Rasthof, Bleiche, Löhleweg: Kandidaten beziehen Stellung

Lesedauer: 52 Min
Bürgermeisterwahl in Bad Waldsee: Die Kandidatenvorstellung der SZ im Video
Simon Weißenbach, German Finster, Peter Hellstern, Matthias Henne und Bernhard Schultes wollen Bürgermeister in Bad Waldsee werden. Am Sonntag, 26. Januar, wird gewählt. Beim Kandidatenabend der "Schwäbischen Zeitung" am Montagabend im Haus am Stadtsee stellten sich zwei der fünf Kandidaten vor. Die anderen Bewerber hatten aus verschiedenen Gründen abgesagt. Wir zeigen den Kandidatenabend im Video.

Aus fünf wurden zwei: Die Bürgermeisterbewerber Matthias Henne und Bernhard Schultes haben beim Kandidatenabend der „Schwäbischen Zeitung“ im Haus am Stadtsee die Fragen der Bürger beantwortet, die die SZ im Vorfeld gesammelt und am Montagabend per Zufall aus einem Lostopf gezogen hatte.

Da die anderen drei Bewerber alle abgesagt hatten, konnten sich Henne und Schultes im direkten Vergleich messen lassen. Beide meisterten den Abend mit Bravour.

Zu Beginn des Abends hatten beide die Möglichkeit, sich in zwei Minuten kurz vorzustellen, was mit jeweils viel Applaus quittiert wurde. Henne betonte, dass ihn die Stadt begeisterte und er sich voller Energie für Bad Waldsee engagieren wolle. Er sei ein Mann der Tat und stehe für einen Neuanfang, pragmatische Lösungen und Gespräche auf Augenhöhe.

Sehr wichtig sei ihm, als mögliches neues Stadtoberhaupt die Bürger einzubinden, um gemeinsam die Stadt „aktiv zu gestalten“.

 Matthias Henne stellte sich beim Kandidatenabend der „Schwäbischen Zeitung“ im Haus am Stadtsee den Fragen der Bürger.
Matthias Henne stellte sich beim Kandidatenabend der „Schwäbischen Zeitung“ im Haus am Stadtsee den Fragen der Bürger. (Foto: Karin Kiesel)

Schultes betonte, dass er als Bürgermeister gemeinsam mit den Bürgern die Zukunft der Stadt gestalten wolle. Zugleich stellte er die Frage, ob es dringend einen Neuanfang brauche, denn viel sei in den vergangenen Jahren in der Stadt und den Ortschaften erreicht worden, darauf wolle er aufbauen mitsamt seiner Erfahrung und Kompetenz sowie sich mit „Herz und Seele“ den neuen Herausforderungen stellen.

 Bernhard Schultes stellte sich beim Kandidatenabend der „Schwäbischen Zeitung“ im Haus am Stadtsee den Fragen der Bürger.
Bernhard Schultes stellte sich beim Kandidatenabend der „Schwäbischen Zeitung“ im Haus am Stadtsee den Fragen der Bürger. (Foto: Karin Kiesel)

Anschließend begann die Fragerunde. Moderiert von Redaktionsleiter Wolfgang Heyer bekamen Schultes und Henne abwechselnd jeweils eine zufällig ausgewählte Frage von Bürgern gestellt, die sie in ebenfalls jeweils zwei Minuten beantworten durften – insgesamt jeweils zwölf Fragen. Es war eine Vielfalt an Themen, die die Kandidaten zu beantworten hatten.

So unter anderem zum Thema kurzfristige Lösung für den geschotterten Verbindungsweg zwischen Steinach und Ballenmoos – die Frage ging an den Kandidaten Henne. Der versprach als Freund „schneller und pragmatischer“ Lösungen: Der Löhleweg könne aus seiner Sicht noch „problemlos in diesem Jahr geteert“ werden. „Das sichere ich Ihnen zu.“ Dafür erntete er lautstarken Applaus aus dem Publikum. Zuvor erläuterte er, dass er nicht verstehe, warum der Weg noch nicht ausgebaut und die Bürger „immer wieder vertröstet“ worden seien.

Schultes will Stadthalle erhalten

Eine Frage, ob die Stadthalle in der nächsten Bürgermeisteramtszeit erhalten bliebe, ging an Bernhard Schultes. Der antwortete zunächst nur mit einem kurzen, lauten und klaren: Ja. Dafür bekam er den ersten dankenden Applaus. Wie er erläuterte habe die Stadthalle Sanierungsbedarf.

„Den müssen wir angehen.“ Auch beim Theme Energieeffizienz müsse etwas getan werden. Zudem sei ein neues Raumkonzept und die Wiederbelebung der Schwemme nötig. „Das Haus muss voll bespielbar sein“ und Platz bieten für Kultur und andere Veranstaltungen.

Auch der Rasthof an der B30 war Thema, bereits die Frage sorgte für Johlen und Klatschen im Saal. Die Frage, wie es mit dem Rasthof weitergehe und ob die Entscheidung doch noch „gekippt“ werden könne, ging an Henne. Der sagte klipp und klar, dass der Gemeinderat bereits eine Entscheidung getroffen und einen Bebauungsplan auf den Weg gebracht habe, das gelte es zu akzeptieren.

Die „Herangehensweise“ allerdings ans Thema, wie mit den Bürgern diskutiert und sie beteiligt worden seien – da gebe es noch „viel Luft nach oben“. Die Stadtverwaltung sei eine Dienstleistungsbehörde und sei in erster Linie den Bürgern verpflichtetet und müsse ihre Anliegen anhören und sie ernst nehmen. Die Zuhörer stimmten mit lautem Beifall zu.

Den Bogen von schnellem Internet für neue und bereits bestehende Gewerbegebiete bis hin zu einem Gründerzentrum in Bad Waldsee, dass er in Zusammenarbeit mit den Hochschulen der Region installieren wolle, schlug Schultes bei der Frage, wie Bad Waldsee für Gewerbetreibende interessant bleibe.

Damit Unternehmen modern arbeiten könnten, seien nicht nur schnelle Leitungen notwendig, sondern auch der Nachwuchs für „zukunftsträchtige Berufe“. Auch Wachstumsmöglichkeiten für Unternehmen, die schon an einem Standort seien, müssten gegeben sein.

Henne will sich mit Nachdruck der L285 widmen

Der Verkehr war ebenfalls Thema: So betraf eine Frage die viel befahrene L285 durch Reute-Gaisbeuren. Durch das im Regionalplan Bodensee-Oberschwaben geplante rund 40 Hektar große Gewerbegebiet südlich von Aulendorf (Unterrauhen, gegenüber und vor Carthago) und ein 20 Hektar großes Gewerbegebiet in Gaisbeuren gebe es künftig noch mehr Verkehr – und damit mehr Lärm und mehr Gefährdung.

Gibt es eine kurzfristige Lösung? Henne, an den die Frage gestellt wurde, räumte ein: „Ganz ehrlich: nein.“ Es sei nicht seriös zu behaupten, dass es kurzfristig Abhilfe gebe. Er verwies auf die B30-Ortsumfahrung und dass das Regierungspräsidium (RP) bekanntlich 2022 mit den Planungen beginnen wolle, die sich dann nochmal locker fünf bis sieben Jahre ziehen könnten. Aber sowohl er als auch Schultes würden sich dem Thema als Bürgermeister „mit Nachdruck“ zuwenden. Für seine Aussagen als auch für seine Fairness erhielt er anerkennenden Applaus.

Auch die langjährig geforderten Anbindungen der L300 und L316 an die B30 waren Thema. Schultes beantwortete die Frage nach einer zeitnahen Lösung damit, dass es unlängst Gespräche mit dem Bundestagsabgeordneten Axel Müller und den Gemeinderatsfraktionen gegeben habe, damit Müller beim RP im Sinne Waldsees vorsprechen könne. „Das reicht aber nicht, wir müssen komplett auf dem Gas bleiben.“

Die Anbindungen seien dringend notwendig als Entlastung für die Innenstadt und als Grundlage für das städtebauliche Rahmenkonzept, konkret für die Bleiche-Pläne. Ansonsten tue man sich schwer, bei der Bleiche-Umgestaltung die „nötige Akzeptanz bei den Bürgern“ zu erhalten. Er als Bürgermeister würde „zweimal in der Woche beim Regierungspräsidium und bei Axel Müller anrufen“.

Bleiche-Busbuchten: Beschlüsse sollen akzeptiert werden

Apropos Bleiche: Auf die Frage, ob der neue Bürgermeister „den Beschluss, die Bushaltebuchen der Bleichestraße zu entfernen“ kippen könne, weil sonst „endlose Staus“ drohen, sagte Henne, dass es einen mehrheitlichen Beschuss des Gemeinderats gebe, den es zu respektieren gelte.

„Jetzt alles auf den Kopf zu stellen halte ich nicht für richtig.“ An einzelnen Punkten könne noch gedreht werden, aber die großen Beschlüsse, an die auch Fördertöpfe gekoppelt seien, zu kippen werde nicht möglich sein.

 Aus fünf wurden zwei: Nur Matthias Henne (Mitte) und Bernhard Schultes (rechts) stellten sich den Fragen. Abwechselnd traten si
Aus fünf wurden zwei: Nur Matthias Henne (Mitte) und Bernhard Schultes (rechts) stellten sich den Fragen. Abwechselnd traten sie ans Pult. (Foto: Karin Kiesel)

Weitere Fragen in Kurzzusammenfassung: Zum Thema Verbesserung bei der LED-Straßenbeleuchtung sagte Schultes, es müsse nachgebessert werden. Henne wiederholte zum Thema Ehrenamt, dass er sich für ein „Haus der Vereine“ einsetze. Gefragt nach Potenzialen und Gefahren der Digitalisierung sagte Schultes, dass vor allem in Schulen nachgerüstet werden müsse, ebenso in den Stadt- und Ortschaftsverwaltungen. In der Kernstadt und den Ortschaften müsse es auch für Bürger eine schnelle Internetverbindung geben. Den Sportentwicklungsplan will Henne zügig vorantreiben.

Der gewünschten Erweiterung der Gymi-Halle sowie dem Aufstellungsbeschluss zu einem Kunstrasenplatz beim FV stehe er positiv gegenüber, es seien kurzfristige und pragmatische Lösungen. Als „gute und notwendige“ Investition bezeichnete Schultes das geplante Gradierwerk. Dass es stattdessen eine Bürgerwiese am Stadtsee geben solle, wie in der Frage unter anderem formuliert, schloss Schultes nicht aus. „Das eine zu tun heißt nicht, das andere zu lassen.“

Bekommt Bad Waldsee ein Kulturamt?

Gefragt nach einem höheren Kulturetat sagte Henne, dass man sich dringend Gedanken zu Verbesserung machen müsse und stellte einen Kulturbeauftragten oder gar ein städtisches Kulturamt in Aussicht. Er sei gesprächsbereit, Lösungen zu finden, die zu Waldsee und den Angeboten passen, da ihm die Kultur „sehr am Herzen liege“.

Zum Thema Klima führte Schultes aus, dass der jährliche Mobilitäts-Energietag eine „Nachhaltigkeitswoche“ werden könne. Zudem müsse das Klimaschutzkonzept von 2014 aktualisiert werden. Es gelte, den ÖPNV weiter auszubauen, um den C02-Ausstoß weiter zu reduzieren.

Für viele Besucher brachte der Abend neue Erkenntnisse, wie in Gesprächen nach dem offiziellen Teil deutlich wurde. Manche waren sich sogar schon sicher, wen sie am Sonntag wählen wollen, andere sind ihrer Entscheidung einen weiteren Schritt näher gekommen. Auch Bürger, die bereits ihre Briefwahl abgeschlossen hatten, waren dabei und erlebten einen kommunalpolitisch interessanten Abend.

Meist gelesen in der Umgebung

Mehr zum Thema

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen