Backhaus ist der lebendige Dorfmittelpunkt in Seibranz

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 Die Teilnehmerinnen des Backkurses am Samstag schauen der gelernten Bäckerin Brigitte Halder (r.) ganz genau auf die kunstfert
Die Teilnehmerinnen des Backkurses am Samstag schauen der gelernten Bäckerin Brigitte Halder (r.) ganz genau auf die kunstfertigen Hände. (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Termine, Neuigkeiten und Informationen zum Verein sind der Homepage www.backhaus-seibranz.de zu entnehmen.

Seit der feierlichen Eröffnung im April hat sich das Backhäusle in Seibranz als Dorfmittelpunkt etabliert. Ob nun die Initiatoren backen oder Brigitte Halder einen Backkurs gibt – irgendjemand aus dem Dorf schaut immer vorbei; um ein kurzes „Schwätzle“ zu halten oder ein „Versucherle“ aus dem Backofen zu erhaschen.

Am Samstag fand ein besonderer Backkurs für die Spender des Crowdfunding-Projektes statt, zu dem die Vereinsvorsitzende Brigitte Halder eingeladen hatte. Der Ofen war angeheizt, es rauchte ganz erheblich, und die erste Information für die Teilnehmer war: „Es kommt immer auf das Wetter an, beim Schüren, beim Kneten und beim Backen auch.“

Vom Treiben auf dem kleinen Vorplatz des Backhäusles angezogen, gesellte sich ein Ehepaar zur Gruppe. Wie der Mann berichtete, sei man „Noch-Nicht-Seibranzer“, man habe ein Haus gekauft, müsse noch umziehen, aber weil seine Frau in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden möchte und zudem noch gerne backt, schlug er ihr eine Mitgliedschaft im Verein vor, der die Wiederbelebung der Backstube in der Ortsmitte vorangetrieben hatte.

In ihrer kurzen Einleitung erzählt Brigitte Halder vom Vereinsleben, vom Zusammenhalt der Mitglieder – am Samstagnachmittag wurde sie von Eva Ege tatkräftig unterstützt – und von ganz alltäglichen Dingen, wie etwa den Besuchen des Wirtschaftskontrolldienstes, der regelmäßig die hygienischen Bedingungen kontrolliert.

In ihren Ausführungen ging die gelernte Bäckerin immer wieder auf den Ursprung ihres Handwerks ein und die Bedeutung des Korns, das seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel der Menschheit dient. „Nur gute Zutaten ergeben gute Produkte“, fasst Halder zusammen. Regionalität, vom Mehl bis zur Buttermilch, sei ein fester Grundsatz des Vereins und werde konsequent umgesetzt.

Anschließend musste geschafft werden, ein umfangreiches Backsortiment stand auf dem Programm. Die angesetzten Teige wollten verarbeitet werden, und die Kursteilnehmer hatten, im wahrsten Sinne des Wortes, alle Hände voll zu tun. Erste Aufgabe waren Semmeln, zu Kugeln gerollt und zu einer kleinen Partysonne vereint. Krustis und kleine Teigzöpfe gesellten sich aufs Blech, um nach kurzer Ruhezeit gebacken zu werden.

Mit dem Seelenteig, ein ganz empfindlicher und sensibler Teig, startete schon die Königsklasse. Nicht schlagen, immer gut benetzen, sanft mit den Fingern abteilen, nicht drücken – es gab so Vieles zu beachten, damit das schwäbische Gebäck auch nach dem Backvorgang die richtige Konsistenz erreicht. Außen knusprig, aber nicht zu hart, innen geschmackvoll und grobporig. Dekoriert wurden die Mimosen der Backkunst ganz klassisch mit Salz und Kümmel.

Seelenteig bedeutet zugleich auch Dinnete, der unangefochtene Klassiker des Seibranzer Backvereins. Die Teiglinge bekamen ein „Topping“ aus fein gewürztem Schmand, Speck oder Grieben, verschwanden im Ofen und kamen als knusprige, aromatische Köstlichkeit wieder zu Tage.

Wie nebenbei gab Brigitte Halder unzählige Tipps an die Hobbybäcker weiter: Eine lange Teigführung macht Brot bekömmlicher; den Teig nicht überkneten oder übergehen lassen; Variationen in der Füllung oder obendrauf. Halder ließ die Kursteilnehmer an ihrem ganzen Können und ihrer Kreativität teilhaben. Am Tag vor Erntedank wurde ein Ährenbrot gezaubert und hübsch garniert – das Auge isst bekanntlich mit.

Nach so viel Herzhaftem und Deftigem wurden die süßen Gebäckstücke zubereitet. In hauchdünnen Strudelteig wurde die herbstlich duftende Apfelmasse eingerollt, aus Dreiecken Nusshörnchen gerollt oder ein ganzer Nusszopf geflochten. Die Zopfflechtkunst hatte es in sich: Rechte Hand nach links und dann von oben nach unten. Bei der Bäckerin sah das Prozedere spielend leicht aus, bei den Laienbäckern kam es durchaus zu Komplikationen. Wo war nochmal oben? Und wo muss jetzt dieser Zipfel durch?

Als Dankeschön für ihr Spenden-engagement und den tatkräftigen Arbeitseinsatz an diesem Samstagnachmittag durften die Teilnehmer ein ofenwarmes, selbst geformtes Brot mit nach Hause nehmen. „Ein gutes Produkt aus guten Zutaten.“

Termine, Neuigkeiten und Informationen zum Verein sind der Homepage www.backhaus-seibranz.de zu entnehmen.

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