Nichts ging mehr: Blitz schlägt in Stromleitung ein

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Stromausfall in Bad Waldsee.
Stromausfall in Bad Waldsee. (Foto: dpa)
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In Bad Waldsee ist am Mittwochmorgen der Strom ausgefallen. Es fehlte an Licht, die Bäckereien und Einkaufscenter waren dunkel und in den Häusern fielen sämtliche elektrische Geräte aus. Auch einzelne Ampeln waren davon betroffen. Die Feuerwehr und die EnBW-Techniker waren gefordert.

Wie Feuerwehrsprecher Marcel Huber berichtet, hat es am Morgen einen Blitzeinschlag in die Stromleitung am Gemeindeverbindungsweg zwischen Enzisreute und Kümmerazhofen gegeben. „Die Leitung wurde durchtrennt“, verdeutlicht Huber die Kraft der Naturgewalt. Die Einsatzstelle ausfindig zu machen stellte sich als schwierig dar. „Die Leitung hing direkt am Mast herunter, das hat man nicht gleich gesehen.“ Die Feuerwehrangehörigen sicherten die Stelle, bis die EnBW-Techniker vor Ort waren.

Nichts ging mehr gestern früh nach dem Stromausfall bei Rewe am Ballenmoos, weil die Registrierkassen ihren Dienst versagten.
Nichts ging mehr gestern früh nach dem Stromausfall bei Rewe am Ballenmoos, weil die Registrierkassen ihren Dienst versagten. (Foto: Sabine Ziegler)

Doch damit war die Einsatzzeit der Feuerwehr noch nicht beendet. Sogleich wurden sie in ein Mehrfamilienhaus in der Bahnhofstraße gerufen. „Dort ist aufgrund des Stromausfalls eine Person im Auzug stecken geblieben“, beschreibt Huber die Situation. Von der Alarmierung bis zur Befreiung vergingen rund zehn Minuten. Die betroffene Person blieb unverletzt.

Vom Stromausfall war auch das Feuerwehrhaus betroffen. Doch die Ehrenamtlichen wussten sich zu helfen und stellten die Notstromversorgung her, sodass die Betriebsfähigkeit zu keiner Zeit gefährdet war, versichert Huber.

Taschenrechner im Einsatz

Wie EnBW-Sprecher Ulrich Stark auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mitteilt, begann die Störung um 7.22 Uhr. Davon betroffen waren vor allem Bad Waldsee und Reute-Gaisbeuren. Gegen 8.30 Uhr hatten die meisten Haushalte und Betriebe wieder Strom. In Kümmerazhofen und Reute hingegen dauerte die stromlose Zeit etwas länger an.

Es gleicht immer einem Spuk, wenn der Strom weggeht. Dabei wollten die Leute am Mittwochmorgen gerade aufatmen, weil der heftige Regen die Trockenheit beendete und angenehmere Temperaturen in Aussicht stellte. Doch schon beim Brötchen holen bekam man die negative Seite eines Unwetters zu spüren: Die Bäckerei Gueter am Frauenberg lag vollständig im Dunkeln und nur mit Hilfe eines Taschenrechners und Wechselgeld aus der eigenen Börse konnte das Personal seine Kunden bedienen. Die Schiebetüre immerhin war offen, weil das Geschäft frühe Öffnungszeiten hat. „Wir machen aus der Not halt eine Tugend und hoffen darauf, dass bald wieder Strom da ist und sich die Kasse öffnet“, sagt die Verkäuferin und reicht die Tüte mit Kleinbrot über die Verkaufstheke.

Auf einmal ist es dunkel

Ein gespenstisches Bild bot sich um 8 Uhr auch auf den Parkplätzen des Einkaufszentrums am Ballenmoos: Bei Feneberg und Aldi, im Rewe-Getränkemarkt und in der Bäckerei Hamma blieb alles dunkel und die Schiebetüren waren geschlossen. Mitarbeiter schlüpften durch Seitentüren mit herkömmlichen Türklinken hinein, Kunden drehten in ihren Autos ratlos eine Schleife auf dem Gelände und traten unverrichteter Dinge ihren Heimweg an. Nichts war’s also mit Einkaufen zu früher Stunde bei moderaten Temperaturen wie erhofft.

Im Rewe-Markt gegenüber war die Kundschaft wie üblich schon ab 7 Uhr bedient worden. „Aber dann plötzlich ein Schlag und alles dunkel - so etwas hatten wir vor kurzem in Bad Wurzach auch“, berichtet die Verkäuferin der Bäckerei Schwarz im Rewe. Derweil bangt sie um ihre Teiglinge im Backofen, sollte der Strom lange ausbleiben. „Die kann ich dann wegwerfen...“, sagt sie um 7.45 Uhr an diesem Vormittag.

Kein Notstromaggregat

Weil auch die Registrierkassen bei Rewe ohne Strom ihren Dienst nicht mehr verrichteten, gab’s eine Zwangspause für die Kassiererinnen. „In diesem Fall räumen wir jetzt erst einmal Ware ein und wenden uns anderen Arbeiten zu in der Hoffnung, dass wir bald wieder kassieren können“, sagt der Marktleiter. „Aber ein Ausfall von mehreren Stunden wäre schon bedrohlich für unsere Tiefkühlware, weil wir kein Notstromaggregat haben“, räumt André Häckler ein.

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