Kündigungswelle schwappt über Bad Waldseer Krankenhaus

 Im Herbst 2023 wird das Krankenhaus in Bad Waldsee endgültig schließen. Mehrere Mitarbeiter ziehen davor schon die Reißleine un
Im Herbst 2023 wird das Krankenhaus in Bad Waldsee endgültig schließen. Mehrere Mitarbeiter ziehen davor schon die Reißleine und haben gekündigt. (Foto: Wolfgang Heyer)
Redaktionsleiter

Die Oberschwabenklinik (OSK) erlebt aktuell schwere Zeiten. Die Stimmung in den drei Häusern im Landkreis Ravensburg ist schlecht und die Diskussionen um Geschäftsführer Oliver Adolph reißen nicht ab. Die Schließung der Waldseer Klinik im nächsten Jahr hat etliche Mitarbeiter vor den Kopf gestoßen und einige von ihnen ziehen nun die Reißleine. 23 Mitarbeiter haben in diesem Jahr bereits gekündigt – darunter hochrangige Ärzte. So stellt sich die aktuelle Personalsituation im Krankenhaus in der Großen Kreisstadt dar.

Die Mitarbeiter des Waldseer Krankenhauses haben lange mit sich gerungen, sich viele Gedanken zu ihrer beruflichen Zukunft gemacht und etliche schlaflose Nächte durchlitten. Seit dem Kreistagsbeschluss Ende Mai, als die Schließung des Waldseer Krankenhauses im Herbst 2023 besiegelte wurde, haben sie sich mit möglichen Kündigungen auseinandergesetzt. Und so mancher Mitarbeiter hat dieses absolut letzte Mittel nun für sich gewählt.

Das sagt die OSK dazu

Laut SZ-Informationen haben allein sechs Orthopäden gekündigt. Das bestätigt OSK-Sprecher Winfried Leiprecht. Insgesamt 23 Mitarbeiter haben heuer bereits ihre Rücktrittsunterlagen eingereicht. „Ich bitte aber, diese Zahl im richtigen Kontext zu sehen. Kündigungen gibt es auch in normalen Jahren. 2020 sind es zum Beispiel 15 gewesen, 2021 waren es neun“, kommentiert Leiprecht die aktuelle Entwicklung. Das Jahr ist aber bekanntlich längst noch nicht zu Ende.

Es sind sicher mehr Kündigungen als sonst, aber auch nicht alle auf die beschlossene Schließung zurückzuführen. Im Gegenzug gibt es übrigens im Pflegebereich auch drei Neueintritte,

bemüht sich Leiprecht um eine Relativierung der doch erhöhten Zahl der Kündigungen.

Und auch das Interesse, als bisheriger Mitarbeiter in Bad Waldsee innerhalb der OSK zu wechseln, scheint überschaubar. Wie die „Schwäbische Zeitung“ von Insidern erfahren hat, wechselt lediglich ein Assistent nach Wangen. Auch das bestätigt Leiprecht: „Zum gegenwärtigen Stand“ ist das so. Der OSK-Sprecher lässt aber auch wissen, dass sich insgesamt „bislang 17 Beschäftigte für eine neue Aufgabe innerhalb der OSK entschieden haben“. Es seien fast 100 Hospitationen durchgeführt und mehr als 100 Orientierungsgespräche geführt worden.

„Zur Einordnung ist wichtig, dass die Verhandlungen über den Interessenausgleich nicht abgeschlossen sind. Wir erwarten, dass sich viele Beschäftigte erst endgültig entscheiden, wenn zum Interessenausgleich die Bedingungen auf dem Tisch liegen.“ Ein Interessenausgleich ist laut Leiprecht eine verbindliche Vereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung über alle Fragen, die mit der vom Arbeitgeber veranlassten Betriebsänderung („in unserem Fall die Aufgabe des stationären Standortes“) zusammenhängen. Abgeschlossen sei mittlerweile eine Betriebsvereinbarung, wonach die Regelungen des Interessenausgleiches für alle Beschäftigten gelten werden, die am 31. Mai dieses Jahres bereits im Hause gewesen sind.

Ärzte prophezeien schwarzes Loch für die ambulante Patientenversorgung

Die Kündigungen wirken sich aber nicht nur auf die OSK aus, sie könnten sich auch auf die bevorstehende Ermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung auswirken. So mancher Waldseer Krankenhaus-Arzt prophezeit bei einer Nicht-Erteilung dieser KV-Ermächtigung gar ein großes schwarzes Loch für die ambulante Patientenversorgung in Bad Waldsee. Dazu erklärt Leiprecht, dass insgesamt drei Ärzte ermächtigt seien und „einer unter denen ist, die gekündigt haben“. Bleiben also noch zwei ermächtigte Ärzte.

„Die OSK bemüht sich seit Monaten intensiv darum, dass die KV-Ermächtigung aufrechterhalten bleibt. Wir können nur darauf setzen, dass alle, denen es im Raum Bad Waldsee wirklich um die Patientenversorgung geht, dabei an einem Strang ziehen“, so Leiprecht.

Die Bezeichnung „großes schwarzes Loch“ für die medizinische Versorgung scheint für Leiprecht zu dramatisch gewählt. Wie er verdeutlicht, gebe es in Bad Waldsee auch unabhängig von der OSK ein breites Netz qualifizierter, niedergelassener Praxen. „Und auch die OSK-Einrichtungen in Ravensburg sind nicht aus der Welt“, hebt der OSK-Sprecher hervor, der aber nicht außer Acht lässt, dass die Wege – gerade für ältere Patienten – weiter und umständlicher werden würden. Bleibt im Hinblick auf die künftige Gesundheitsversorgung in Bad Waldsee also zu hoffen, dass die KV-Ermächtigung wieder erteilt wird.

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