Aus Partnern werden Freunde

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 Die deutsche, französische und europäische Flaggen wehen im Wind vor dem Bad Wurzacher Kurhaus.
Die deutsche, französische und europäische Flaggen wehen im Wind vor dem Bad Wurzacher Kurhaus. (Foto: Archiv: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Der Partnerschaftsverein feiert sein 30-jähriges Bestehen und das der Städtepartnerschaft zwischen Bad Wurzach und Luxeuil-les Bains. In Frankreich wurde dies bereits am 14. Juli, dem Nationalfeiertag, mit einem Festakt gewürdigt. Am kommenden Wochenende wird nun in der Riedstadt gefeiert.

Die Freundschaft zweier Studentinnen war Ausgangspunkt der Städtepartnerschaft. Françoise Chopy-Jourdain und Ute Schmidt-Berger lernten sich Ende der 1960er-Jahre in Paris kennen und schätzen. Die tatkräftigen jungen Frauen kamen im Laufe der Jahre auf die Idee, ihre Städte, Chopy-Jourdains Heimat Luxeuil und Schmidt-Bergers Wahlheimat Bad Wurzach, in einer Partnerschaft zusammenzuführen.

„Sie trafen damit in Luxeuil wie in Bad Wurzach auf offene Türen, sowohl in Verwaltung und Gemeinderat wie auch bei den Bürgern“, erinnert sich Jochen Martiny, heute Vorsitzender des Komitees Luxeuil im Partnerschaftsverein. Am 29. September 1988 unterzeichneten die Bürgermeister Helmuth Morczinietz und Jacques Maroselli den Freundschaftsvertrag.

Die Menschen und Vereine beider Städte erfüllen diese Partnerschaft bis heute mit Leben. Es gibt einen regelmäßigen Schüleraustausch, an dem bis heute wohl an die 3000 Jugendliche teilgenommen haben, Sportbegegnungen, kulturelle Kontakte und gegenseitige Einladungen zu Festen wie dem Nationalfeiertag in Frankreich und dem Heilig-Blutfest in Bad Wurzach. „Nur eine Hochzeit haben wir noch nicht zustande bekommen“, erzählt Martiny lächelnd, obwohl sich auch privat viele Freundschaften entwickelt hätten.

„Derzeit läuft es sehr gut“, bestätigt der Bad Wurzacher Vereinsvorsitzende Erich Lacher. In der Vergangenheit sei der offizielle Kontakt zu Luxeuil manchmal schwierig gewesen, räumen er und Martiny ein. Denn in Frankreich gibt es keinen Verein, der sich um die Partnerschaft kümmert.

„Mit der Amtsübernahme von Michel Raison hat sich das aber hervorragend eingerenkt“, so Martiny. Raison wurde 2008 zum Bürgermeister von Luxeuil gewählt. „Er wurde uns zu einem wirklich guten Freund, auch auf privater Ebene.“ Vor allem mit dem ehemaligen Bad Wurzacher Bürgermeister Roland Bürkle verstand und versteht sich Raison blendend.

Nach Raisons Wahl zum Senator für das Department folgte ihm 2016 Frédéric Burghard im Amt. „Von ihm haben wir den Eindruck, dass er in Raisons Fußstapfen treten will“, sagt Martiny. Und Burghard habe in Didier Hua, Martine Bavard und dem Ehepaar Frère ein Team zur Seite, „das die Kontinuität unserer Beziehungen wahren will“. Dafür stehe auch, so sind Lacher und Martiny überzeugt, die neue Bad Wurzacher Bürgermeisterin Alexandra Scherer.

Eine andere Hürde, die Martiny sieht, ist die Sprache. Er bedauert zutiefst, dass es keinen Französisch-Kurs mehr an der Bad Wurzacher Volkshochschule gibt. „Andersherum gibt es für die Luxeuiler, die Deutsch gelernt haben, ein Erwachen, wenn sie hier auf eine Sprache treffen, die mit ihrem Schuldeutsch nicht so viel zu tun hat“.

Der Partnerschaft mit Luxeuil folgten in den 2000er-Jahren drei weitere: im Jahr 2000 mit Wallingford in England und mit Popielów in Polen sowie im Jahr 2002 mit Saint Helier auf der Kanalinsel Jersey.

Vor allem die letztere bezeichnet Martiny als „eine großartige Entwicklung, ja, ein Wunder“ angesichts der gemeinsamen dunklen Geschichte im zweiten Weltkrieg. Damals waren viele Jerseyaner in Bad Wurzach interniert. Der Bad Wurzacher Hermann Bilgeri und Michael Ginns auf Seiten der Kanal-Insel haben sich da besonders verdient gemacht.

Selbst wenn die offiziellen Beziehungen zu Wallingford im Prinzip nicht mehr vorhanden sind, gibt es mit den Engländern wie mit allen anderen drei Partnerstädten vor allem einen „ganz hervorragenden Schüleraustausch“. Das freut Lacher und seine Mitstreiter im Verein besonders: „Die Jugend liegt uns ganz stark am Herzen. Daher ist es uns auch unendlich wichtig, die Verbindung mit Wallingford aufrecht zu erhalten.“

Insgesamt sind Lacher und Martiny zum 30. Geburtstag des Vereins sehr zufrieden. Das sei zum einen der Unterstützung der Stadt zu verdanken, sagen sie. Vor allem aber heben sie die Verdienst einer Frau hervor: „Beate Ebel ist mit ihrem diplomatischen Geschick, ihrer unendlichen Energie und ihrem gesunden Menschenverstand der Motor unseres Vereins.“

Gleichwohl sehen sie „die große Herausforderung, die vor uns liegt. Wir würden uns wünschen, dass eine neue junge Führungsriege heranwächst.“ Schließlich soll der Verein weitere 30 Jahren existieren – mindestens.

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