Trotz Brandstiftungen: St. Peter bleibt offen

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Mesner Karl Linder hat in der Pfarrkirche St. Peter ein Auge drauf, dass mit brennenden Kerzen aus der Maria-Hilf-Kapelle kein
Mesner Karl Linder hat in der Pfarrkirche St. Peter ein Auge drauf, dass mit brennenden Kerzen aus der Maria-Hilf-Kapelle kein Unfug getrieben wird. (Foto: Sabine Ziegler)
Schwäbische Zeitung
Freie Redakteurin

Die Waldseer Pfarrkirche ist und bleibt ein offenes Gotteshaus – und das ganzjährig an sieben Tagen in der Woche. Daran soll auch der verheerende Brand mit Millionenschaden in St. Jodok Ravensburg und der Vorfall in der Schlierer Kirche am gleichen Tag nichts ändern. Pfarrer Stefan Werner jedenfalls sieht „keinen Grund zur Panik“, zumal das Gebäude alarmgesichert sei. Dennoch werde man ausgehend von den beiden aktuellen Brandstiftungen im Landkreis künftig noch etwas „genauer hinschauen“, wenn einem etwas verdächtig erscheine.

Laut Kirchengemeinde wird St. Peter tagaus, tagein von gut 100 Bürgern und Gästen der Kurstadt aufgesucht, die hier beten, das Kulturdenkmal besichtigen und fotografieren. „Wir freuen uns darüber, dass hier reges Kommen und Gehen herrscht. Schließlich sind wir auch Station des Jakobsweges und viele Pilger finden hier eine Anlaufstelle“, verweist der Seelsorger auf einen „gewissen Vertrauensvorschuss“, den man Kirchenbesuchern entgegenbringen möchte.

Auch die sehenswerte Wallfahrtskirche in Reute und einige kleinere Kapellen auf dem Gebiet der Seelsorgeeinheit Bad Waldsee bleiben aus diesem Grund tagsüber frei zugänglich. „Wir hoffen sehr, dass niemand zündelt oder sonst etwas anstellt in den Kirchen und dass wir es im Fall der Fälle sofort bemerken, um Vorkommnisse wie kürzlich in St. Jodok zu verhindern“, betont Pfarrer Werner.

Bekanntlich gab es in jüngster Zeit landesweit mehrere kleinere Brandstiftungen in Kirchen, die aber meist glimpflich ausgingen. Damit das auch in Bad Waldsee so bleibt, haben die Mesner ein wachsames Auge auf das Geschehen. „Ich bin hier ja den ganzen Tag unterwegs in Kirche und Gemeindehaus und bislang blieben negative Vorkommnisse größtenteils aus“, berichtet Karl Linder. Er ist besonders wachsam geworden, nachdem vor knapp zehn Jahren eine Strohpuppe der Firmlinge in der Maria-Hilf-Kapelle von St. Peter angekokelt wurde. „Zum Glück haben wir das rasch entdeckt und es blieb bei Rauch und Ruß“, blickt der Mesner zurück.

Diese kleine Kapelle ist dem Gedächtnis der seligen Guten Beth und ihrem Mentor Probst Kügelin gewidmet. „Gläubige zünden hier Teelichte an und tragen ihre Sorgen und Danksagungen in ein Buch ein. Gröberes ist dabei zum Glück noch nicht passiert“, ist Linder froh. Zwar haben Unbekannte im Übermut schon einmal das flüssige Wachs dieser Kerzen im Kirchenraum verschüttet. „Das wird dann halt geputzt und fertig.“ Aber wenigstens wurde nirgends gezündelt an Holzbänken oder Stellwänden mit Papieraushängen.

Der hochwertig ausgestattete Chorraum ist besonders abgesichert und bei unbefugtem Betreten wird sofort die Alarmkette ausgelöst. „Ein bis zweimal im Monat ist das im Schnitt schon der Fall.“ Aber dann seien das keine Straftäter, die am Werk sind, sondern meist Touristen, die für ein gutes Foto vom Hochaltar über die Kette steigen und drauf hoffen, dass es niemand bemerkt. Im großen und ganzen, so Linder, könne man aber zufrieden sein mit dem Verhalten der Besucher. „Es gibt zwar auch in St. Peter nichts, was es nicht gibt. Aber die meisten bringen doch den nötigen Respekt auf, wenn sie sich in einem sakralen Bauwerk bewegen.“

Dabei wuselt es hier an manchen Tagen ganz schön – zu spüren war dies auch in der Osterwoche. Derzeit sind nicht nur viele Gäste in der Bäderstadt und schauen sich die historischen Sehenswürdigkeiten an. Auch die Vorbereitungen für die Erstkommunion an den kommenden zwei Sonntagen laufen auf Hochtouren. Dazu gehören die Proben der Kinder in der Pfarrkirche. „Da ist dann ganz schön Betrieb in St. Peter“, lacht der Mesner, während er Kerstin Ploil vom Pastoralteam bei der Aufstellung der Schüler im Mittelgang assistiert.

Parallel dazu begleitet er einen Gastorganisten hinauf auf die Orgel-empore, beantwortet Fragen von Touristen im Kirchenschiff und für die Presse spielt er Fotomodell. „Man sieht, wir sind eine offene Kirche und das ist auch gut so“, lacht Linder und eilt gleich wieder davon, weil der nächste mit einem Anliegen auf den Mesner wartet. Brandstifter und Diebe dürften es in dieser Kirche deshalb schwer haben, ihre düsteren Vorhaben in die Tat umzusetzen.

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