„Solche Kühe sieht man nicht alle Tage“

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Braunviehkönigin Veronika Hecht und Champion Kuh Evita mit Züchter und Besitzer Edwin Kling. (Foto: Gottfried Brauchle)
Schwäbische Zeitung
Dagmar Brauchle

Champion des Waldseer Braunviehtages 2012 ist eine alte Dame. Mehr als 130 000 Liter Milch hat Evita in ihrem 17-jährigen Leben schon gegeben und 13 Kälber geboren. Da bringt einen so eine Schau nicht mehr aus der Ruhe, weder die vielen Menschen noch die rote Streu in der Arena irritieren sie.

Gelassen lässt sich Evita von ihrem Züchter und Besitzer Edwin Kling aus Murrwangen bei Rot an der Rot im Ring führen. Und es scheint, als stelle sie sich ganz bewusst für die Fotografen in Position, nachdem Preisrichter Dr. Alfred Weidele von der Rinderunion Baden-Württemberg sie mit Kennerblick begutachtet, mit ihren Konkurrentinnen verglichen und beinahe ehrfürchtig ihre Vorzüge hervorgehoben hat. „Eine überragende Kuh mit gewaltiger Kapazität, das Euter trotz ihres Alters über’m Sprunggelenk aufgehängt, sehr viel Stil, feines Skelett, kraftvoller Ausdruck.“

Wobei der Preisrichter immer wieder die hohe Qualität aller präsentierten Kühe betonte. „Solche Kühe sieht man nicht alle Tage. Es sind nur Nuancen, die den Ausschlag geben.“ Fundament, Textur, Vorderstrichplatzierung, Drüsigkeit, Milchausdruck – nach diesen und ähnlichen Kriterien fielen die Entscheidungen die Kühe betreffend.

Ein herzliches Lachen, ein fesches Dirndl, eine sympathische Ausstrahlung und die offensichtliche Liebe zum Braunvieh waren es dagegen, die das Publikum bei der Wahl der neuen Braunviehkönigin beeinflussten. Nach zwei Jahren endete die Amtszeit von Franziska Köberle, der ersten baden-württembergischen Braunviehkönigin. Aus den drei Kandidatinnen für ihre Nachfolge fiel die Wahl des Publikums auf Veronika Hecht aus Mittelbuch. Hobbys der 21-Jährigen sind die Trompete, die sie beim Musikverein Mittelbuch spielt, und „der Betrieb daheim.“ Braunvieh, so sagte sie unter dem Applaus des Publikums, „ist eine besondere Rasse. Ich freue mich darauf sie zu repräsentieren.“

Die Krone setzte ihr Paul Locherer (MdL) auf, seine beiden Kollegen Josef Rief (MdB) und Klaus Burger (MdL) assistierten und beglückwünschten auch die beiden nicht minder reizenden Mitbewerberinnen Carina Kienle aus Steinhausen und Regina Dorn aus Argenbühl.

Ein Moment, der Karl Baisch, den stellvertretenden Vorsitzenden der Rinderunion Baden-Württemberg, beinah aus der Fassung brachte. Die ehemalige und die neue Braunviehkönigin und die Politprominenz inmitten einer Arena voller Kinder und Kälbchen. Die Sieger des Jungzüchtervorführwettbewerbs wurden kurz zuvor von Franziska Köberle gekürt. „Was isch des für a klasse Bild: Kinder und Dschumpa (schwäbischer Ausdruck für ein Kalb, Anm. d. Red.) und a volle Halle trotz des Sauwetters. Scheener goht’s nimme“, freute er sich ins Mikro.

Der Wintereinbruch beeinträchtigte die Veranstaltung in der Tat nicht, das Interesse der Züchter und Landwirte war groß wie immer. „Das war ganz lustig mit dem Schnee heut morgen“, meinte die frischgebackene Königin Veronika Hecht, die ihre Kühe morgens selbst hergefahren hat und also nicht nur hübsch ist sondern offensichtlich auch gut zupacken kann. Wie übrigens all die attraktiven Mädels im ersten Braunviehzüchterinnen-Kalender 2013, der gestern offiziell vorgestellt wurde und reißenden Absatz fand.

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