Zitate der Popart in aufwändiger Technik

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Simone Albert zwischen ihren Gemälden, alle Acryl auf Leinwand.
Simone Albert zwischen ihren Gemälden, alle Acryl auf Leinwand. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

„Popart-Fotomontagen“ nennt sich die Ausstellung der Konstanzer Künstlerin Simone Albert (*1965), die auf den Wänden der Galerie einen starken und intensiven Akzent setzt. Immer wieder erweisen sich diese Räume als günstig für kleinere Ausstellungen, und ein stabil interessiertes Publikum bleibt den Sonntagmatineen treu. Axel F. Otterbach nahm den vergangenen Vernissage-Termin in diesem Jahr zum Anlass für eine Rückschau und eine Vorschau auf 2020 mit sechs Ausstellungen; im Mai wird dann die 100. Ausstellung gefeiert werden.

Aus gewisser Entfernung sehen sie aus wie Metallbilder, mit Lack bemalt. Doch Fehlanzeige: Zu Simone Alberts „Fotomontagen“ muss man etwas länger ausholen, denn so einfach, wie sich dieser Begriff anhört, ist es nicht. Seit 13 Jahren lebt sie von ihrer Kunst, hat ein Atelier und eine Galerie in Konstanz, wo sie ihre eigenen Werke verkauft. Zu denen gehören ursprünglich und immer noch ganz andere Motive, zum Beispiel stark abstrahierte Ölbilder, Seebilder oder Landschaften vom Bodensee. Seit sieben Jahren erst beschäftigt sie sich mit der Pop Art. Ihre Montagen entstehen am Computer, sie generiert sie aus eigenen und anderen Fotos, Schriften und Werbebildern. Diese Bildcollage wird auf die passgerechte und mit zwei Acrylfarben grundierte Leinwand gedruckt, diese dann auf den Holzrahmen aufgezogen und wieder mit Acrylfarben bemalt. Dass der Eindruck von Lack auf Metall entsteht, kommt durch den am Schluss aufgetragenen transparenten Bootslack, der Silberrand wird zuallerletzt an der Seite aufgesprayt. So erreicht Albert bei ihren Unikaten eine irritierende Haptik, die industriell wirkt und doch völlig Handarbeit ist. Außerdem geht es ihr um räumliche Tiefe, wie in dem Querformat „Underground“ mit Motiven aus London, das fast eine Sogwirkung entwickelt. Andere Bilder wieder spielen mit der Eleganz oder der Pfiffigkeit der alten Automodelle: Der Fiat 500 und ein Ferrari Spider, beide mit Audrey, der Porsche 911, San Francisco mit Mickey und Minnie, ein Rolls für Amy, ein 2CV mit Marilyn, gerade in der widersprüchlichen Kombination von Autoikonen und Stars amüsant.

Alberts bevorzugtes Motiv scheint, zumindest hier, Audrey Hepburn zu sein, ihr unverwechselbares Gesicht taucht auf sechs von 17 ausgestellten Bildern auf. Ausnahmslos sind es jedenfalls Frauen, Stars wie Marilyn Monroe oder Amy Winehouse, aber auch unbekannte Models oder Sängerin Blondie.

Laudator Thomas Warndorf ging es in seiner Laudatio vor allem um den viel weniger plakativen Charakter von Alberts Arbeiten im Vergleich zur flächigen, unhaptischen Pop Art; dagegen seien die Motive bei Albert mit Emotion aufgeladen, würden so zu „sehnsuchtsvollen“ Insignien ihres Besitzers und erzählten überdies eine Menge über Autos als Bild für Freiheit, Geschwindigkeit und Eleganz.

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