Pfarrerduo punktet beim Scheinheiligenball

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 Bei Olympia Ekklesia (von links): Gemeindereferentin Sandra Weber, Pfarrer Stefan Werner (mit Weihwasser), Pfarrer Thomas Buche
Bei Olympia Ekklesia (von links): Gemeindereferentin Sandra Weber, Pfarrer Stefan Werner (mit Weihwasser), Pfarrer Thomas Bucher, Mitarbeiterin Tanja Drewniok und Diakon Klaus Maier. (Foto: Rudi Heilig)
Rudi Heilig

Als IOC-Funktionär die Olympiafahne schwenkend, hat Andreas Hepp stimmgewaltig den Ball der Scheinheiligen am Sonntagabend im Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde Bad Waldsee eröffnet. Närrisch kostümiert repräsentierten neben Vertretern von St. Peter zuhauf auch die „Schein“-Heiligen aus Haisterkirch, Michelwinnaden und Reute-Gaisbeuren die Seelsorgeeinheit.

Gleich zu Beginn eines Vier-Stunden-Programms landeten schon etwas „ältere“ Kirchgängerinnen mit ihrem Auftritt einen Volltreffer. Bettina, Bernadette, Hedi, Lise, Lucia, Marion, Simone und Uschi vom Kirchenchor Reute besuchten zur Abwechslung den Gottesdienst in der Kurstadt. Zur Überraschung wurden hier noch Beichtstühle entdeckt. Spontan bekannte Hedi Allgayer: „Unser Beichthaus in Reute sieht halt aus wie a große Duschkabine“. Auf die Frage: „Ganget ihr do nei?“, kam es einstimmig: „Noi, auf gar koin Fall sitz’ i mit em Pfarrer in so a Duschkabine nei“.

Buntes Programm bekommt Beifall

An närrischen Tagen hatte Pfarrer Werner eine Frauengruppe aus Tettnang entdeckt und spontan engagiert. Stimmlich perfekt verrieten sie: „Wieder Mal sind wir zu haben, schaut uns an: Mir hont viel Busa in dr Blusa“. Und weiter: „Warum ist Gott so gemein, er schuf uns mit viel Dellen am Popo und am Bein“. Im bunten Programm nicht fehlen durfte Uschi Hirsch mit graziösen Damen aus dem Königstal. Sie erzielten viel Beifall mit ihrem gekonnten Bändertanz. Bei einem „Rope skipping“ zeigten neun junge Frauen hohes Tempo und akrobatische Figuren.

Mit lautstarkem „AHA“ konnte das Waldseer Sammlervölkle begrüßt werden. Zunftmeister Roland Haag verkündet mit einer schon etwas lädierten Stimme: „Wir haben heute zauberhafte Sammlerinnen, die besten Musiker und die schönsten Zunfträte mitgebracht“. Doch es gab auch Buhrufe, als Sammlerkönig Berthold offen bekannte: „Ich war heute Morgen nicht in der Kirche bei der Messe mit den Narren“.

Bei „Olympia Ekklesia“ der Bad Waldseer Kirchengemeinden moderierte Pfarrer Werner mit Witz und Humor. Eine Jury bestehend aus Pfarrer Bucher, Sandra Weber, Klaus Maier und Tanja Drewniok verteilte beim „Weihwasserweitspritzen“, beim „Prozessionsschreiten“ und bei einer „andächtigen Kniebeuge“ wertvolle Punkte. Kerstin Ploil konnte als Sieger punktgleich Michelwinnaden und St. Peter gratulieren. Im folgenden Sportstudio wurde der sonntägliche Gottesdienstmarathon thematisiert. Streng katholisch in schwarzer Soutane, Manipel und Birett gekleidet, trat das Pfarrerduo Thomas Bucher und Stefan Werner auf die Bühne. Elegant und in Litanei-Form taten sie hier aktuelle Themen kund. Mit „Der Manz verlässt uns zum Jahresend, in Unschuld wäsch i meine Händ, als neua Mesner in dr Osterhofer Kapell, ma dafür doch koin Bessera fänd“ wurde begonnen.

Drei schlagfertige „Kirchplatzweiber“

Auch drei schlagfertige „Kirchplatzweiber“ kommentierten den scheidenden ersten Beigeordneten der Stadt mit dem Spruch: „Blos weil dr Pfarrer Werner Tacheles gschwätzt hot, möcht der numma“. Mit der dann immer abschließenden Frage: „Wois mes, ka mes wissa, mos mes wissa“, ging es nochmals um Pfarrer Werner. „Ob der wohl sei Geld für einen geplanten Urlaub von der pleite-gegangenen ‚Germania‘ zurück erhält. Er benötigt es doch dringend zur Bußgeldzahlung für zu schnelles Fahren in der Badstraße“. Der Form halber wurde noch erklärt: „Koin seelsorgerlicha Einsatz, noi er war halt im Dampfbad“. Karl Linder wurde nach seinem Thailandaufenthalt gefragt: „Wo hot er sich blos rumtrieba, er hot ja gar koi Farb ins Gsicht kriegt“.

Paul Kohlschreiber stand als Kurseelsorger für Pfarrer Kneipp in der Bütt. Für die beiden Pfarrer Bucher und Werner hatte er vier Wasserbehälter aufgestellt. Mit dem Satz: „Jetzt dont nu eure Schua und d’Socka ra und hocket auf die Bank do na“, reglementierte er als Sebastian Kneipp weiter: „Vom Warma raus, ins Kalte nei“. Auch bei diesem Beitrag wurde so manch Süffisantes der Seelsorger offenbar.

Den perfekten Schlussakkord setzte ein Doppelquartett des Männerchors aus Haisterkirch. Diese acht Sänger widmeten ihren Gesang dem „Waldsee-Achter“, der erfolgreichen Ruderregatta im vergangenen Jahr. Ganz besonders würdigten sie dabei das erzielte „Gold“ gegen die Ungarn. Mit „Gi-Ga-Gondele, jetzt fahret mir über das Schwäbische Meer“ und Katrin Reichle am Piano durfte noch lange nicht Schluss sein. Stürmischer Applaus erzielte weitere Zugaben. Zur Musik von DJ Elme und seiner Frau Stiefele wurde nach einem großartigen Ballprogramm noch lange getanzt, gelacht und geschunkelt.

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