Schnee schippen und den Nachbarn kennenlernen

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 Felix Küpfer organisiert sich kurzerhand einen Radlader und häufte im Wohngebiet Frauenberg einen beachtlichen Schneeberg auf.
Felix Küpfer organisiert sich kurzerhand einen Radlader und häufte im Wohngebiet Frauenberg einen beachtlichen Schneeberg auf. (Foto: Sabine Ziegler)
Redaktionsleiter

Der Winter ist deutlich wahrnehmbar in Bad Waldsee angekommen und hat viel Schnee mit sich gebracht. Der Winterdienst war in den vergangenen Tagen im Dauereinsatz und auch die Bad Waldseer selbst haben eifrig Schnee geschippt. Die Feuerwehr musste aufgrund des Schneefalls nicht ausrücken.

Wie Feuerwehrsprecher Marcel Huber mitteilt, gab es im Landkreis Ravensburg am Sonntag allein bis zur Mittagszeit 72 wetterbedingte Einsätze. In der Kurstadt blieb es hingegen ruhig. Lediglich zwei Alarmierungen gingen ein. So lösten ein Rauchmelder und eine Brandmeldeanlage Alarm aus – es gab aber beides mal kein Feuer.

Indes griffen die Bewohner zur Schneeschippe und so sorgte der Schneefall für nette Gespräche zwischen Nachbarn, die sich sonst im Winter eher selten sehen. So mancher Anwohner griff auch zu schwerem Gerät, um der weißen Pracht Herr zu werden: So organisierte Felix Küpfer am Sonntag kurzerhand einen Radlader und häufte im Wohngebiet Frauenberg einen beachtlichen Schneeberg auf.

Die rund 25 Zentimeter Neuschnee über Dreikönig waren aber auch Anlass für Anwohner, lautstark ihren Kropf zu leeren über die Stadt Bad Waldsee, die ihrem Räum- und Streuauftrag zu langsam nachkomme. Dabei war der städtische Baubetriebshof am ersten schneereichen Wochenende des Jahres erkennbar in voller Mannstärke im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Wer eine Stadtrunde drehte, der konnte sich davon überzeugen, dass die Bediensteten nahezu zeitgleich überall auf Straßen und Plätzen im Einsatz waren mit ihren orangefarbenen Fahrzeugen.

Danach wurde der Schnee aus der engen Altstadt herausgekarrt und die Männer versuchten, die zahlreichen Parkplätze möglichst rasch frei zu bekommen. Am Sonntagnachmittag häuften sich große weiße Schneeberge an der Bleiche auf, weil diese am Montagmorgen für Arbeitnehmer und Kunden der Geschäfte wieder zur Verfügung stehen musste. Am Schulzentrum Döchtbühl war ein Tag mehr Luft zum Räumen, weil der Montag noch zu den Weihnachtsferien zählte. Am frühen Morgen blinkten die Warnlichter schon wieder in der Innenstadt und ein Schneebruch an den Bäumen beim Freibad war bereits abgesichert.

Wie es die entsprechende Satzung der Kommune festlegt, werden bei Schneefall und Glätte zuerst die „gefährlichen, verkehrsbedeutenden Straßen“ im Stadtgebiet frei gemacht – dazu zählt beispielsweise die steile Frauenbergstraße. Dann folgt die nächste, untergeordnete Straßenkategorie. Viele Straßen in Wohngebieten gehören aber nicht dazu. So jedenfalls erklärte dies Rathaus-Sprecherin Brigitte Göppel auf eine entsprechende SZ-Anfrage kurz vor Weihnachten. Nachzulesen ist diese Satzung auf der städtischen Homepage. Doch genau mit diesem Umstand sind offenbar viele Bürger nicht einverstanden, wie am Wochenende in den Wohngebieten zu vernehmen war.

Während die Anwohner mit der Schaufel ihre Gehwege vor dem Haus beziehungsweise einen meterbreiten Streifen von der Straße räumen und streuen müssen, lasse sich der Bauhof Zeit mit den Wohngebieten, obwohl bei Starkschneefall auch dort kaum ein Durchkommen mehr ist. Viele Grundstücke seien heute zudem zu klein, um dort größere Schneemengen lagern zu können. So oder so ähnlich lauteten die Vorwürfe, die meist hinter vorgehaltener Hand vorgebracht werden. Dies konnte am Wochenende unter anderem im Eschle und am Frauenberg beobachtet werden.

Und als die großen Fahrzeuge am Montag zur Mittagszeit schließlich in die zugeschneiten Wohngebiete fuhren, wurde beim Durchfahren der Schnee von der Straße zurück auf die freien Gehwege gedrängt. Dies erregte wieder den Ärger der Bürger und das Gezetere ging beim neuerlichen Schippen von vorne los. Bloß gut also, dass zumindest vorerst Tauwetter angekündigt ist und sich die Gemüter wieder beruhigen.

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