Michael Ragg war zu Gast in Reute.
Michael Ragg war zu Gast in Reute. (Foto: Rudi Heilig)
Schwäbische Zeitung
Rudi Heilig

Gut gefüllt war der Saal vom „Gasthaus Sonne“ in Reute am Dienstagabend. Mit Spannung wurde der Vortrag von Michael Ragg „Vom Blitz getroffen – was wir aus Nahtoderlebnissen über das Leben erfahren“ erwartet. Der 58-jährige Referent aus dem Landkreis Lindau bezog in sein Plädoyer für ein Sterben zur von Gott bestimmten Zeit auch die vielen dokumentierten Nahtoderlebnisse von klinisch Toten und Komapatienten aller Altersgruppen ein. Sie würden oft berichten, dass sie ins Leben zurückgeschickt wurden, weil sie dort noch eine Aufgabe zu erledigen haben. Ragg wies das Argument zurück, wer ein Recht auf Leben habe, müsse auch ein Recht haben, dieses Leben zu beenden. „Dass wir leben ist kein Recht, sondern Gnade“, sagte der Referent. Die Antwort des Menschen müsse sein, das Leben als Geschenk anzunehmen.

„Glaube ist sinnlos, wenn es nicht ein Leben nach dem Tode gibt“, mit diesem Satz eröffnete Margret Biechele als Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) vom Bezirksverband Südwürttemberg-Hohenzollern, die kostenfreie Veranstaltung. So kamen neben Besuchern aus Bad Waldsee auch viele Mitglieder aus ganz Oberschwaben. Einen guten Namen machte sich Ragg als Moderator christlicher Radio- und Fernsehsendungen, Organisator internationaler Kongresse und als Publizist. In den Jahren von 1998 bis 2009 amtierte er als Pressesprecher der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“.

Im Fokus des Referenten standen die Berichte der Schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross. In einer großangelegten Studie fasst sie die Erlebnisse von über 20 000 Personen zusammen, welche nach dem klinischen Tode nochmals ins Leben zurückkamen. Die überwiegende Mehrzahl der Zurückgekommen sprach davon, dass sie einem warmen Licht entgegen gingen. Andere berichteten dagegen von einem tiefen Abgrund, nicht aufgearbeitete Probleme traten hier in Erscheinung.

Überzeugende Argumente

In einem seien sich Christen wie auch Atheisten einig, nämlich, dass mit dem Tod alle Möglichkeiten menschlichen Handelns endgültig beendet sind. Michael Ragg äußerte sich sehr kritisch zu Überlegungen, sich selbst zu töten, weil man befürchtet, später aufgrund von Alter oder Krankheit nicht mehr selbstbestimmt leben zu können. Die Angst vor quälenden Monaten und Jahren führe in der heutigen Gesellschaft oft zur Forderung, Selbsttötung zu erleichtern. Wenn es aber der Medizin in immer häufigeren Fällen gelinge, die Sterbephase schmerzfrei zu erleben, dann verschwinde doch zunehmend auch der Todeswunsch. Auch die Angst, anderen zur Last zu fallen, soll nicht gravieren. „Seit unserer Geburt sind wir doch ständig auf andere angewiesen“, kommentierte der Referent überzeugend.

Auf Konfrontation zum Schweizer Theologen Hans Küng ging Michael Ragg. Wenn dieser die These vertrete, man dürfe beim Selbstmord auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen, vertraue er in Wirklichkeit nicht auf Gott, sondern auf seine eigene Entscheidung, für die er dann Gottes Anerkennung erzwingen möchte. Er beachte nicht, was Jesus nach der Bibel zum Teufel sagt, als dieser ihn in der Wüste dazu bringen wollte, sich im Vertrauen auf die Errettung durch Gott vom Felsen zu stürzen: „Du sollst den Herr, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen“. Beifall zollte Ragg aber dem 83-jährigen Traumschiff-Kapitän Siegfried Rauch für sein Bekenntnis „Ich hätte zwar die Kraft zum selbstbestimmten Gehen, doch mein katholischer Glaube hindert mich daran“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen