Bad Wurzach einen etwas anderen Erntedank-Gottesdienst

Lesedauer: 3 Min

 Pfarrerin Barbara Vollmer und Konfirmanden gestalteten den Gottesdienst.
Pfarrerin Barbara Vollmer und Konfirmanden gestalteten den Gottesdienst. (Foto: Patricia Gragnato)
Patricia Gragnato

Vergangenen Sonntag wurde das Erntedankfest begangen – so auch in der evangelischen Kirchengemeinde Bad Wurzach. Was allerdings Pfarrerin Barbara Vollmer und ihre Konfirmanden im Gottesdienst auf die Beine stellten, ging weit über das Übliche hinaus.

Während die Jugendlichen als „Extrablatt“-Verkäufer unterwegs waren, führte Vollmer Zahlen und Fakten an, die bei den Gottesdienstbesuchern Beklommenheit und Fassungslosigkeit, aber auch Wut und Entsetzen hervorriefen. Beispielsweise, dass weltweit 815 Millionen Menschen hungern und täglich 24 000 Menschen an Hunger sterben würden, 15 300 davon seien Kinder unter fünf Jahren. Gleichzeitig würden jährlich allein in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – das sei ein Drittel der gesamten Produktion.

Natürlich, so Vollmer, könne man diese nicht dahin bringen, wo sie gebraucht würden, wie in diesem Jahr die Unmengen an Obst, die wir ernten, aber man könne die Politik auffordern, etwas zu tun. Und natürlich bei sich „im Kleinen“ anfangen, bewusster mit Lebensmittel umzugehen. Auch andere Skandale kamen zur Sprache: „Wer Grundsicherung im Alter erhält, dem wird die Mütterrente in Abzug gebracht – ist das gerecht?“, fragt Vollmer. Oder das Thema Dieselskandal – wer zahlt? Der deutsche Staat oder die Autohersteller? Und Vollmer konkludierte: „Geld regiert die Welt, die Reichen bekommen immer mehr, während die Armen leer ausgehen.“

Dennoch überwog die Dankbarkeit in diesem Gottesdienst. Die Gottesdienstbesucher konnten auf Zetteln notieren, wofür sie dankbar sind. Diese wurden von den Konfirmanden an einer Stellwand befestigt, auf dem farbenprächtig das Wort „Dank“ stand und teilweise von Vollmer vorgelesen. Es zeigte sich, dass es so vieles gibt, für das man dankbar sein kann. Und als weiteren schönen Moment gab es die Taufe von Ben Rodi, der von den Gottesdienstbesuchern mit Applaus in die Kirchengemeinde aufgenommen wurde. Im Anschluss an den Gottesdienst, der musikalisch vom Posaunenchor unter Leitung von Johannes Wirth gestaltet wurde, wofür Vollmer sich nachdrücklich bedankte, lud die Kirchengemeinde zu einem Weißwurstessen ein, das großen Anklang fand.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen