Wenige schauen zu, viele machen mit

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Schwäbische Zeitung
Crossmedia-Volontärin

Nanu, was ist denn da durch Michelwinnaden gerollt? Eine überdimensionale Kiste Schussenrieder Bier, flankiert von Indianern, Zinnsoldaten, Neandertalern und kleinen Funkenmariechen. Trotz leichtem Regen haben sich die Michelwinnadener am Freitag zum Umzug versammelt. Ein Motto gab es nicht, der Kreativität war also keine Grenze gesetzt.

Die verschiedenen Gruppen haben sich deshalb viel einfallen lassen: Angler, mit kleinen Gummiwürmern streifen durch den Ort, gefolgt von vier Kanonierinnen und wilden Indianern. Zuschauer, die am Straßenrand stehen, gibt es wenige. Das liegt jedoch nicht am schlechten Wetter. „Bei unserem Umzug schaut niemand zu, sondern alle machen mit“, erklärt Ortsvorsteher Frieder Skowronski, der sich als Jäger verkleidet hat. Er freut sich über die Vielfalt beim Umzug: „Jedes Jahr werden immer wieder neue lustige Kostüme vorgeführt.“

Anwohner verköstigen die bunte Truppe

Ein paar grüne Zinnsoldaten überholen ihn. Sie haben es auf die Getränke ein paar Meter weiter abgesehen. Mehrere Anwohner haben einen Tisch vor ihrem Haus aufgebaut. Vergnügt schenken sie der bunten Schar ihre Gläser voll. Sechsmal hält der Umzug auf seiner Route durch Michelwinnaden an. Jedes Mal gibt es etwas zu essen oder trinken. „Das ist das, was unseren kleinen Ort ausmacht“, sagt Markus Sigg, er gehört als Munition zu den vier Kanonierinnen: „Jeder trägt etwas bei.“

Mitten auf dem Weg durch die Ortschaft ertönt ein lustiger Hilfeschrei: Im Bierkasten gibt es nämlich keinen Gerstensaft mehr. „Wir hoffen, dass uns bald jemand neuen bringt“, sagt Wolfgang Stärk, eine der Bierflaschen. Gott sei Dank ist Hilfe in Sicht. Die Truppe nähert sich dem nächsten Halt.

Während sich der Zug durch Michelwinnaden schlängelt, nieselt es noch ein wenig. Das Wetter tut der Stimmung jedoch keinen Abbruch: „Bei Sonne feiern kann jeder“, sagt Karin Hampp, die extra aus Aulendorf nach Michelwinnaden gekommen ist. Und auch Joachim Gerth vom Sportverein, der das bunte Treiben organisiert, ist zufrieden. „Es sind ein bisschen weniger als sonst mit dabei“, sagt er. „Aber wir haben trotzdem unseren Spaß.“ Plötzlich stoppt ein Teil des Umzuges. Die Bierkiste passt nicht durch die schmale Gasse, die auf ihrer Route liegt. Dreimal drehen sich die als Flaschen verkleideten Männer mit ihrem Kasten. Dann klappen sie ihn zusammen und meistern unter großem Applaus den engen Weg. Die Polizei sorgt derweil mit einem Streifenwagen dafür, dass Autofahrer die Truppe nicht behindern. Wegen der vielen Pausen dauert der Umzug etwas länger. Ein bisschen nass vom Regen, aber fröhlich kommen die Clowns, Angler und Bierflaschen letztendlich an der Michelwinnadener Ortsverwaltung an.

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