humanitäre Hilfe, jeden Tag verhungerten Kinder.

Rosi Müller, die 1987 den Jemen besucht hatte und mit vielen Frauen und Kindern ins Gespräch gekommen war, brachte auf bedrückende Weise ihre Ohnmacht zum Ausdruck. Sie stelle sich immer wieder die Frage, was aus den kleinen Jungen und Mädchen auf ihren Fotos geworden sei – Männer, die als Soldaten verheizt werden und Mütter, die zusehen müssen, wie ihre Kinder an Hunger sterben. Dabei könnte es so einfach sein, Frieden zu stiften, wie die von Andrea Molnar vorgetragene Geschichte aus dem Kinderbuch „Das Vier-Farben-Land“ der Psychologin Gina Ruck-Pauquet zeigt.

Pastoralreferent Raimund Miller, der die Veranstaltung mit Gitarre und Mundharmonika musikalisch mitgestaltete, meinte, sie schildere eindrucksvoll die Machtspiele von Menschen, auch zwischen einzelnen Menschen. Dabei sei die Vielfalt gottgewollt und er appellierte, anstatt sich gegenseitig auszugrenzen, die Verschiedenheiten als Chance zu begreifen, zusammenzuwirken, um zu versöhnen. Eine Veranstaltung, die tief berührte und dankbar machte, dass Menschen in Deutschland seit siebzig Jahren in Frieden leben dürfen.

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