Spielzeugpistole bei Aldi in der Kritik

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Der Waldseer Kinderschutzbund kritisiert Aldi Süd für den aktuellen Wochenprospekt mit der Werbung für Spielzeugpistolen.
Der Waldseer Kinderschutzbund kritisiert Aldi Süd für den aktuellen Wochenprospekt mit der Werbung für Spielzeugpistolen. (Foto: Paulina Stumm)
Schwäbische Zeitung
Freie Redakteurin

Unter dem Slogan „Alles was Spaß macht“ wirbt das Unternehmen Aldi Süd in seinem aktuellen Wochenprospekt unter anderem für eine „Nerf“-Spielzeugpistole „N-Strike Elite Disruptor“ mit „Schnellfeuer-Action“, „6 Dart Rotationstrommel“ und einer „Schussweite bis zu 27 Metern“. Geeignet sei das Produkt, das ab Donnerstag, 15. März, für 14,99 Euro verkauft wird, für Kinder „ab acht Jahren“. Und da geht Walter Ritter aus Gisbeuren, Vorsitzender des Waldseer Kinderschutzbundes, der Hut hoch.

Pädagoge ruft zu Boykott auf

Er wandte sich deshalb mit seinem Anliegen an die „Schwäbische Zeitung“: „Der fürchterliche Amoklauf eines 17-Jährigen an der Realschule in Winnenden liegt fast genau neun Jahre zurück. Dabei wurden 15 Menschen getötet und elf verletzt. Und seitdem fragen sich Eltern, Pädagogen und Politiker, wie man eine solche Tat verhindern kann, das Umfeld rechtzeitig sensibilisieren und die gewohnheitsmäßige Nutzung von Schusswaffen in Ballerspielen einschränken kann“, schreibt der Pädagoge. Die genannte Aldi-Hochglanz-Werbung mit „Spaß-Faktor“ sei vor diesem Hintergrund jedenfalls „kontraproduktiv“, weil sie zum Umgang mit (Spielzeug)Waffen animiere, so Ritter, der einige Jahre Rektor am Döchtbühlgymnasium war und danach eine Deutsche Schule in Kairo leitete. „Aus meiner Sicht kann nur durch einen Boykott dieses ,Spielzeugs’ dem Unternehmen gezeigt werden, dass solche Artikel aus dem Sortiment genommen und künftig nicht mehr angeboten werden.“

Das sagt Aldi Süd

Auf SZ-Anfrage betont die Unternehmensgruppe Aldi Süd mit Sitz in Mühlheim an der Ruhr, dass „wir unsere Werbung immer sensibel und verantwortungsbewusst gestalten. Wir bedauern es deshalb sehr, dass uns dies aus Sicht des Kinderschutzbundes Bad Waldsee nicht gelungen ist“, teilt Tobias Neuhaus von der Pressestelle des Discounters mit. Da man bei Aldi aber „großen Wert“ lege „auf die Meinung unserer Kundinnen und Kunden, geben wir diesen Einwand gerne zur Prüfung an die zuständige Abteilung in unserem Unternehmen weiter“, teilt Neuhaus weiter mit.

„Beliebtes Modell“

Gleichzeitig lässt der Aldi-Sprecher wissen, „dass diese Spielzeugpistole, die wir als Aktionsartikel vorübergehend im Sortiment führen, ein gängiges und beliebtes Modell in vielen Spielzeuggeschäften ist“. Neuhaus betont, dass Aldi „von einer pauschalen Bewertung von Spielzeugpistolen für Kinder absehen möchte. Bei der Produktionsweise und der altersgemäßen Einstufung halten wir uns aber selbstverständlich an die gesetzlichen und sicherheitstechnischen Vorgaben“, heißt es abschließend dazu.

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