Dorfladen-Mitarbeiterin Sandra Meschenmoser und Rosemarie Miller-Weber zerschnitten das rote Band gemeinsam.
Dorfladen-Mitarbeiterin Sandra Meschenmoser und Rosemarie Miller-Weber zerschnitten das rote Band gemeinsam. (Foto: Simone Schwägler)
Schwäbische Zeitung
Simone Schwägler

Seit zwei Wochen hat der Dorfladen in Michelwinnaden bereits geöffnet – im Testlauf sozusagen. Am Samstag wurde nun bei strahlendem Sonnenschein die offizielle Eröffnung im Burgsaal gefeiert.

Zur Szenerie: Die hölzernen Regale sind gefüllt mit rund 500 Lebensmittelposten, ebenso der große Kühlschrank und die Gefriertruhe. Die sieben Teilzeitverkäuferinnen loten noch die Mengenverhältnisse der Produkte aus. Das kleine Kaffee mit Sitzgelegenheit lädt zum Verweilen ein, es soll ein Ort der Kommunikation sein. Spätestens beim zweiten Einkauf werden die Kunden mit Namen angesprochen. Liebevoll dekoriert ist der Verkaufsraum mit alten Bildern, die zum Teil die zwei anderen Läden zeigen, die es in Michelwinnaden früher gab. Der neue terrakottafarbene Boden strahlt Gemütlichkeit und Wärme aus. Die Getränkekisten sind im Nebenraum gestapelt. Sogar Einkaufstaschen mit dem Logo „Unser Lädele“ wurden von Hand genäht. Bis jetzt kann unter der Woche von 6.30 Uhr bis 13 Uhr und von 16 bis 18 Uhr eingekauft werden – und Samstags bis 13 Uhr.

Was bislang im Testlauf geschah, wurde am Samstag offiziell besiegelt. Dazu spielte der Musikverein Concordia zur Begrüßung der annähernd 100 Gäste das Stück „Jubelklänge“. Frieder Skowronski, Ortsvorsteher und Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft „Dorfladen Michelwinnaden eG“, nahm das Stück bei seiner Begrüßungsrede auf: Die Eröffnung eines Dorfladens in Michelwinnaden sei wirklich ein Anlass zum Jubeln. Er beschrieb den Werdegang der Idee bis zur Durchführung und dankte allen für finanzielle und/oder tatkräftige Hilfe. Im Anschluss berichteten die verschiedenen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Nahversorgung“ von ihren Tätigkeiten und gaben den Gästen Einblick in die Verwaltung des Dorfladens.

Norbert Näher, der sich um die Finanzen des Ladens kümmert, berichtete von den vielen Nummern, die zu beschaffen notwendig gewesen seien, um so ein Geschäft zu eröffnen: man brauche eine Betriebsnummer, eine Gläubigernummer, eine Mitgliedsnummer bei der IHK, und noch viele mehr und – sehr wichtig – auch ein Nummernbankkonto. Joachim Gresser zählte den Anwesenden die Lieferanten auf und legte nochmals dar, dass sehr auf regionale Produkte geachtet wird. Martina Nunnenmacher, die sich um das Personalwesen kümmert, verglich den Laden mit einem Organismus, der nur leben könne, wenn alles zusammenarbeite und wenn er mit Seele erfüllt sei, wobei sie den zukünftigen Kunden, die Funktion der Seele zuspielte.

Rosemarie Miller-Weber, Vorstandsvorsitzende der Leutkircher Bank, gratulierte den Anwesenden, auch im Namen ihrer Kollegen, zur Eröffnung. Sie berichtete von der Selbstverständlichkeit dieses Projekt zu unterstützen, sei es mit der Überlassung der Räumlichkeiten oder in finanziellen Fragen. Und sicherte zur Freude aller auch weiterhin die Unterstützung zu. Auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Krebs beglückwünschte alle Einwohner Michelwinnadens zu „ihrem Lädele“. Sie setzt sich auf höherer Ebene für die Förderung von Einkaufsmöglichkeiten im ländlichen Raum ein. „Sehr schön, wenn man sieht, wie es auch funktionieren kann“, gratulierte sie der Arbeitsgruppe. Thomas Riedle und auch Edmund Gresser gaben Einblick in die handwerklichen Ausführungen, die alle ehrenamtlich, durchgeführt wurden.

Nach einem nicht enden wollenden Applaus der Gäste für das Tun der Arbeitsgemeinschaft, wurde von Autohändler Franz Schwägler der „Dorfladen-Dienstwagen“, ein kleiner Smart übergeben. Gedacht, um den weniger mobilen Bewohnern von Michelwinnaden die Lebensmittel und Getränke ins Haus zu liefern. Ein Jahr stellt er das beschilderte Auto dem Dorfladen zur Verfügung. Wer aus Michelwinnaden kurzfristig ein Auto brauche, könne es sich auch ausleihen, so Schwägler – aber nicht zum Einkaufen außerhalb, so seine Bedingung.

In der Folge wurde in einem feierlichen Akt das rote Band von der Mitarbeiterin Sandra Meschenmoser und Rosemarie Miller-Weber zerschnitten. Anschließende strömten die Gäste in den Laden und feierten das gelungene Projekt. 154 Genossenschaftsmitgliedern, die circa 250 Anteile halten, stellt das Lädele auf sichere Beine – sofern dort auch eingekauft wird. Dessen sind sich die Einwohner bewusst. Besonders die Kinder genießen den nie gekannten Luxus, sich ein Eis oder andere Süßigkeiten, zu holen. Die Taschengeldfrage muss jedoch in mach Michelwinnaderer Familien neu diskutiert werden.

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