Tiefgarage am Stadtsee wird für 410.000 Euro saniert

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Die Tiefgarage im Haus am Stadtsee wird aufgrund der Bauarbeiten von Anfang Februar bis Ende April gesperrt sein.
Die Tiefgarage im Haus am Stadtsee wird aufgrund der Bauarbeiten von Anfang Februar bis Ende April gesperrt sein. (Foto: Wolfgang Heyer)
Redaktionsleiter

Die Stadt Bad Waldsee lässt die Tiefgarage im Haus am Stadtsee für 410 000 Euro sanieren. Das hat der Verwaltungsausschuss in seiner Sitzung am Dienstagabend beschlossen. Obgleich die Entscheidung einstimmig getroffen wurde, gab es kritische Anmerkungen der Stadträte, die diese kostspielige Baumaßnahme nach gerade einmal 15 Betriebsjahren nicht erwartet hätten.

Es ist ein landesweites Problem: Autos bugsieren im Winter streusalzbelastet Wasser in die Tiefgaragen und das darin enthaltene Chlorid dringt in den Beton ein – es kommt zum Lochfraß. Diese Grundsatzproblematik sowie die aktuelle Baustelle der Marienplatz-Tiefgarage in Ravensburg hat die Stadt laut Sitzungsvorlage zum Anlass genommen, im Mai 2017 eine Voruntersuchung der Tiefgarage im Haus am Stadtsee in Auftrag zu geben. Das Ergebnis: Einige Stahlbetonstützen und -bodenplatten sowie die Einfahrt waren stark chloridbelastet. Die hohe Konzentration lasse die Stahlbewehrung rosten und die Tragkraft im Laufe der Zeit schwinden. Der beschädigte Betonstahl muss also ersetzt werden.

Vor dem Neuaufbau müssen die Verantwortlichen gleichwohl noch die Statik der Stützen und der Bodenplatten überprüfen. Schließlich gilt es abzuklären, ob der Beton mit oder ohne entsprechende Hilfskonstruktionen abgetragen werden kann. Sobald die neuen Stützen und Bodenflächen angebracht sind, soll eine spezielle Oberflächen-Beschichtung eine neuerliche Chloridverunreinigung verhindern.

Wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, werden die Bauarbeiten voraussichtlich drei Monate andauern. Während dieser Zeit kann die Tiefgarage nicht genutzt werden. Außerdem kann es laut werden: Drei Wochen lang wird der Beton mithilfe eines Wasserstrahlverfahrens abgetragen. Diese Arbeit ist bekanntlich mit viel Lärm und Krach verbunden. In Abstimmung mit dem zuständigen Fachbereichsleiter Walter Gschwind und Restaurantpächterin Cornelia Frick wurden diese hörbaren Bauarbeiten auf die Kalenderwochen 8 bis 10 im Jahr 2019 gelegt, also von Mitte Februar bis Anfang März. In dieser Zeit bleibt das gesamt Gebäude samt Restaurant geschlossen. Die Tiefgarage wird aufgrund der Bauarbeiten von Anfang Februar bis Ende April gesperrt sein.

Fragliche Schließungszeit

Bernhard Schultes (FW) hinterfragte den Zeitpunkt der dreiwöchigen Gebäudeschließung und verwies auf die Fasnet, die genau von Mitte Februar bis Ende Februar ihren Höhepunkt erfährt. Gschwind erläuterte, dass die Baumaßnahme mit dem Bauamt und Pächterin Frick abgestimmt und auch der Belegungsplan des Saals berücksichtigt worden sei. „Von der Hochfasnet ist das Haus nicht tangiert“, betonte Gschwind. Auf mehrmaliges Nachhaken von Schultes versicherte Gschwind aber, die Sachlage nochmals zu kontrollieren.

Generelle Kritik an der aus ihrer Sicht zu frühen Tiefgaragen-Sanierung äußerten Stefan Senko (FW) und Wilhelm Heine (CDU). „Es erstaunt mich doch sehr, dass die qualifizierten Ingenieure nicht vorhersehen, dass 15 Jahre lang Streusalz durch Autos in die Tiefgarage eingefahren wird“, verlieh Senko seinem Unmut Ausdruck. Darauf entgegnete Stadtbaumeisterin Andrea Denzel, dass „nichts ewig hält und auch Beton nicht für die Ewigkeit gemacht ist“. Auffällig sei, dass die Chloridbelastung auf den Stellplätzen selbst niedriger sei und dort, wo die Autos fahren, höhere Werte festgestellt wurden. Das Material sei so, wie es ist und ob anderes Material besser geeignet wäre, sei schwer abzuschätzen. „Bei den Bauarbeiten verwenden wir nun eine Hartkunststoff-Beschichtung, die später auch eine partielle Sanierung zulässt. Dann können Teilbereiche ausgebessert werden“, sagte Denzel. Ein punktueller Austausch sei aktuell nicht möglich.

An Folgekosten gedacht?

„Wie lange ist ewig?“, fragte Heine beinahe philosophisch und ergänzte: „Auf alle Fälle sind 15 Jahre in diesem Fall zu früh.“ Der Stadtrat brachte die Marienplatz-Tiefgarage in Ravensburg und die damit verbundenen hohen Folgekosten auf und wollte wissen, ob die Stadt derartige Kosten schon abschätzen könne. Denzel betonte, dass zwei Messungen durchgeführt wurden und sie zum heutigen Stand davon ausgehe, dass die Kosten eingehalten werden.

Sanierung kommt zu früh

Nachdem Sonja Wild (CDU) sich nach weiteren möglichen Baumaterialien erkundigte, stellte Denzel klar, dass sie die Sanierung nach 15 Betriebsjahren ebenfalls als zu früh ansieht. „Aber die Salzproblematik betrifft alle Tiefgaragen – egal ob aus Stahl oder Stahlbeton.“

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