Schwierige Zeugenvernehmung beim Amtsgericht

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Vor dem Amtsgericht Bad Waldsee wird ein Fall verhandelt, bei dem im August 2016 ein 22-Jähriger schwer verletzt worden ist.
Vor dem Amtsgericht Bad Waldsee wird ein Fall verhandelt, bei dem im August 2016 ein 22-Jähriger schwer verletzt worden ist. (Foto: Dpa)
Rudi Heilig

Auch am zweiten Prozesstag wegen schwerer Körperverletzung konnte beim Amtsgericht Bad Waldsee am Freitag noch kein Urteil gesprochen werden. Da zum Tatzeitpunkt am 11. August 2016 ein Angeklagter erst 19 Jahre alt war, hatte Jugendrichter Michael Höhn die Verhandlungsleitung. Prozessauftakt für vier junge Männer aus dem Kreisgebiet war schon Ende Februar 2018 (die SZ berichtete). Sie werden beschuldigt, einem 22-jährigen Mann in mehreren Fällen schwere Verletzungen zugefügt zu haben.

Die Besonderheit am Tatgeschehen besteht in der Tatsache, dass die Familien der angeklagten Männer im Alter von 21 bis 27 Jahren und der Geschädigte in naher Verwandtschaft stehen. Die Familienfehde begann wegen eines Handys, das einem Cousin zur Reparatur überlassen wurde. Als es nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zurückgegeben war, folgten beim Wohnhaus des späteren Opfers verbale Beleidigungen, daraufhin flogen die Fäuste. Schnell mischte sich der Vater ein und verpasste seinem aggressiven Sohn ein paar Ohrfeigen und forderte auf: „Gebt euch die Hände“, was aber nicht geschah. Im Gegenteil, der mit Schlägen versehene Mann versprach: „Wir werden uns wiedersehen.“

Am Sonntagabend, 14. August 2016, hatte der attackierte Mann eine Abrechnung geplant. Von der Avia-Tankstelle in Bad Waldsee weg ging es mit drei Autos die schmale Straße an der BAG hinunter in Richtung Biberacher Straße. Dort wurde das Opfer eingekeilt und in Sekundenschnelle sprangen zwei Männer mit Baseballschläger auf sein Auto zu. Sie zertrümmerten die Frontscheibe sowie die Fenster der Vordertüren. Schläge trafen auch den verfolgten Fahrer und seine junge Begleiterin. Weitere Attacken, wobei eine Brechstange, ein Butterflymesser sowie eine Axt eingesetzt wurden, folgten in den nächsten Tagen.

Insgesamt schon drei Stunden beanspruchte die Zeugenvernehmung beim Geschädigten selber und anschließend bei seiner jungen Mitfahrerin. So gab es verschiedene Aussagen zum betreffenden Tatgeschehen und auch den zugefügten Verletzungen. Die Rechtsanwälte Christella Pilartz und Klaus-Martin Rogg brachten die ersten beiden Zeugen ganz schön ins Schwitzen. Die jeweiligen Antworten wurden mit den nach der Tatzeit verfassten Polizeiprotokollen abgeglichen. Dabei stellten sich häufige Widersprüche dar. Auch die Frage der gesundheitlichen Beeinträchtigungen wurde nicht einheitlich beantwortet. Rechtsanwalt Rogg forderte eine Vereidigung der Beifahrerin, da sie jedoch noch nicht volljährig ist, musste das Gericht davon absehen.

Plädoyer für Jugendstrafrecht

Ähnlich verlief die Zeugenvernehmung bei der Ehefrau des Geschädigten. Sie sprach von einer Veränderung ihres Mannes: „Die Vorkommnisse sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.“ Doch nach den täglich notwendigen Medikamenten des Ehemannes befragt, kam sie etwas ins Straucheln. Weitere Zeugen mussten nach stundenlangem Warten wegen Ablauf des Zeitfensters des Amtsgerichts zum zweiten Mal auf den nächsten Termin vertröstet werden. Sandra Fuchs vom Jugendamt Ravensburg gab ihre Recherchen über den zur Tatzeit noch jugendlichen Täter bekannt. Sie berichtete von einem Realschulabschluss mit einer erreichten Gesamtnote von 2,6. Zwar hatte er sein Ausbildungsverhältnis abgebrochen, einen Abschluss wolle er aber aktuell nachholen.

Sandra Fuchs plädierte, das Jugendstrafrecht anzuwenden. Sie halte bei ihm eine Geldauflage für angebracht.

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