Am Klavier ins Leben zurück gekehrt

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 Ein Konzert der besonderen Art: Patient Friedhelm Enz verabschiedet sich nach mehreren Wochen Reha. Nach einer Gehirnblutung ka
Ein Konzert der besonderen Art: Patient Friedhelm Enz verabschiedet sich nach mehreren Wochen Reha. Nach einer Gehirnblutung kann er nun wieder gehen, sprechen, seinen Alltag selbstständig gestalten und – hier mit Musiktherapeutin Verena Jungwirth –Klavier spielen. (Foto: Rehaklinik)
Schwäbische Zeitung

Durch das Foyer der Rehabilitationsklinik Bad Wurzach schwirren Jazzklavierklänge: Chick Coreas „Children’s Songs“. Das Publikum – Patienten auf dem Weg von der Therapie in die Mittagspause und viele Therapeuten – wippt mit. Am Klavier sitzt ein Duo, das grüne T-Shirt weist die Pianistin als Therapeutin aus. Eine Pressemitteilung der Rehaklinik erzählt von einem nicht ganz normalen Unterhaltungskonzert.

Es ist das Abschiedskonzert von Friedhelm Enz, seit anderthalb Monaten Patient in der Fachklinik für Orthopädie, Neurologie und Altersmedizin. Verena Jungwirth und Friedhelm Enz haben am gleichen Tag in Bad Wurzach begonnen. Sie als Musiktherapeutin, er als Patient. Drei Wochen lag er nach einer Hirnblutung im Februar im Koma. „In die Rehabilitationsklinik kam er nach drei Monaten Krankenhausaufenthalt als Patient der Phasen C und D“, erläutert Chefarzt Markus Schlomm. Patienten in dieser Phase seien in der Regel sehr eingeschränkt mobil und meist in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt, so Schlomm.

Enz, gelernter Werkzeugmacher, spielte vor seiner Erkrankung in drei Bands Klavier und Gitarre. „Dabei hat mir Musik immer geholfen“, berichtet er. „Umso schlimmer war, dass ich nun überhaupt keine Musik mehr machen konnte.“

Gerade für neurologische Patienten wie Friedhelm Enz habe man in der Klinik die Musiktherapie aufgebaut, so der Chefarzt. Denn sie bietet umfassende Impulse in den Bereichen Sprache, psychisches Befinden, kognitive Fähigkeiten, Koordination und Motorik. Verena Jungwirth ergänzt: „Viele Patienten können zum Beispiel nach einem Schlaganfall nur eingeschränkt oder gar nicht sprechen, weil das Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte gestört ist. Singen aktiviert jedoch beide Seiten des Gehirns.“ Das ermögliche Menschen, wieder sprechen zu lernen. Hinzu komme die Möglichkeit von Klang-reisen und die emotionale Seite von Musik, über die sich Patienten ausdrücken können, selbst, wenn ihnen die Wörter fehlen. So ergänzt die Musiktherapie in Bad Wurzach alle anderen Behandlungsmöglichkeiten.

Friedhelm Enz berichtet, dass er nach der Gehirnblutung keine Stimme mehr hatte. Stimulierend wirkten bei ihm Logopädie, Ergo- und Physiotherapie. Zusammen mit Verena Jungwirth tastete er sich langsam über rhythmische Übungen in vielen kleinen Schritten an das Klavier heran. Die erfahrene Therapeutin half ihm, seine Hände zu koordinieren und Bewegungen über den Rhythmus wieder fließender auszuführen.

Die Fortschritte am Klavier und die Atmosphäre in der Klinik motivierten ihn besonders. Da lag es für den Vollblutmusiker nahe, zusammen mit Verena Jungwirth zu musizieren und schließlich erstmals seit der Gehirnblutung wieder aufzutreten. „Ich möchte allen meinen Therapeuten und Ärzten hier in Bad Wurzach mit meinem Abschiedskonzert Dankeschön sagen“, so Friedhelm Enz. „Und ich möchte anderen Mut machen, zeigen, was dank der Therapie alles wieder funktionieren kann.“

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