Stimmungsvoll und musikalisch reich

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Der 22 Köpfe umfassende Kammerchor Bad Waldsee und Mitglieder der Kammerphilharmonie Oberschwaben gruppieren sich vor dem Konzer
Der 22 Köpfe umfassende Kammerchor Bad Waldsee und Mitglieder der Kammerphilharmonie Oberschwaben gruppieren sich vor dem Konzert (links neben dem Chor): die Sopranistin Stephanie Simon, (links vorne) Michael Wieder, die Cellistin Annja Korsmeier (Mitte), an der Truhenorgel Dieter Weitz, es fehlt noch Dirigent Volker Schneider. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Das einzige Konzert des Kammerchors Bad Waldsee in diesem Jahr hat am Sonntagnachmittag ein so zahlreiches Publikum gefunden, dass kaum noch ein Platz in der angenehm erwärmten Frauenbergkapelle frei blieb. Mit vier Kantaten von Dietrich Buxtehude und einer Kantate von Felix Mendelssohn Bartholdy bot das Programm „Befiehl dem Engel, dass Er komm“ ein großes musikalisches Spektrum.

Als verlässlicher Begleiter waren zehn Instrumentalisten der Kammerphilharmonie Boden-Oberschwaben unter ihrem Konzertmeister Michael Wieder dabei, den Continuo spielte Dieter Weitz an der Truhenorgel und den Solosopran sang Stephanie Simon. Die Gesamtleitung hatte Volker Schneider, der seit 2018 den Kammerchor Bad Waldsee betreut. Für die Größe dieses Ensembles erwies sich die Akustik der Frauenbergkapelle, die auch als Raum mit ihrem beeindruckenden Hochaltar der Bildhauerfamilie Zürn eine längere Betrachtung lohnt, als ideal.

Denn die mehrteiligen Kantaten Dieterich Buxtehudes, den der knapp 50 Jahre jüngere Johann Sebastian Bach sehr verehrte, bieten neben instrumentalen Einleitungen und Zwischenspielen sehr eindrucksvolle Chorpartien. Kräftig und sicher setzte der gemischte Chor nach dem sehr langsamen, getragenen Vorspiel, welches das Thema der Kantate noch einmal in schnellerem Tempo variierte, ein; in der folgenden Aria wurde es nochmals aufgenommen. Beim Arioso begannen die Männerstimmen, begleitet vom Cello von Annja Korsmeier, das an diesem Nachmittag einen wesentlichen Part spielte, da in einem kleinen Ensemble Cello, Kontrabass und Continuo (Truhenorgel) durch einen dunklen Bassgrund fast ein Orchestervolumen zustande bringen können. Im vierten Teil hatte die warme Sopranstimme von Stephanie Simon, die sonst auch in den Chorpartien mitsang, ihren ersten Auftritt, der Schlusschor schloss dann wieder zum Beginn auf. Ein schönes Stück und gut präsentiert. Ebenfalls ein Chorwerk war die zweite und titelgebende Kantate „Befiehl dem Engel, dass Er komm“, ein verhaltener, aber inniger Wechselgesang. Bei „Singet dem Herrn“ für Sopran, Geige, Cello und Continuo hatte der Chor eine Pause und ein kleines Kammerkonzert begann, das sich vorne um die Sängerin scharte. Michael Wieder eröffnete mit der Einleitung, und ganz rund und konzentriert folgten Cello und Continuo dann dem Sopran und seinen melodiösen Verzierungen. Auch die Chor-Kantate „Der Herr ist mit mir“ mit ihrem komplex aufgebauten Rhythmus und ihrem sehr schönen zweiten Thema mit einer Halleluja-Girlande am Schluss gelang sehr gut strukturiert.

Nun kam der Zeitsprung in das 19. Jahrhundert und zu Mendelssohns „Wer nur den lieben Gott läßt walten“ von 1829 - wer kennt wohl dieses Lied nicht? In kräftigen und klaren gesanglichen Linien entwickelte sich die Musik, im zweiten Teil trat wieder ein Sopransolo zum Orchester und im dritten Teil zitiert Mendelssohn – der Wiederentdecker Bachs - eine Fugenform. Das passte wunderbar zur vorherigen frühbarocken Musik und schloss sich trotz der einhundert Jahre Abstand zu einem einzigen Sinngehalt geistlicher Musik zusammen.

Ein anspruchsvolles und gut gelungenes Konzert, perfekt vorbereitet und sehr schön ausgeführt, für das sich Publikum mit viel Applaus bedankte.

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