Waldmotive in der Kleinen Galerie in Bad Waldsee

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 Ihre Miniaturen auf kleinen Leinwandstücken nennt Sibylle Möndel „Minis“; hier sind es 65 kleine Arbeiten, die einen motivische
Ihre Miniaturen auf kleinen Leinwandstücken nennt Sibylle Möndel „Minis“; hier sind es 65 kleine Arbeiten, die einen motivischen oder thematischen Bezug zu den großen Gemälden haben. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Die Ausstellung ist in der Kleinen Galerie bis zum 17. Februar täglich geöffnet von 10 bis 19 Uhr.

Axel F. Otterbach hat mit einem längeren Ausblick auf die kommenden Ausstellungen in der Kleinen Galerie die erste Ausstellung in diesem Jahr eröffnet. Er freute sich, dass trotz der schlechten Wetterbedingungen immerhin zwei Dutzend Gäste den Weg nach Bad Waldsee auf sich genommen hatten. Aber ein treues Publikum bleibt eben tapfer, selbst wenn es ein wenig mehr Mühe als sonst aufwenden muss.

Unter dem Titel „Refugien“ sind Gemälde und Druckgrafik aus den Jahren 2016 bis 2018 von Sibylle Möndel zu sehen. Die 1959 in Stuttgart geborene und in Kornwestheim lebende Künstlerin hat ihre Ausbildung in ihrer Heimatstadt bei Hans K. Schlegel, Professor an der Fachhochschule für Druck und Medien, absolviert und ist eine erfahrene Graphikerin. Die Anwendung von mehreren Techniken – flächige Malerei mit Pigmenten, Fotografie, Siebdruck mit Acrylfarben – besticht sofort an ihren großen Arbeiten, die dicht aneinander gehängt eine Folge von Waldmotiven zeigen.

Kein winterlicher Märchenwald, obwohl die hier zarten Pigmentfarben etwas natürlich Romantisches besitzen. Eher sind Baumriesen zu sehen, oft astlos oder mit vielen abgebrochenen Aststümpfen, deren Silhouetten vor einem zartfarbigen, nur flüchtig grundierten Hintergrund auftauchen. Über sie laufen schwarze Zahlenreihen, sie wirken wie Tabellen oder Algorithmen, aber es bedeutet eine Umsetzung in die beiden Grundzahlen der digitalen Welt: die Null und die Eins. Der Wald, ein deutscher Mythos, und die Zahlenreihe – ein unauflösbarer Widerspruch?

Dem großen, 80 Zentimeter hohen Wandfries aus quadratischen und rechteckigen Gemälden (160 Zentimeter) gegenüber hängen Kleinformate aus gröberer Leinwand, offen geschnitten und an den Ecken auf Hartfaser geklebt, die den Blick durch ihre unmittelbare Haptik anziehen. Auch hier sind die Farben verhalten, abgemischt und doch leuchtend hinter den Siebdruck-Motiven: ein durch den Schnee laufender Wolf oder Hund, eine Krähe, Schemen von Menschen, ein Riesenrad, ein verlorenes Profil, der Umriss einer Feldscheuer, vielleicht eines Hauses. Reizvoll auch hier die Unvereinbarkeit der Aspekte und Themen.

Mehr atmosphärische Andeutung als fester Begriff oder Gegenstand ist diese Bilderwelt bei Möndel, und so stellte Clemens Ottnad, Geschäftsführer des Künstlerbundes Baden-Württemberg, in seiner gedankenreichen Einführung die Frage, ob denn die Natur diese Zuflucht überhaupt noch gewähren könne, die wir uns von ihr erhoffen würden. In Zeiten verheerenden Raubbaus an der Natur, der Vernichtung von Urwäldern und der Verödung von Wäldern eine mehr als dringende Frage. Das Erkämpfen von lebenswerten Zukunftsperspektiven, so Ottnad, stünde insbesondere für die Flüchtlinge, zu denen Sibylle Möndel mehrere Zyklen von Bildern wie „Grenzland“ oder „Wege“ gemalt hat, an vorderster Stelle. Zuflucht finden lässt sich schwer in diesen imaginierten Bildräumen, auch in den drei fantastischen Landschaften an der rechten Seitenwand. Aus Licht und Schatten geformt, sind diese vielmehr eine Erinnerung an erlebte Natureindrücke und Traumsequenzen.

Die Ausstellung ist in der Kleinen Galerie bis zum 17. Februar täglich geöffnet von 10 bis 19 Uhr.

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