Waldsee beteiligt sich an neuem Klimaschutz-Projekt

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Bereits im Jahr 2011 wurde Bad Waldsee mit dem European Energy Award ausgezeichnet.
Bereits im Jahr 2011 wurde Bad Waldsee mit dem European Energy Award ausgezeichnet. (Foto: Heyer, Wolfgang)
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Um die kommunale Energie- und Klimaschutzpolitik voranzutreiben, haben sich die Städte Bad Waldsee, Friedrichshafen, Ravensburg, Biberach und Ulm an einem Indikatorenvergleich auf Basis der Ergebnisse des European Energy Awards (eea) beteiligt. Im direkten Vergleich miteinander sollen einzelne Stärken und Schwächen aufgezeigt und von Erfahrungen profitiert werden.

Walter Göppel, Geschäftsführer der Energieagentur Ravensburg, stellte dem Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) die Gegenüberstellung der Werte vor. Dabei wurde beispielsweise deutlich, dass Bad Waldsee mit seiner Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung im Vergleich der fünf Kommunen den niedrigsten Stromverbrauch pro Lichtpunkt aufweist. Bis Anfang 2019 werde der LED-Anteil 82,5 Prozent betragen. Auch bei der Stromverbrauchseffizienz der kommunalen Gebäude schneidet die Kurstadt am besten ab. Den letzten Platz belegt Bad Waldsee bei der Radwegelänge pro Quadratkilometer sowie beim öffentlichen Nahverkehr. Der Kostendeckungsgrad des ÖPNV liegt in Bad Waldsee bei neun Prozent – zum Vergleich: beim Spitzenreiter Friedrichshafen sind es 80 Prozent. Auch die Auslastung mit 0,2 Fahrgästen pro gefahrenem ÖPNV-Kilometer stellt in Bad Waldsee im Städtevergleich den schwächsten Wert dar.

Göppel betonte, dass rund 57 Prozent des Bad Waldseer CO²-Ausstoßes durch private Haushalte/Dienstleistungen erzeugt werden, 8 Prozent durch das verarbeitende Gewerbe und 35 Prozent durch den Verkehr. Der Wert liege bei rund sieben Tonnen pro Einwohner. Eine Reduzierung könne durch das begonnene Quartierskonzept erreicht werden.

Roland Schmidinger (FW) ging näher auf den Umweltverbund in Bad Waldsee ein. Schließlich macht der öffentliche Nahverkehr sowie Fuß- und Radverkehr nur rund ein Drittel am Gesamtverkehr aus. In Friedrichshafen liegt der Wert bei knapp 50 Prozent. Göppel führte die Situation in der Kurstadt auf die Großzahl an Pendlern (täglich rund 6000) sowie den steigenden Auto-Bestand pro Einwohner zurück. Karl Schmidberger (SPD) nahm das Thema Radwege auf: „Da müssen wir etwas tun. Wir haben einige Radwege, die in keinem guten Zustand sind – beispielsweise der Weg zwischen Reute-Gaisbeuren.“ Thomas Manz, Erster Beigeordneter der Stadt, gab daraufhin zu verstehen, dass man sich zunächst über neue Radwege Gedanken machen sollte, ehe bereits bestehende saniert werden. Michael Kaiser (GAL) sah beim Radverkehr ebenfalls Handlungsbedarf. Sonja Wild (CDU) informierte sich nach etwaigen Gesprächen mit großen Bad Waldseer Firmen. Dazu erklärte Bürgermeister Roland Weinschenk, dass es hinsichtlich des Jobtickets einen Austausch mit Hymer gebe.

Manz stellte zudem die grundsätzliche Motivation am Indikatorenvergleich dar: Mithilfe der Gegenüberstellung könnten neue Ansatzpunkte betrachtet und entschieden werden, wo „Manpower und Geld investieren sich lohn“. Es sei schließlich ganz egal, ob die Stadt den European Energy Award in Gold oder Silber bekomme – „entscheidend ist, dass wir beim Klimaschutz weiterkommen“, so Manz.

Im Juni fand die letzte eea-Gold-Rezertifizierung in Bad Waldsee statt. Das Ergebnis soll im Herbst bekanntgegeben werden. „Es ist gut gelaufen. Mein Gefühl sagt mir, es war ein gutes Audit“, meinte Göppel. Für zehn Jahre Zusammenarbeit überreichte Manz zum Ende des Tagesordnungspunktes noch ein Präsent an den Energieexperten.

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