Unsicherheit bremst Frühlingsaufbruch bei Handwerksbetrieben

 Laut der Blitzumfrage der Handwerkskammer ist knapp jeder zweite Handwerksbetrieb in der Region aktuell sehr gut ausgelastet.
Laut der Blitzumfrage der Handwerkskammer ist knapp jeder zweite Handwerksbetrieb in der Region aktuell sehr gut ausgelastet. (Foto: dpa/Patrick Pleul)
Schwäbische Zeitung

In vielen Betrieben zwischen Ostalb und Bodensee steigt trotz Corona-Einschränkungen die Auslastung wieder. Das teilt die Handwerkskammer Ulm mit, die eine aktuelle Blitzumfrage unter ihren Mitgliedsbetrieben veranlasst hat. Gleichwohl haben die Handwerskbetriebe mit Rechtsunsicherheit zu kämpfen.

Laut der Umfrage, an der sich rund 320 Betriebe der Handwerkskammer Ulm beteiligt haben, ist knapp jeder zweite Handwerksbetrieb aktuell sehr gut ausgelastet: Rund 30 Prozent würden von einer guten bis sehr guten Auslastung berichten und weitere 18 Prozent der Umfrageteilnehmer hätten angegeben, derzeit über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet zu sein. Knapp 30 Prozent der befragten Betriebe seien momentan hingegen noch zu weniger als 60 Prozent ausgelastet. „Das sind schöne und wichtige Entwicklungen für eine bessere Stimmung im Land. Den Frühling haben wir alle nötig“, wird Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, in der Pressemitteilung zitiert.

Hier gibt es Verbesserungsbedarf

Verbesserungsbedarf sehen die Handwerksbetriebe laut der Blitzumfrage immer noch im Umgang mit den staatlichen Finanzhilfen: knapp 40 Prozent der Befragten bemängeln, dass zu wenig Hilfsgelder letztlich tatsächlich in den Betrieben ankommen. Für weitere 38 Prozent ist der Auszahlungsprozess zu bürokratisch und langwierig. Rund zehn Prozent der Umfrageteilnehmer halten die Finanzspritzen für angemessen. 13 Prozent haben hingegen angegeben, dass zu viele Unternehmen und Betriebe von der Staatshilfe profitieren und damit den Wettbewerb verzerren. Dazu Mehlich: „In vielen unserer Betriebe kommt schon die Frage auf: Wer soll das alles bezahlen?“

Die erforderlichen Hygienemaßnahmen und -konzepte würden derzeit mehr als 70 Prozent der Betriebe im Betriebsalltag problemlos umsetzen. Rund 23 Prozent der Befragten falle die Umsetzung schwer, weil sie erheblichen Mehraufwand bedeute. Eine weitere Erkenntnis aus der Umfrage: In den Regionen im Gebiet der Handwerkskammer Ulm testen Handwerksbetriebe ihre Beschäftigten bereits auf Corona – Tendenz steigend.

Große rechtliche Unsicherheit im regionalen Handwerk

Wesentliches und beschränkendes Thema sei für die meisten Handwerksbetriebe die momentane Rechtsunsicherheit: unübersichtliche, teils widersprüchliche und in vielen Punkten schwammig formulierte Corona-Verordnungen, Testpflicht oder Pflicht, Tests anzubieten, widersprüchliche Auslegungen je nachdem in welchem Landkreis man sich gerade befindet oder auch ständig wechselnde Hygieneauflagen, die Antragsbedingungen wechseln manchmal alle zwei Tage – es wird eine klare Linie vermisst. Die Handwerksbetriebe hätten insbesondere mit der „Schnellschuss-Gesetzgebung“ zu kämpfen, die ihnen das Arbeiten erschwere. Auch die Corona-unabhängige Bürokratie mit Dokumentationspflichten und Nachweisregelungen würde vielen Handwerksbetrieben zu schaffen machen. Zudem würden Liquiditätsengpässe sowie die zunehmende Stornierung von Kundenaufträgen eine wachsende Herausforderung darstellen. Erkranktes Personal bereite hingegen derzeit nur wenigen Befragten Schwierigkeiten.

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