„Vorurteile haben hier keinen Platz“

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Eleftherios und Irm Chrissochou, Marwan Alalloush, Ulrich Bamann und Beate Dobler (von links) vom „Global“ engagieren sich nich
Eleftherios und Irm Chrissochou, Marwan Alalloush, Ulrich Bamann und Beate Dobler (von links) vom „Global“ engagieren sich nicht nur für geflüchtete Menschen in der Region. Der Waldseer Verein unterstützt mit Geldspenden auch Hilfsorganisationen, (Foto: Sabine Ziegler)
Schwäbische Zeitung
Freie Redakteurin

In den Herkunftsländern vieler Flüchtlinge herrschen Zustände, die ein menschenwürdiges Leben unmöglich machen. International tätige Hilfsorganisationen engagieren sich deshalb vor Ort. Aber auch in der Region Oberschwaben kann an einer Verbesserung der humanitären Situation mitgeholfen werden, wie das Beispiel „Global“ in Bad Waldsee deutlich macht. Der gemeinnützige Verein spendet nicht nur Geld für die Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten, er steht auch geflüchteten Menschen in ihrer neuen Umgebung bei.

Hilfe für überfülltes Flüchtlingslager auf Lesbos

Der Verein wurde 2013 aus der Taufe gehoben und ging aus dem „Arbeitskreis Asyl“ hervor, der sich für Flüchtlinge in Bad Waldsee und Umgebung engagiert. „Unsere langjährigen Erfahrungen bei Asyl und Menschenrechten sind uns auch aktuell sehr hilfreich, wenn es darum geht, Flüchtlinge im Alltag zu begleiten und ihnen das Eingewöhnen in der neuen, fremden Umgebung zu erleichtern“, sagt Beate Dobler. Sie und ihre „Global“-Mitstreiter Ulrich Bamann, Irm und Eleftherios Chrissochou sowie der neue „Global-Bufdi“ Marwan Alalloush stellen für die SZ-Weihnachtsaktion 2017 „Helfen bringt Freude“ die große Bandbreite ihrer Aufgaben vor.

Mit Hilfe von Geld- und Sachspenden unterstützt die Gruppierung einmal im Jahr konkrete Hilfsprojekte in Krisengebieten. Aber auch Initiativen aus der Region, die geflüchteten, traumatisierten Menschen hierzulande beistehen, bekommen Geld. „In diesem Herbst stellen wir dafür insgesamt 5000 Euro zur Verfügung“, sagt Bamann und stellt einige davon vor. Dringend Hilfe geboten sei in den überfüllten Flüchtlingslagern auf der griechischen Insel Lesbos, weshalb „Global“ Kontakt zu der dort tätigen Hilfsorganisation „One Happy Family“ aufnahm.

„Dort herrschen jetzt im Winter katastrophale Zustände: In Flüchtlingslagern, die für 1800 Menschen ausgelegt sind, harren 8000 Kinder und Erwachsene bei Kälte aus – unter absolut menschenunwürdigen Bedingungen“, berichtet das Ehepaar Chrissochou mit großer Betroffenheit. Die beiden reisen häufig in die Heimat des gebürtigen Griechen Eleftherios und überbringen Sach- und Geldspenden für Bedürftige.

Zuletzt besuchte das Paar im Herbst 2016 ein großes Flüchtlingscamp. Im Gepäck hatten sie von Waldseer Ärzten gestiftete Medikamente und eine „Global“-Geldspende, über deren Verwendung dort tätige Helfer entsprechend dem Bedarf entscheiden konnten. „Es fehlten Hygieneartikel, also wurde das beschafft“, erinnert sich Irm Chrissochou zurück.

Heuer stellt „Global“ zudem „Medico international“ Geld zur Verfügung für ihren Einsatz in Kurdistan sowie der Hilfsorganisation „Impuls Afghanistan“, die für den Bau von Schulen sorgt. „Und wir unterstützen das Behandlungszentrum für Folteropfer in Ulm und den Flüchtlingsrat Baden-Württemberg“, so Bamann.

An den Fluchtursachen arbeiten ist das eine, bei der Eingewöhnung von Flüchtlingen vor Ort mitzuhelfen, das andere. „Hier ist unser Verein stark gefordert. Aber wir haben erfreulicherweise viele Mitstreiter, die sich ehrenamtlich einbringen“, so Bamann und Dobler.

Anfragen kommen laut „Global“ nicht nur aus den Ortsteilen sowie aus Bergatreute und Wolfegg, sondern auch aus dem Schussental. Es hat sich herumgesprochen, dass die „Global“-Mitstreiter über große Erfahrungen bei der Beratung Asylsuchender verfügen.

Kein Wunder, dass die Vereinsräume am Samstagvormittag zur Café-Zeit aus allen Nähten platzen, wenn sich 20 bis 30 Betroffene rechtlich und sozial beraten lassen. An weiteren Aufgaben für „Global“ kommen laut Bamann die Begleitung bei Amts-, Gerichts- und Anwaltsterminen, die Unterstützung bei Job- und Wohnungssuche sowie die Projekte „Deutsch mit Geflüchteten für Geflüchtete“ und „Fond für Familiennachzug“ hinzu.

Bei aller Beratung und Hilfestellung in Einzelfällen solle aber auch der Spaß bei der Begegnung mit anderen Kulturen nicht zu kurz kommen. „Ob bei unserem neuen Projekt ’Flüchtlingsgarten Schützenstraße’ oder einfach am Tischkicker oder beim Kaffee trinken: Es profitieren immer beide Seiten, wenn man weltoffen aufeinander zugeht - Vorurteile haben hier keinen Platz“, so Dobler.

In dieser Ausgabe finden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auf den Seiten 1 und 3 weitere Informationen zur Aktion „Helfen bringt Freude“. Für Ihre Spende liegt Ihrer Zeitung ein Spendenaufruf mit einem Überweisungsträger bei. Alle Beiträge sind unter www.schwaebische.de/weihnachtsspendenaktion zu finden.

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