Zwischen Toronto und New York

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Hanna Barczyk
Hanna Barczyk (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Hanna Barczyk ist in Bad Waldsee aufgewachsen. Mit 13 Jahren zog sie mit ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester ins kanadische Toronto. Seit 2014 illustriert sie unter anderem regelmäßig für die New York Times. Mit Kristina Priebe hat sie über Kunst, Inspiration und Fanpost gesprochen

Frau Barczyk, wann haben Sie die Entscheidung getroffen im Bereich Kunst zu arbeiten?

Ich habe schon immer gewusst, dass ich künstlerisch arbeiten will. Ich wollte auch unbedingt an das Ontario College of Art and Design. Damals wusste ich aber noch nicht, was man unter Illustration in Amerika zu verstehen hat, ich wusste nur, dass ich Kunst machen wollte. Im College habe ich dann das Sujet Illustration gefunden und das hat für mich einen Sinn ergeben.

Wie würden Sie Ihre Kunst selbst beschreiben?

Ich habe ein sehr starkes Konzept und male sehr filigran. Es ist mir wichtig damit etwas auszusagen, eine Meinung auszudrücken. Das kann einfach aussehen, aber es steckt ein komplexes Konzept dahinter, in dem man mehr sehen kann. Es ist etwas Leichtes, das aber etwas aussagt.

Wodurch ist Ihre Kunst beeinflusst?

Beeinflusst bin ich von Allem – von Allem, was ich sehe. Kulturell bin ich durch meine ungarische Mutter geprägt. Das zeigt sich in den Blumen und anderen dekorativen ungarischen Elementen. Und mein Vater ist Historiker und hat uns immer in Museen und Galerien mitgenommen, wo ich beeinflusst wurde Künstlerin zu werden. Außerdem sind es deutsche Expressionisten wie Käthe Kollwitz, weil diese Kunst von der Stimmung her so stark ist. Dann aber auch durch alte polnische und kubanische Filmposter und durch Meister wie Matisse, Picasso, Munch und Frida Kahlo. Auch das freie Malen ist eine Inspiration. Ich habe zwei Skizzenbücher, in die ich einfach male, was mir einfällt.

Sie illustrieren für namhafte Zeitungen in New York, Los Angeles und auch Toronto. Wie haben Sie dort Fuß gefasst? Haben Sie durch Ihre Praktika Kontakte knüpfen können?

Ich habe zwei Praktika in Toronto gemacht, bei einer Mode Zeitung, Fashion, und dann bei einem politischen Heft, The Walrus Magazine. Ich habe bei The Walrus nach meinem Studium einen von meinen ersten Jobs bekommen. Ich habe auch Wand-Malerei gemacht und als Assistentin bei einem Illustrator in Toronto, Jose Ortega, und auch noch im Film gearbeitet. Aber 2013 habe ich dann in New York ein kurzes Praktikum angenommen bei einem Künstler, bei dem ich viel gelernt habe, Edel Rodriguez, und habe dort mein Portfolio aufgebaut. In New York habe ich auch meine Agentin, Ella Lupo, kennen gelernt, die dann für mich Vorstellungsgespräche organisiert hat und habe so mein Netzwerk von Kunden aufgebaut.

Wie lange dauert es von der Idee bis zur fertigen Illustration?

Das kommt darauf an, wann die Illustration gebraucht wird. Die New York Times zum Beispiel ruft so gegen 12 Uhr an und ich muss am gleichen Tag fertig sein. Von 12 Uhr bis 14 Uhr arbeite ich dann an den Skizzen. Und dann arbeite ich an der fertigen Illustration bis so 18 Uhr.

Was gefällt Ihnen am Besten an Ihrem Beruf?

Ich mag gerne die Artikel lesen, zu denen ich die Illustrationen machen soll um dann die Bilder im Kopf zu entwickeln. Eine Meinung dazu zu haben und das durch das Bild auszudrücken, dem Artikel zu helfen, verstanden zu werden. Das ist ein bisschen wie ein Puzzle. Ich muss darüber nachdenken, welche Symbole ich brauche, um den Artikel durch Kunst auszudrücken - wie ich durch Malen und durch die Kunst Meinung erzeugen kann. Mir gefällt der ganze Prozess von der Skizze bis zum Ende.

Wie ist es den eigenen Namen und die eigene Kunst in einem Blatt wie der New York Times zu sehen?

Das ist schon cool, da seinen Namen zu sehen. Ich bekomme seitdem auch viel Fanpost und neue Aufträge. Das ist auch das, was mich weiterbringt und antreibt. Man will weiter. Das ist auch eine große Bestätigung.

Könnten Sie sich vorstellen wieder zurück nach Deutschland zu kommen?

Das internationale Arbeiten würde mir gefallen. Das geht als Illustratorin auch gut. Man braucht ein Laptop, Papier und einen Bleistift und kann eigentlich hinziehen, wohin man will. Für die Zukunft könnte ich mir schwer vorstellen nach Deutschland zu kommen, wenn dann nur nach Berlin. New York wird wohl der Ort meiner Ideen und Vorstellungen bleiben.

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