Weltladen beteiligt sich künftig an Einkaufssonntagen

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 Erdmute Menge, Monika Bohnert und Christa Göbel (von links) stellten im Kirchengemeinderat die Arbeit des Weltladens vor und w
Erdmute Menge, Monika Bohnert und Christa Göbel (von links) stellten im Kirchengemeinderat die Arbeit des Weltladens vor und warben für die Ladenöffnung an den beiden Einkaufssonntagen im Jahr. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Der nächste Einkaufssonntag des Waldseer Handels- und Gewerbevereines ist anlässlich der Herbstregatta des Rudervereins am 23. September. Die Geschäfte haben an diesem Tag von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Auch der ehrenamtlich geführte Weltladen wird sich künftig an den Waldseer Einkaufssonntagen im Frühjahr und im Herbst beteiligen. Dies hat eine Mehrheit der Arbeitsgemeinschaft (AG) Eine Welt zwar längst beschlossen, der katholischen Kirchengemeinde als Mitglied missfiel dies allerdings. Nach einem klärenden Gespräch mit dem Kirchengemeinderat fällt den Betreibern die Umsetzung dieses Beschlusses nun um einiges leichter. Beide Seiten waren in der öffentlichen Sitzung am Dienstag jedenfalls erkennbar darum bemüht, die Argumente für oder gegen eine „Sonntag-Ladenöffnung“ gegenseitig anzuerkennen.

Dank der konstruktiv geführten Debatte wurden die Gräben also wieder zugeschüttet, die durch einen Brief von Pfarrer Stefan Werner im Sommer aufgerissen worden waren und für großen Unmut beim Weltladenteam sorgten. Wie berichtet, stießen die geplanten Öffnungspläne des Weltladens an zwei Sonntagen im Jahr bei einigen Mitgliedern des Kirchengemeinderates mit Verweis auf die christliche Bedeutung des arbeitsfreien Tages auf wenig Gegenliebe. Ein Brief des Geistlichen, der selbst Kunde des Weltladens ist, goss noch zusätzlich Öl ins Feuer. Vor allem die darin geäußerte Drohung, wonach die Kirchengemeinde als Mitglied aus der AG ausscheiden werde, sollte das „Sonntagsgebot“ umgangen werden, sorgte für Irritationen und Emotionen bei den Ladenbetreibern.

„Ich denke, wir sollten zur gebotenen Sachlichkeit zurückkehren heute Abend und uns die verschiedenen Ansichten zum Thema anhören. Es war sicherlich unglücklich, zu drohen“, räumte Pfarrer Thomas Bucher gleich zu Beginn der Zusammenkunft ein. „Aber klar ist auch, dass sich die Kirche schwer tut mit dem Thema Einkaufen an Sonntagen. Wenn wir als Gemeinde von der Stadt gehört werden zu den verkaufsoffenen Sonntagen, dann votieren wir mit ‚Nein’“, erläuterte der Geistliche die Grundhaltung der Kirchen zum „siebten Tag der Woche, der ja zum Ausruhen da sein sollte und nicht wieder zum Arbeiten“, so Bucher dazu. Werner selbst konnte sich zum Sachverhalt nicht zu Wort melden, weil er sich urlaubsbedingt in Australien aufhält.

Die Ideen vorstellen

Christa Göbel und Erdmute Menge von der AG Eine Welt sowie Weltladen-Leiterin Monika Bohnert nutzten bei der Sitzung im katholischen Gemeindehaus ihre Chance, die Arbeit des Weltladens und die Idee des „Fairen Handels“ vorzustellen. Und sie begründeten, warum eine Beteiligung des Geschäftes an verkaufsoffenen Sonntagen auch den Produzenten der dort präsentierten Waren zugute kommt. „An Sonntagen kommen Hunderte Menschen aus dem Umland in die Einkaufsstadt Bad Waldsee zum Bummeln und das ist eine große Chance für uns, die fair gehandelten Produkte einem größeren Kreis Menschen vorzustellen und damit für die Solidarität mit den Menschen in den Herkunftsländern zu werben“, weiß Bohnert.

Denkbar seien auch Infostände vor der Eingangstüre am Ravensburger Tor 10 oder ein Ausschank von „Seewaldo“-Kaffee an Leute, die mit dem Thema „Fairer Handel“ bislang noch nicht in Berührung gekommen seien. Bohnert: „Und wir arbeiten alle ehrenamtlich und freiwillig. Wer sonntags nicht zur Verfügung stehen möchte, weil er das kritisch sieht, der muss das auch nicht tun.“

Die Kirchengemeinderäte zeigten sich sehr interessiert an der Arbeit des Teams und würdigten dessen ehrenamtliches Engagement für den fairen Handel am Ort. Bekanntlich beteiligen sich die Mitarbeiter auch an der bevorstehenden „Fairen Woche“ der Stadt und treten auch hier für die internationale Solidarität ein, wie Pfarrer Bucher anerkannte. Einzelne Räte ließen aber gleichwohl durchblicken, dass sie der Ausdehnung von Ladenöffnungszeiten auf Sonntage grundsätzlich nichts abgewinnen können. Bucher: „Aber wenn das Team gerne öffnen möchte, soll es das tun, wir beugen uns dem Mehrheitsbeschluss. Ich selbst muss ja sonntags dort nicht einkaufen“, so Bucher dazu abschließend.

Der nächste Einkaufssonntag des Waldseer Handels- und Gewerbevereines ist anlässlich der Herbstregatta des Rudervereins am 23. September. Die Geschäfte haben an diesem Tag von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

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