Steinach – ein kleines Dorf wird zum Einkaufscenter

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Für sechs Stunden wurde Steinach am Samstag zum angesagten Einkaufscenter schlechthin. Ab zehn Uhr in der Früh bummelten die Menschen durch die Gassen, freuten sich am guten Wetter, handelten und kauften schließlich Dinge, die sie brauchten oder eben auch nicht. Alle waren sie zufrieden, die über 70 Händler, die aus dem Wohnviertel Steinach eine Shopping-Mall machten, und die Kunden, die es genossen, in entspannter Atmosphäre zwischen Warenvielfalt und gemütlichen Schwätzchen die Zeit zu verbringen. Kurzum, der erste Steinacher Dorfflohmarkt war ein durchschlagender Erfolg.

Theresa Sigmund, eine der sieben Veranstalterinnen, erzählt, dass die Idee zum Dorfflohmarkt schon über einen längeren Zeitraum gereift war. „Wir wohnen zum Teil nebeneinander und wollten das gemeinsame Grundstück für einen Hofflohmarkt nutzen“. Doch zum Glück wurde die Idee weiter gesponnen und auf ganz Steinach ausgedehnt. Mund-zu-Mund-Propaganda, Facebook und diverse WhatsApp-Gruppen sorgten für eine rasche Verbreitung und bescherten eine überraschende Resonanz von über 70 teilnehmenden Haushalten. Allesamt bereit, das private Grundstück in ein lebendiges und buntes Miniflohmarktgelände zu verwandeln, auf dem es relativ leicht gelingt, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Zugang musste anfangs eingeschränkt werden

Ein bisschen Obacht war aber dennoch geboten, denn der Käuferzustrom zu Beginn war überraschend stark, so dass verantwortungsbewusste Grundstückseigentümer kurzfristig den Zugang einschränkten. Bereits kurz vor 10 Uhr sind die Experten mit dem Auto durch Steinach gefahren und hatten nach den „alten Sachen“ Ausschau gehalten, erzählt Cornelia Seifert, die erstmals als Flohmarkthändlerin ihr Glück versucht. Doch wenn es so einfach ist, direkt vor der Haustüre zu verkaufen – da wollte sie einfach auch mitmachen und ist sichtlich zufrieden, denn bereits nach einer Stunde hat sie schon die Hälfte verkauft. „Es läuft“, lautet ihr knappes Resümee. Mit zu diesem Erfolg beigetragen hat auch eine junge Mutter mit zwei Kindern, die beide stolz mit Lastwagen und Barbieauto weiter ziehen. „Mir war klar, dass die Kinder schon am ersten Stand mit Spielsachen was finden werden“, lässt sie die SZ wissen.

Der erste Flohmarkt in diesem Jahr

Der Dorfflohmarkt in Steinach war der erste Flohmarkt dieses Jahr, wie gleich mehrere Käufer bestätigten. Auch für Michael Hüber war es klar, dass er da unbedingt hin muss, zumal er im vergangenen Jahr schon von der Atmosphäre beim Dorfflohmarkt in Reute begeistert war. Mit dem Fahrrad hat er eine Runde gedreht und sich gefreut, dass er zum einen Ecken von Bad Waldsee entdeckt, die ihm bisher eher fremd waren und zum anderen natürlich auch ein paar Dinge, die er gut gebrauchen kann. Bei Martina Glaser und Daniela Stärk ist er fündig geworden und packt gerade vier Gartenstühle in sein Auto, das er zum Transport extra geholt hat. Glaser und Stärk sind beide flohmarkterfahren und können die Vor- und Nachteile eines Dorfflohmarkts recht gut abwägen. „Man ist zuhause, braucht die Waren nicht aufwendig zu transportieren, kann auch große, sperrige Waren wie Gartenmöbel anbieten, und man bezahlt keine Standgebühren“, fasst Glaser die Vorteile zusammen. Dagegen stehe, dass bei Flohmärkten wie in Hopfenweiler wesentlich mehr Leute am Stand vorbeikommen.

Spaß gerade in jetzigen Zeiten

Beim Dorfflohmarkt sei es aber vor allem wichtig, dass man Spaß habe, gerade in den jetzigen Zeiten, betonen Alfred Albrecht und Florian Nell, die für ihren Stand so ziemlich alles hergeholt haben, was nicht mehr zwingend benötigt wird. Zwar leider nicht kulinarisch, aber dafür kulturell gab es das eine oder andere Häppchen während des Dorfflohmarktes. Luis Coronado war mit seiner Gitarre in Steinach unterwegs, und Patty Rech hatte in der Abt-Moser-Straße ihre Human Jukebox aufgebaut.

Als eingefleischte Flohmarktgängerin bringt es Nadja auf dem Punkt: „Wir brauchen nichts, aber wir kaufen trotzdem.“ Und ihr Partner ergänzt: „Es ist cool, und man kommt mit den Leuten so leicht ins Gespräch.“ Also haben die Organisatorinnen Theresa, Katharina und Claudia Sigmund, Ines Parwan, Gabriele Fiesel-Parwan, Carolyne Mägerlein und Petra Gut genau den richtigen Riecher gehabt und den ungezählten Besuchern einen Herzenswunsch erfüllt.

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