Versandhaus Walz bleibt von Auslagerung verschont

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Die Entscheidung ist gefallen: Auch die Logistik-Sparte des Versandhauses Walz bleibt in Bad Waldsee erhalten. (Foto: Kara Ballarin)
Kara Ballarin

Die Mitarbeiter des Versandhauses Walz können aufatmen. Das Bad Waldseer Traditionsunternehmen, das seit Herbst 2010 zur US-amerikanischen Carlyle Group gehört, will die Logistik-Sparte am Unternehmenssitz in Bad Waldsee halten. Das bestätigten am Freitag die Betriebsratsvorsitzende Adaviye Fida und ihre Stellvertreterin Marie-Luise Redinger im SZ-Gespräch. Für die Mitarbeiter und die Stadt Bad Waldsee sind das gute Neuigkeiten – nicht so schön allerdings klingt, wie die Entscheidung zustande gekommen zu sein scheint.

Bekanntlich hat die Geschäftsführung des Spezialversenders, der besonders durch seine Marke Baby Walz bekannt ist, 2012 einen harten Umbau des Unternehmens vorgenommen. Nötig sei dieser durch immer aggressivere Konkurrenten geworden, vor allem im Online-Handel. So sind 2012 rund 200 von 1000 Vollzeitstellen am Unternehmenssitz Bad Waldsee weggefallen, die Betriebsbereiche sind neu strukturiert und die Markenausrichtung gestärkt worden – all das, um laut Unternehmensführung die Zukunft von Bad Waldsees zweitgrößtem Arbeitgeber vor Ort zu sichern.

Dafür hatten die Walz-Geschäftsführer Werner Fritsch und Rainer Stäbler Ende 2012 zudem über eine Verlagerung der Baby-Walz-Logistik nachgedacht – dem Kernbereich der Logistik. Ein Jahr lang sollte die Logistik in einer Testphase erhalten bleiben. Zu dieser Standortsicherung sollten auch die Walz-Mitarbeiter unliebsame Einschnitte mittragen: Alle, auch die in der Verwaltung Beschäftigten, sollten 2,5 Stunden pro Woche Mehrarbeit ohne Lohnausgleich akzeptieren.

Nachdem die Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Ende 2012 gescheitert waren, legte das Unternehmen die Tarifbindung auf Eis. Mit jedem Mitarbeiter hat die Geschäftsleitung dann individuell einen Vertrag zur Mehrarbeit abgeschlossen – eigentlich auf freiwilliger Basis. Laut Walz-Mitarbeitern sei gegen Ende dieses Jahres der Druck auf diejenigen, die den Vertrag zur 40-Stunden-Woche nicht unterzeichnet hatten, stetig gestiegen.

Druck auf Mitarbeiter steigt

Davon berichtet auch der Betriebsrat. In einer Veranstaltung für alle Mitarbeiter hatte die Geschäftsführung Anfang Oktober darüber informiert, dass die 40-Stunden-Woche dauerhaft benötigt werde, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Diese Veranstaltung war sachlich und informativ“, sagt Fida. Auch mehrere kleinere Veranstaltungen seien im Anschluss so abgelaufen, die in den einzelnen Abteilungen abgehalten wurden. Die Mitarbeiter sollten – jeder für sich – die dauerhafte Mehrarbeit ohne Lohnausgleich mittragen.

Kurz vor Ablauf der Rückmeldefrist sei der Druck dann gestiegen, erklärt die Betriebsratschefin – und zwar gezielt auf die Mitarbeiter, die ihren Vertrag nicht unterschrieben hatten. „Das Problem ist, dass wir als Betriebsrat immer außen vor sind, da das Unternehmen individualrechtlich auf die Mitarbeiter zugeht“, sagt Fida. Eine schwierige Situation sei das, den Mitarbeitern nicht raten zu können, was sie tun sollen. Dennoch war der Betriebsrat auf Wunsch der Mitarbeiter bei einer weiteren Veranstaltung dabei, zu der nur diejenigen eingeladen waren, die nicht unterschrieben hatten. „Wir, als Betriebsrat, haben der Geschäftsleitung ganz deutlich gesagt: Das geht so nicht. Wir müssen uns zwar bei den Verhandlungen raushalten, aber wenn Druck aufgebaut wird, ist es unsere Pflicht, die Mitarbeiter zu schützen“, sagt Fida. Schließlich hatten die Mitarbeiter ihre Entscheidung getroffen. Und die sei individuell und freiwillig.

Letztlich sei die Beteiligungsquote nun wohl erreicht. Nach Ablauf der einjährigen Testphase bleiben die Logistik und damit die Arbeitsplätze in Bad Waldsee komplett erhalten. „Und wir sind hoffnungsvoll, denn die Geschäftsleitung strebt auch neue Projekte an“, sagt die Vize-Betriebsratschefin Redinger. Und Fida ergänzt: „Wir glauben schon, dass die Geschäftsleitung bestrebt ist, den Standort Bad Waldsee zu halten.“ Wie sich alles weiter entwickle, wisse aber niemand. So plagen Fida auch Zweifel, denn im Gegensatz zum letzten Mal, als die Unterzeichner der 40-Stunden-Verträge eine Beschäftigungsgarantie bekommen haben, gebe es solch eine Sicherheit dieses Mal nicht.

Mit einem Thema habe sie allerdings Bauchschmerzen, sagt Redinger. Sieben Mitarbeiter seien jüngst auf einen Schlag krankheitsbedingt gekündigt worden, die auch eine schlechte Zukunftsprognose haben. „In dieser Masse ist das noch nie vorgekommen“, sagt Redinger. Die Sorge sei nun, wie das weitergehe. „Da hängen bei jedem einzelnen Schicksale dran“, sagt Fida. Zwar habe der Betriebsrat für jede Kündigung einen Widerspruch verfasst und das Gespräch mit Bereichs- und Geschäftsleitung gesucht, jedoch ohne Erfolg. „Wir hoffen, dass das nun ein Einzelfall ist“, sagt Fida.

Geschäftsführer Werner Fritsch war auf mehrfache Anfrage um Stellungnahme nicht zu erreichen.

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