Zum Kartoffelfest kommen viele Familien

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Stefan Grundner (rechts) als verantwortlicher Gärtner bei der Führung auf dem Gemüsefeld.
Stefan Grundner (rechts) als verantwortlicher Gärtner bei der Führung auf dem Gemüsefeld. (Foto: Heilig)

Ganz schön viel los war am Samstagnachmittag beim Herbstfest auf dem SoLaWi Hof Wild in Bad Waldsee-Unterurbach. Eingeladen dazu hatte der Verein „Solidarische Landwirtschaft Bad Waldsee“. Insbesondere viele Dutzend Familien mit Kindern nutzten den schönen Herbsttag für Information und Spaß. Während die Festbesucher an einem Infostand Wissenswertes über das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft erfahren konnten, erfreuten sich die jungen Gäste am Kartoffelsackhüpfen und einem Hühner-Rätsel. Besonders begehrt waren natürlich die Traktor-Rundfahrten. An gemütlichen Tischen im Hof wurde bei Kaffee und Apfelkuchen viel diskutiert.

„Was für eine Erde wollen wir unseren Kindern übergeben“, so begann der verantwortliche Gärtner vom Biohof Wild, Stefan Grundner, seine sehr gut besuchte zweimalige Ackerführung. SolaWi bietet in ihrer Struktur eine Alternative zur Bio-Landwirtschaft. Denn auch hier bestimme das Kaufverhalten der Kunden letztlich den Produktionsweg. Auf dem von Wild gepachtetem ein-Hektar-großem Feld gab es noch jede Menge Gemüse zu bestaunen.

Begonnen hatte der Gärtner seine Führung am Mistkompostplatz. „Wir stehen hier am wichtigsten Ort unseres Gemüsefeldes“, so der 52-jährige gelernte Bio-Landwirt. Stallmist vom Braunvieh und sämtliche Pflanzenabfälle der Anlage werden hier aufgeschüttet. Bei der einmaligen Umsetzung wird reichlich Gesteinsmehl dazugegeben. Nach etwa neun Monaten Lagerzeit steht dann der Kompost als Dünger zur Verfügung.

Eine „Vierfelderwirtschaft“ ist das Grundprinzip des Gärtners. Nach „Starkzehrern“, wie Sellerie, Lauch, Kürbis und alle Kohlarten werden im Folgejahr Kartoffeln angebaut. Diesen folgen die „Schwachzehrer“, wie Zwiebeln, Karotten, Mangold und Buschbohnen. Im vierten Jahr steht Kleegras im Anbauplan. Als Tiefwurzler sorgt der Klee für eine Bodenerholung. Zugleich wandelt er Stickstoff aus der Luft in organisch gebundenen Nährstickstoff. Mit einem Geräteträger, Baujahr 1963, werden die Kulturen gehackt und gehäufelt.

Staunen und da und dort auch Kopfschütteln erzielte der Gärtner mit seiner Aussage zum Thema „Schnecken“: „Auf meinem Feld begnügen sich diese Tierchen überwiegend mit den verbleibenden angefaulten Blättern, im Gewächshaus sammle ich sie schon ab und trage sie weg“. Während im Sommer es hier Tomaten, Gurken, Paprika und Chili zu Hauf gab, gedeihen jetzt Rucola, Feldsalat und Radieschen. Mit Brennnesseljauche wird das Wachstum gefördert.

Kartoffeln mit den schönen Namen wie „Linda“ (festkochend), „Desiree“ und „Violetta“ (vorwiegend festkochend), und „Schwarze Ungarin“ (mehlig) gab es zum Erwerben. Geerntet wurde vor zwei Wochen von Hand (gut drei Tonnen), die Klasse vier der Bergatreuter Schule half hier tatkräftig mit. Natürlich dient auf dem Kartoffelfeld der eigene Kompost ausschließlich als Dünger.

Sabine Mayerhofer und Helga Lorinser vom Organisationsteam stellten das Grundprinzip der Vereins in einem Satz dar: „Es wird die Arbeit des Gärtners bezahlt – nicht das Gemüse im Einzelnen“. Dabei wird ein auftretendes Ernterisiko solidarisch getragen. Der Erhalt von alten Sorten steuert den laufenden Neuzüchtungen entgegen. Derzeit zahlen 56 Familien monatlich einen Richtpreis in Höhe von etwa 80 Euro. Damit ist das ganze Jahr über der Bezug von Gemüse und Kartoffeln gewährleistet. Einzelpersonen können auch den hälftigen Richtpreis zahlen. Für die wöchentliche Abholung steht ein Raum in der Innenstadt 24 Stunden am Tag bereit. Die gelegentliche Mitarbeit wird gerne gesehen, ist aber keine Verpflichtung. Ein deftiges Mittagessen in der großen Bauernstube der Familie Wild ist dann der Lohn dafür.

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