Zirkus will eine erfrischende Premiere

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Schwäbische Zeitung

Auf der Bleiche hat der „Circus Carl Busch“ mit seinen Aufbauarbeiten begonnen. Heute Abend ist die Premiere, dann laufen Vorstellungen bis Montagnachmittag. Die SZ hat den Zirkus bei den Vorbereitungen begleitet.

Von unserem Redaktionsmitglied Melanie Braith 

Langsam, ganz langsam gehen die Rundbögen aus Stahl in die Höhe. 32 Meter am höchsten Punkt. Das Zirkuszelt wird heute zum größten Teil mit Hilfe der Hydraulik aufgestellt. Vor 50 Jahren waren es noch Elefanten, die die Stangen in die Höhe gezogen haben. Heute dürfen die beiden Dickhäuter des „Circus Carl Busch“ faul im Schatten liegen. Sobald es ihnen zu heiß wird, werden sie abgeduscht.

Am Nachmittag übernimmt die Clownesse Sandy diese Aufgabe. Sie spritzt die Elefantin Carla mit einem Schlauch ab. Dabei tropft von der Haut des großen Tieres ein wenig Farbe. Sandy lacht. „Die Elefanten waren bei Filmaufnahmen und wurden dafür mit indischen Mustern geschminkt. Ein Rest von der Farbe ist noch übrig.“ Worum es in dem Film ging dürfen die Mitglieder der Zirkustruppe nicht verraten. Nur so viel: eine deutsche Kinofilmproduktion mit namhaften Schauspielern, in der es um eine Hippie-Sekte in den 70er-Jahren geht.

Sandy ist schon seit vielen Jahren beim Zirkus. Im Alter von vier hatte sie ihren ersten Auftritt in der Manege. Damals hat sie an einer Clown-Nummer mitgewirkt, bei der der Clown in der Waschmaschine eingeht. Sandy spielte den kleinen Clown. „In meiner Familie gibt es schon seit sechs Generationen Clowns“, erzählt die 24-Jährige. „Ich habe viel von meinem Papa und meinem Opa gelernt.“

Clownesse lautet die richtige Bezeichnung für einen weiblichen Clown. Viele von ihnen gibt es nicht. „Das liegt daran, dass die meisten Frauen beim Zirkus lieber etwas elegantes und prinzessinnenhaftes sein wollen“, glaubt Sandy. „Ich bin aber eher lustig.“ Sandy kommt aus Italien. Bei der Truppe des „Carl Busch“ nichts Ungewöhnliches. Die Artisten und Akteure kommen aus der ganzen Welt. Italien, Argentinien und Deutschland.

80 Menschen, eine Familie

„Wir sind eine große Familie“, erzählt Sandy. „Wenn ich während unserer Winterpause in Italien bin, vermisse ich sie alle richtig.“ 80 Menschen reisen mit dem Zirkus. Auf dem Plan stehen viele Städte, der Zeitplan ist straff. „Das Team muss gut zusammenarbeiten“, sagt Reto Hütte vom Zirkus. „Wer Starallüren hat, passt nicht zu uns. Wir sind eine Gruppe, in der sich alle gut verstehen.“

Der Zirkus ist zum ersten Mal in Bad Waldsee. Die Truppe ist begeistert über den Platz, den sie bekommen haben. „So einen schönen Platz haben wir wirklich selten“, sagt Hütte. „Es ist auch schön, mal in einer kleineren Stadt aufzutreten. Zuletzt waren wir in Frankfurt in der Innenstadt. Dort war alles sehr laut und hektisch.“

Bis spät in die Nacht werden die Mitarbeiter noch aufbauen. Denn am Mittag ist es zu heiß. Clown Sandy wird sich jetzt auch die Schminke vom Gesicht wischen. „Ich habe gehört, in Bad Waldsee soll es ein ganz tolles Strandbad geben“, meint sie und macht sich auf den Weg. Für die Elefanten bleibt nur der Gartenschlauch.

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