Pilger aus dem Haistergau bitten in St. Sebastian um Verschonung vor Unwetter

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 Siebzehn Pilger, elf Frauen und sechs Männer, hatten sich vom Haus Büchele in Hittelkofen aus auf den Weg nach St. Sebastian ge
Siebzehn Pilger, elf Frauen und sechs Männer, hatten sich vom Haus Büchele in Hittelkofen aus auf den Weg nach St. Sebastian gemacht. (Foto: Rudi Martin)
Schwäbische Zeitung
Rudi Martin

Kleinere und größere Gruppen haben sich am Donnerstag, 2. Januar, auf zur Kapelle St. Sebastian gemacht, um einen seit Alters her gepflegten, religiöser Brauch zu begehen. Die „Hagelfeiere“, wie im Haistergau der „Hagelfeiertag“ genannt wird, ist ein Bittgang, der seinen Ursprung im bäuerlichen Umfeld hatte. In den vergangenen Jahrhunderten wurde dabei vor allem um Verschonung vor Unwettern gebetet.

Vielerlei Anliegen

Am Donnerstagnachmittag bewegten sich wieder mehrere Gebetsgemeinschaften hinauf zur Kapelle St. Sebastian. Es waren Menschen, die in vielerlei Anliegen ihre Gebete verrichteten. Auch das ausgelegte Pilgerbuch gibt Zeugnis davon. Seit Januar 2019 sind darin etwa 500 schriftlich formulierte Bitten um Familienglück, Frieden, Gesundheit, Zusammenhalt und Wohlergehen vermerkt. Die persönlichen Anliegen sind recht vielfältig und werden oft auch mit den Namen der Bittenden gekennzeichnet. Auch viele Dankesbezeigungen sind dabei.

Kapelle im Sonnenlicht

Gebetsgruppen aus dem Haistergau, Mennisweiler, Molpertshaus sowie einzelne Pilger von Graben her konnte man allein zwischen 14 und 15 Uhr antreffen. Die weihnachtlich geschmückte Kapelle, die 758 Meter hoch liegt, erstrahlte im Sonnenlicht. Die Ausgangsorte der Pilger waren um die Zeit vom Nebel umhüllt. In der Kapelle brannten schon etwa 80 Opferkerzen, als die Gebetsgruppe aus Hittelkofen eintraf.

17 Pilger, elf Frauen und sechs Männer, hatten sich vom Haus Büchele in Hittelkofen aus auf den stets ansteigenden, zum Teil beschwerlichen Weg mit Ziel St. Sebastian gemacht. Oben angekommen übernahm Kapellenmesner Bernd Schmid die Gebetsführung. Nach altem Brauch wurde auf dem Hin- wie Rückweg verschiedene Rosenkranzgesätze gebetet. Litaneien, das Sebastianslied und Gebetstexte wurden in der Kapelle vorgetragen.

Auch Wallfahrtsgruppe aus Mennisweiler

Auch von Mennisweiler aus hatte sich traditionsgemäß eine Wallfahrtsgruppe mit etwa 20 Pilgern auf den langen Fußweg gemacht, um, wie all die Beter, den Segen Gottes und den Beistand des heiligen Sebastian zu erbitten. Zur Tradition gehört es, dass die Mennisweiler Wallfahrer während ihres Fußmarsches insgesamt vier Rosenkränze zu den freudenreichen, glorreichen und schmerzhaften Geheimnissen beten.

Zehn Pilger umfasste die Gruppe aus Molpertshaus. Die Gebetsschar hatte sich betend von Haidgau aus auf den Fußmarsch begeben. Die Gebetsgemeinschaft, angeführt von Diakon Franz Fluhr bittet in besonderem Anliegen immer um Gottes Beistand für die ganze Dorfgemeinschaft. Diejenigen, die schlecht zu Fuß sind und den Fußmarsch von Haidgau her nicht mehr bewältigen können, versammelten sich ebenfalls am Donnerstagnachmittag zum Beten in der Pfarrkirche von Molpertshaus.

Im Januar kommen die meisten Pilger zur Sebastianskapelle. Höhepunkt ist dann die große Wallfahrt am 20. Januar, dem Gedenktag des Heiligen. Kapellenmesner Schmid weiß zu berichten, dass der Zustrom zur Kapelle ungebrochen ist, denn auch 2019 sind wieder über 13 000 Kerzen angezündet worden.

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