Schüler und Bundestagsabgeordnete debattieren über Innere Sicherheit

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Es diskutieren die Bundestagsabgeordneten: von links: Jessica Tatti (Die Linke); Martin Gerster (SPD); Agnieszka Brugger (Bündni
Es diskutieren die Bundestagsabgeordneten: von links: Jessica Tatti (Die Linke); Martin Gerster (SPD); Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen); Axel Müller (CDU); Benjamin Strasser (FDP); Peter Felser (AfD). (Foto: Rudi Heilig)
Rudi Heilig

Gewaltig abgehoben hat sich am Freitag der Unterricht am Gymnasium Bad Waldsee. Die Schülermitverwaltung (SMV) hatte Abgeordnete aller im Bundestag vertretenen Parteien zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Als zentrale Themen wurden vorgegeben: Innere Sicherheit, Terrorismus und Migration. Es gab eine spannende Diskussion mit kontroversen Standpunkten der Teilnehmer.

Begonnen hatte diese politische Runde im vergangenen Jahr, hier diskutierten die Landtagsabgeordneten über Bildungsthemen. Die Schülersprecher Kitti Hölzli, David Spägele und Nico Gläser freuten sich über den Besuch von 220 Jugendlichen im Alter von fünfzehn bis achtzehn Jahren. Schulleiter Robert Häusle stellte bei seiner Begrüßung fest, dass die Berliner Politik heute in Bad Waldsee zum Anfassen nahe ist. Zu Beginn der Diskussionsrunde durften die Politiker skizzieren, welche Themen ihrer jeweiligen Partei besonders am Herzen liegen.

Martin Gerster (Wahlkreis Biberach) legt für die SPD den Fokus auf die soziale Gerechtigkeit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für Axel Müller (Wahlkreis Ravensburg) ist bei der CDU das christliche Menschenbild sehr wichtig. Ebenso die Tatsache, dass nicht alles der Staat reglementieren soll. Benjamin Strasser (Wahlkreis Ravensburg) betont für die FDP, dass jeder Mensch sein Leben gestalten kann, wie er will. So habe sich die FDP besonders beim Thema „Ehe für alle“ starkgemacht.

Agnieszka Brugger (Wahlkreis Ravensburg) benennt die Farbe Grün als Programm von Bündnis 90/Die Grünen, ebenso die Verantwortung für Frieden und Freiheit. Peter Felser (Wahlkreis Oberallgäu) will mit der AfD das zerstrittene Europa kitten. Gerne möchte er wieder die Deutsche Mark anstelle des Euros sehen, wörtlich: „Er wurde am Reißbrett erfunden.“ Soziale Themen – Bekämpfung einer Altersarmut – stehen laut Aussage von Jessica Tatti (Wahlkreis Reutlingen) der Linkspartei besonders nahe.

„Jedes Opfer ist eine Straftat zu viel“, mit diesem Satz begann Axel Müller die Diskussion über die Innere Sicherheit. Doch mit Ausnahme der AfD waren sich die Vertreter aller Parteien einig, dass es zwar grundsätzlich nie sicher genug sein kann, man aber in Deutschland keinen Grund haben muss, sich Sorgen zu machen. Benjamin Strasser bringt es auf den Punkt: „Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, 3773-mal höher, als dass Sie bei einem terroristischen Angriff ums Leben kommen“. Agnieszka Brugger freut sich, dass wegen Maßnahmen der Bürger Wohnungseinbrüche bereits zurückgegangen sind.

Martin Gerster ist der Meinung, dass geschlossene Grenzen uns nicht vor Extremisten und Terroristen bewahren können. „Wir sollen Perspektiven schaffen, damit die Menschen erst gar nicht in solche menschenverachtende Gruppierungen abrutschen.“ Jessica Tatti appelliert bei diesem Thema, hier auch vor Bedrohungen von Menschen in anderen Ländern nicht die Augen zu verschließen. Während es für Agnieszka Brugger ein Gebot der Menschlichkeit ist, bedrohten Menschen bei uns eine Heimat zu bieten, stellt für Peter Felser die Zuwanderung eine „Lebenslüge“ dar. Axel Müller nimmt klare Stellung zu Verfolgten und Opfern aus Krisengebieten im Gegensatz zu eingewanderten Wirtschaftsflüchtlingen.

Konträre Antworten

Bei einem am Schluss gestellten Halbsatz zu den genannten Themen erwiesen sich alle sechs Politiker schlagfertig. Persönliche Fragen der Schüler, so zur doppelten Staatsbürgerschaft, dem Schutz der Außengrenzen sowie zu nicht registrierten Asylbewerbern, wurden teilweise sehr konträr beantwortet.

Schülersprecher David Spägele dankte am Schluss den Abgeordneten für die offenen Worte. Seinen Mitschülern rief er zu: „Macht mit, bringt euch ein, geht wählen. Sagt auch Ja, wenn es in Zukunft darum geht, ein politisches Mandat anzunehmen.“ Das Resümee von Schulleiter Robert Häusle zusammen mit Politiklehrer Ralf Oschwald lautete: „Komplett zufrieden, die Veranstaltung hatte genügend Würze, ohne dass es zu Entgleisungen kam. Die Politiker zeigten sich authentisch, sie haben ihre Parteien glaubwürdig vertreten.“

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