Wirtin Erna als Mutter Theresa der Kneipenszene

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Schwäbische Zeitung
Dietmar Hermanutz

Sehr amüsant ist die Premiere des Kolpingtheaters am Freitagabend im Gemeindehaus Sankt Peter gewesen. Das Publikum war angetan.

Platzt der Traum vom „Warmen Würstchen“, oder platzt er nicht? Hat die Eckkneipe von Erna Schabulski eine Zukunft im Angesicht eines Cousins, der Geld sehen will, eines Bürgermeisters, der im Wahlkampf steckt, und eines Nachbarn, der sich missliebige Konkurrenz vom Hals schaffen will? Die Rahmenbedingungen für Erna, meisterhaft verkörpert von Marion Metzler, sind nicht optimal.

Wie jede Kneipe hat natürlich auch das „Warme Würstchen“ seine Stammkunden, die der mütterlichen Fürsorge und Pflege durch die Wirtin bedürfen. Sie tummeln sich im ersten Akt, schieben sich giftige Nettigkeiten zu und sind doch allesamt irgendwie liebenswert. Uwe (Franz Müller), ein zopftragender und dauerhaft zahlungsunfähiger Chaot, der für Erna mehr Last denn Segen ist. Ganz anders Blümchen (Stefan Scheiter), er verehrt seine Erna leidenschaftlich und macht ihr Heiratsanträge, die sogar eine gewisse Romantik besitzen. Er tut alles für Erna und trägt einen gewichtigen Anteil daran, dass der Spagat zwischen Eckkneipe und Edelrestaurant gelingt. Auch Sandy Stutzke (Christine Auer) gibt ihr Bestes, obwohl sie auf dem geistig-intellektuellen Sektor über keine großartigen Fähigkeiten verfügt. Auer schöpft mit ihren ahnungslosen Grimassen aus dem Vollen, wenn sie dem Publikum zu verstehen gibt, dass es doch nun wirklich nichts Ungewöhnliches sei, wenn man im Haushalt des Bürgermeisters als Putzfrau mit Reizwäsche unterwegs ist. Nun, die Frau des Bürgermeisters Annabell Döge (Yvonne Kaemnitz) war da anderer Meinung. Diese verwirklicht sich als Modedesignerin und präsentiert im Laufe des Stücks die vielfältigen Kreationen aus der Reihe „Alltagsgegenstände neu interpretiert“ – ein Röckchen aus Zeitungspapier, eine Rettungsfolie als Kleid oder das Campingbesteck am Sakko ihres Gatten, dem Herrn Bürgermeister Dieter Döge. Eine Rolle die Franz Müller auf den Leib geschneidert ist. Er brillierte zwar als Solo-Chippendale, doch der Putzeimer auf seinem Kopf sorgt bei ihm nicht wirklich für gute Stimmung – eher schon der Schnaps, den es in rauen Mengen gibt. „Da hilft nur ein Klarer, wenn man im Kopf nicht mehr ganz klar ist“.

Ganz klar in seinen Vorstellungen ist aber Ernas Cousin Prinz Harry von Anhalt (Robert Ettinger), der sich gerne mal persönlich davon überzeugen will, was die Cousine mit seinem Geld so alles macht. Der Besuch von Harry mit seiner Puppe steht bevor und die Eckkneipe sollte deshalb in einen Nobelschuppen verwandelt werden. Wolfgang Schuster (Reinhard Schüssler) als Wirt vom benachbarten Edelrestaurant ist darüber natürlich nicht erfreut. Aus dem „Wolfi“ mutiert ein böser Wolf. Mit allerhand miesen Tricks, versucht er Erna in die Parade zu fahren. Nichtsdestotrotz, ab dem zweiten Akt präsentiert sich auf der Bühne ein vornehmes Gasthaus, in dem sich Erna und Blümchen um das Wohl der erlauchten Gäste kümmern, während Sandy als Dame von Welt das Niveau der Spitzengastronomie unterstreicht. Gerne gibt sie ihr Bestes, als es darum geht, die Situation für Prinz Harry so angenehm wie möglich zu gestalten. Auch Bürgermeister Döge samt Gattin finden Gefallen an der gewandelten Gastronomie, und selbstverständlich ist auch das städtische Rauchverbot tabu, wenn Prinz Harry die dicken Zigarren rausholt. Grenzenlose Freude schließlich, als Prinz Harry die Visitation durch das Magazin „Feinschmecker“ ankündigt. Eine tolle Werbung für das Städtchen, aber ein drohendes Desaster für Erna. Was die eloquente Katharina Steppke (Anna Heilmann) bei ihrem Testessen so alles erlebt, soll hier noch nicht verraten werden, aber mit Magengrimmen muss sicher niemand nach Hause gehen.

Die ausgezeichneten Schauspieler, teilweise in Doppelrollen, präsentierten das Stück „Kaviar trifft Currywurst“ als kurzweiliges Erlebnis, das mit vielen herzhaften Lachern durchsetzt war. Und dann gab es noch ein Kuriosum – Ulrich Hörmann, als Regisseur des Stückes normalerweise im Hintergrund agierend, befand sich den ganzen Abend auf der Bühne – als Gast Heinrich. Drei Akte lang auf einem Barhocker sitzend und nix sagen – aber das ist eine andere Geschichte.

Weitere Aufführungstermine sind am 12., 13., 14., 18., 20. und 21. Januar jeweils um 19:30 Uhr. Für alle Aufführungen wird es noch Karten an der Abendkasse geben.

Weitere Bilder gibt es unter www.schwaebische.de

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