Wie ein Gebäude ohne Heizung und Klimaanlage funktioniert

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 Das Energieteam Bad Waldsee beim Besuch in Wangen mit Urs Geuppert von den Stadtwerken (im Bild ganz links).
Das Energieteam Bad Waldsee beim Besuch in Wangen mit Urs Geuppert von den Stadtwerken (im Bild ganz links). (Foto: Brigitte Göppel)
Schwäbische Zeitung

Wie gelingt die Energiewende? Was haben andere Gemeinden und Städte gemacht, um dabei vorwärts zu kommen? Was funktioniert – und wo liegen die Grenzen? Unter diesen Leitfragen haben die Mitglieder des Energieteams der Stadt Bad Waldsee eine Exkursion ins Allgäu sowie nach Vorarlberg unternommen. Ziele waren die Stadtwerke Wangen sowie das sogenannte „Low-Tech-Dienstleistungshaus“ in Lustenau. Das berichtet die Gruppe in einer Pressemitteilung.

Urs Geuppert stellte den Gästen die Wangener Stadtwerke mit dem Betrieb von Wasserkraftwerken und Nahwärmeversorgung vor. Die Idee eines zentralen Biomasseheizwerks mit Nahwärmenetz zur Versorgung aller öffentlichen Gebäude der Stadt, des Landkreises und des Landes entstand im Zuge der Sanierung und Erweiterung des Rupert-Ness-Gymnasiums. Bereits im Jahr 2013 war das Waldseer Energieteam dort zu Gast und hatte sich über das damals damals neue Nahwärmeprojekt informiert. Mittlerweile ist es erheblich gewachsen. Zudem auf dem Gelände für die Landesgartenschau 2024 eine weitere Energiezentrale errichtet werden. Geuppert und Oberbürgermeister Michael Lang führten durch die Anlagen und informierten über bisherige Erfolge und den weiteren Ausbau der Wasserkraft sowie das neueste Vorhaben, die Nutzung von Abwasserwärme.

100 Jahre – auf diese Zeit ist das nachhaltig gebaute Low-Tech-Gebäude im Millennium-Park in Lustenau laut Mitteilung mindestens ausgelegt. Dieses Gebäude wurde vor fünf Jahren als Prototyp für ein Dienstleistungs- und Wohngebäude gebaut und verfügt weder über eine Heizung noch eine Klimaanlage – für diesen weitgehenden Verzicht auf Technik steht der Begriff „Low-Tech“. Bei der Führung durch den Spezialisten für Architektur und Bauplanung, Willem Bruijn, erhielten die Besucher Einblick in die Vorgeschichte, die Baugeschichte sowie detaillierte Informationen über die Funktionsweise, Technik sowie Automatikregelung.

In diesem Gebäude sei das Geld, das man sonst in die Heiz- und Klimatechnik stecke, in die Hülle und Bauweise gesteckt worden. „Geheizt“ werde quasi durch die Wärme der Personen im Gebäude. Die Raumtemperatur liege konstant bei 23 bis 26 Grad. Lüftungsflügel der Fenster öffnen sich automatisch, sobald der CO2-Anteil oder die Temperatur im Raum steigt. Bei sommerlicher Hitze öffnen sich die Flügel bei Nacht, um das Gebäude mit natürlicher Zugluft zu kühlen. Die Lüftungsflügel können auch individuell von Hand bedient werden. Die Außenwände teilen sich in 38 Zentimeter statisches und 38 Zentimeter isolierendes Ziegelmauerwerk. Nach dieser Architektur könne man auch Sporthallen, Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäude bauen.

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