Auf Volkskrankheit Depression hinweisen

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Die Mut-Tour macht Station in Bad Wurzach.
Die Mut-Tour macht Station in Bad Wurzach. (Foto: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Viele leiden darunter, kaum einer mag darüber reden. Depression ist eine Krankheit, mit der Betroffene und ihre Angehörigen und Freunde oft nur schwer umgehen können. Eine Krankheit, die scheinbar hilflos macht.

Mia (26 Jahre) aus Hannover und Joseph (49) aus Frankfurt/Main – ihre Nachnamen möchten sie in der Zeitung nicht lesen – wollen das ändern. Sie machen mit bei der Mut-Tour 2016, die am Montagmittag auch in Bad Wurzach kurz Station gemacht hat.

Tourziel ist Bremen

Insgesamt 50 an Depressionen Erkrankte, aber auch Gesunde sind seit Anfang Juni in Deutschland unterwegs. Eine kleinere Gruppe fährt mehrere Etappen und wird dann vom nächsten Team abgelöst. Ein weiteres Team bewältigt derzeit eine Strecke mit Eseln und Kajaks. Treffpunkt aller ist am 3. September in Bremen zur großen Abschlusskundgebung.

„Die Mut-Tour ist keine Therapiefahrt“, betont Mia, „aber Natur, die klar definierte Tagesstruktur, die Bewegung und die Gemeinschaft tun uns, wie allen anderen Menschen, natürlich gut.“ Übernachtet wird in Zelten. „Ab und zu bieten uns Menschen oder kirchliche Organisationen auch ein Quartier für die Nacht an“, erzählt Mia.

Tandem erregt Aufmerksamkeit

Allererstes Ziel der Tour ist es, die Öffentlichkeit auf die Krankheit Depression aufmerksam zu machen, sie dafür zu sensibilisieren. Auch deshalb sei als Fortbewegungsmittel das Tandem gewählt worden. Diese eher selten anzutreffenden Gefährte erregen Aufmerksamkeit.

Auch in Bad Wurzach, wo kurze Zeit nach der Ankunft eine kleine Menschentraube um die Tandems herumsteht. So kommen Mia, Joseph und ihre vier weiteren Mitstreiter schnell mit den Menschen ins Gespräch.

Von der Krankheit erzählen

Ihnen erzählen Mia und ihre Mitstreiter dann von der Krankheit, wie schwer es ist, sich diese erst einmal sich selbst gegenüber einzugestehen, wie notwendig aber gerade das erst einmal ist. „Viele Betroffene betrachten Depression als persönliche Schwäche, derer sie sich schämen“, sagt Mia.

Krankheitsbilder wie eine Antriebslosigkeit, die vom Umfeld oft als Faulheit interpretiert wird, machen den Umgang mit der Krankheit für die Kranken selbst, aber auch für die Angehörigen noch schwerer.

„Depression ist behandelbar“

Umso mehr gilt es, sich zu überwinden und die Krankheit behandeln zu lassen. „Depression ist eine schwere Krankheit“, sagt Joseph, „aber sie ist behandelbar. Und es betrifft viel mehr Menschen als man denkt.“

Um diese Botschaft weiterzutragen, radeln Mia und Joseph fast zwei Wochen lang gut 60 Kilometer täglich, bei Regen wie bei Hitze. „Wir stoßen auf unglaublich viel positive Resonanz“, erzählen sie begeistert. Immer wieder kämen bei den Etappenpausen wie in Bad Wurzach Betroffene und Angehörige, um sich einmal das Herz auszuschütten. „Das sind unglaublich ergreifende Begegnungen“, so Mia.

Mehrere Partner und Unterstützer

Die Mut-Tour wird unterstützt von zahlreichen Organisationen wie Aktion Mensch, der Deutschen Depressionsliga und der Deutschen Rentenversicherung und von Prominenten wie Willi Lemke (Ex-Manager von Werder Bremen) und dem Fernsehstar Harald Schmidt. Veranstalter ist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Bremen.

Kontaktstellen:

Sozialpsychiatrischer Dienst Landkreis Ravensburg, Telefon 0751/3665520, E-Mail ambulante-dienste@arkade-ev.de

Selbsthilfegruppe für emotionale Gesundheit, Emotions Anonymus, Leutkirch, Telefon 07561/3472, Treffen jeden Montag um 19.30 Uhr

Weitere Informationen:

depressionsliga.de

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