Nirgendwo gibt es so viel wilden Müll wie in Bad Waldsee

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Insgesamt 56 Tonnen wilder Müll sind im vergangenen Jahr in Bad Waldsee angefallen.
Insgesamt 56 Tonnen wilder Müll sind im vergangenen Jahr in Bad Waldsee angefallen. (Foto: Wolfgang Heyer)
Schwäbische Zeitung
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Recherchen der „Schwäbischen Zeitung“ haben ergeben, dass Bad Waldsee die gebeuteltste „Wilder-Müll“-Stadt im Landkreis Ravensburg ist. In keiner anderen Kommune des Kreises wird so viel Müll achtlos und gesetzeswidrig weggeworfen.

In den vergangenen Jahren sind auf dem Baubetriebshof in Bad Waldsee zwischen 50 und 56 Tonnen wilder Müll aufgeschlagen. Damit nimmt die Kurstadt „kreisweit die Spitzenposition ein“, wie Landkreis-Sprecher Franz Hirth mit Blick auf die Vergleichszahlen berichtet. In Bad Wurzach kam im vergangenen Jahr eine Tonne an wildem Müll zusammen, in Weingarten waren es fünf Tonnen. Selbst in Ravensburg liegt der Wert „nur“ bei 23 Tonnen. Über die Gründe der enormen Müllmenge in Bad Waldsee kann nur spekuliert werden. Naheliegend ist gleichwohl, dass die B 30 ihren Teil dazu beiträgt. Oftmals findet sich auf den Parkplätzen entlang der Umgehung herrenloser Unrat und Sperrmüll wieder.

Kreative Lösungen gefordert

Den Mitarbeitern des Baubetriebshofs fallen hauptsächlich die Containerstandorte im Eschle, in der Steinstraße und in der Lortzingstraße negativ auf, wie Rathaussprecherin Brigitte Göppel mitteilt. Mehrmals wöchentlich sammeln die Mitarbeiter den wilden Müll ein und entsorgen ihn in einer sogenannten Absetzmulde – wiederum eine Besonderheit im Landkreis. Eigentlich entsorgen die Kommunen ihren wilden Müll entweder kostenlos auf einem der Entsorgungszentren des Landkreises, oder das Landratsamt stellt kostenlos einen Müllcontainer (1,1 Kubikmeter) zur Verfügung. In Bad Waldsee läuft das anders: „Diesem Müllaufkommen wird man mit 1,1 Kubikmeter-Behältern natürlich nicht mehr Herr, weshalb dort von uns eine sogenannte Absetzmulde – 20 Kubikmeter – bereitgestellt wird beziehungsweise von uns bei der Firma Bausch angemietet wurde“, teilt Hirth mit. Es handle sich um die kostengünstige Alternative. Dennoch sind im vergangenen Jahr für Miete, Leerung, Transport und Verbrennung rund 9100 Euro angefallen. Die Kosten trägt der Landkreis.

Das Problem der wilden Müllentsorgung hat FW-Stadtrat Florian Becker in der jüngsten Gemeinderatssitzung angesprochen und von der Stadtverwaltung kreative Lösungen des Problems gefordert. Becker fragte die Stadtspitzen, ob Müllsünder sanktioniert werden, oder wie das Problem vonseiten der Stadt angegangen wird. Dazu machte Bürgermeister Roland Weinschenk deutlich, dass die Bestrafung schwierig umzusetzen ist: „Das funktioniert in der Praxis nicht.“ Selbst wenn eine Adresse im Unrat ausfindig gemacht wird, bedeute das nicht automatisch, den Müllsünder überführt zu haben. „Für uns ist das auch ein Ärgernis“, räumte Weinschenk ein.

Hinweisschilder reichen scheinbar nicht

Becker bat eindringlich darum, sich Gedanken zum Thema zu machen und Lösungsansätze zu suchen. Fraktionskollege Franz Spehn fragte nach, ob Schilder an den bekannten Plätzen aufgestellt sind. „Da müssen wir etwas machen, das ist so schlimm“, verdeutlicht Spehn die Brisanz.

Wie das Stadtoberhaupt verdeutlichte, sind Hinweisschilder montiert. „Wir haben die Hinweise sogar in verschiedenen Sprachen angebracht“, so Weinschenk. Die einzige Maßnahme, die aus seiner Sicht erfolgversprechend sein könnte, ist es, die Containerplätze „einzuzäunen und mit Kameras zu überwachen“. Gleichwohl würde damit ein Schließdienst fällig. Eine Garantie, dass die Müllsünder ihren Abfall dann nicht einfach vor dem Zaun abladen, sei auch nicht gegeben. „Und Kameraüberwachung im öffentlichen Raum ist auch nicht ganz einfach“, zeigte Weinschenk auf, dass die Stadt sich bereits intensiv mit der wilden Müllentsorgung befasste.

Abfallbilanz 2016

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