Bärlapp wird zum Farbtupfer in der Winterlandschaft

Ein Farbtupfer im Winterwald: der Sprossende Bärlapp mit sattgrünem Sprosstrieb und gelbgrüner Sporenähre.
Ein Farbtupfer im Winterwald: der Sprossende Bärlapp mit sattgrünem Sprosstrieb und gelbgrüner Sporenähre. (Foto: Naturschutzzentrum)
Schwäbische Zeitung

Die Tage werden wieder länger, sehnsüchtig erfreuen wir uns an jeder zusätzlichen Minute Helligkeit. In der Natur dominieren jedoch weiterhin braune oder dunkelgrüne Farbtöne die stark reduzierte Pflanzenwelt. Doch an manchen Stellen kann man bei genauem Hinsehen ein ganz besonderes Pflänzchen entdecken. Zweifarbig, in saftigem Grün und leuchtendem Gelb, stellt es sich der farblichen Eintönigkeit des winterlichen Waldbodens entgegen.

Kleine „Tannenbäumchen“ bedecken den Waldboden

Es ist der Sprossende Bärlapp, der auch Wald-Bärlapp genannt wird. Nicht nur die Farben, sondern auch die Form zieht die Aufmerksamkeit des Naturbeobachters auf sich. An den aufrechten Sprosstrieben sitzen zahlreiche starre, scharf zugespitzte Blättchen. Sie lassen die Pflanze wie kleine Tannenbäumchen aussehen, die an geeigneten Stellen nahezu flächig den Waldboden bedecken. Am oberen Ende des grünen Sprosstriebes sitzen die gelblichen Fortpflanzungsorgane, die an eine Getreide-Ähre erinnern. Bärlappe vermehren sich über mikroskopisch kleine Sporen, die von den Sporenähren wie feiner Puder in die Luft entlassen werden. In Mitteleuropa erfolgt die Verbreitung jedoch überwiegend durch unterirdische Ausläufer.

Einst mächtige Bäume

Bärlappe sind wahre Urzeitpflanzen. Sie sahen die Dinosaurier kommen und wieder gehen. In den Steinkohlewäldern des Karbons erreichten sie ihre Blütezeit und bildeten dort mächtige Bäume. Deutlich kleinere Vertreter sind als lebende Fossilien bis heute erhalten. Die scheinbare Ähnlichkeit der Zweige mit einem zottigen Tierfell gab der Gruppe den Namen. Bärlappe waren von jeher sagenumwobene Pflanzen, die als Schutz vor Hexen oder Schadzauber galten, aber auch als Aphrodisiakum und Heilmittel eingesetzt wurden. Das außerordentlich feine Pulver der Sporen wurde von Apothekern zum Bestäuben von Tabletten genutzt, bis die Erfindung der Blister es weitgehend ablöste.

Von Feuerspuckern benutzt

Aufgrund seines hohen Ölgehaltes wurde das Sporenpulver auch als Blitzlichtpulver in der Fotografie eingesetzt, indem es beispielsweise in eine brennende Kerze geblasen wurde. Heute nutzen vor allem Feuerspucker die feinen Bärlappsporen für eindrucksvolle Feuereffekte, wenn sie auf flüssige Brandmittel verzichten wollen.

Wer sich nun aber ein neues Hobby zulegen und dazu in der Natur bedienen möchte, der sei gewarnt: Bärlappe sind sehr selten und stehen unter besonderem Naturschutz. Das Sammeln der Pflanze oder ihrer Sporen ist nicht erlaubt. Anschauen hingegen ist ausdrücklich erwünscht – begeben Sie sich doch einmal auf die Suche nach dem Urzeitpflänzchen: Den Radweg am südlichen Riedrand entlang, vorbei am Wohnmobilstellplatz und dann die nächste Möglichkeit links ins Ried. Gegenüber der Plattform am kleinen Hochmoor-Relikt stehen die Chancen nicht schlecht.

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.

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