Leitender Anästhesist verabschiedet

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 Daumen hoch auf den Ruhestand: Ruheständler Jochen Heinze (rechts) und Bürgermeister Roland Weinschenk, der demnächst in den Ru
Daumen hoch auf den Ruhestand: Ruheständler Jochen Heinze (rechts) und Bürgermeister Roland Weinschenk, der demnächst in den Ruhestand tritt. (Foto: Oberschwabenklinik)
Schwäbische Zeitung

24 Jahre lang hat Jochen Heinze als Leitender Arzt der Anästhesie zu den prägenden Persönlichkeiten des Krankenhauses Bad Waldsee gehört, heißt es in einer Pressemitteilung. Nun hat ihn die Oberschwabenklinik in den Ruhestand verabschiedet. Als einen „Mediziner durch und durch“, den Gewissenhaftigkeit und Verlässlichkeit auszeichnen, würdigte ihn OSK-Geschäftsführer Sebastian Wolf.

Rund 38 000 Narkosen sind am Krankenhaus Bad Waldsee unter der Verantwortung von Heinze durchgeführt worden, hat Friedemann Reiser errechnet. Er steht nun als Leitender Oberarzt an der Spitze der Abteilung, bis zum 1. Mai ein neuer Chefarzt die Arbeit aufnehmen wird. Dieser wird sowohl für das St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg als auch das Krankenhaus Bad Waldsee zuständig sein. Eine Lösung mit einem standortübergreifenden Chefarzt ist in der OSK nicht neu und bewähre sich seit Jahren in der Radiologie zwischen dem EK und dem Westallgäu-Klinikum in Wangen, sagte Wolf.

Reiser hob in seiner Laudatio auf seinen scheidenden Chef hervor, dass Heinze nicht nur für die Narkosen, sondern auch für die Intensivpatienten und viele Jahre lang auch für die Organisation des Notarztdienstes in Bad Waldsee zuständig gewesen ist. „Kompromisslos“ habe sich der sonst sehr auf Konsens bedachte Anästhesist gezeigt, wenn es um die Sicherheit der Patienten ging. Stabilität und Ruhe habe Heinze in den täglichen Betrieb gebracht. In der am Krankenhaus Bad Waldsee angesiedelten Gelenkklinik Oberschwaben unter Leitung von Andreas Suckel werden über 800 Patienten pro Jahr künstliche Gelenke eingesetzt. „Ohne eine absolut sichere und gut funktionierende Anästhesieabteilung wäre das nicht möglich“, sagt Reiser.

Heinze sei einer jener „Generalisten“ in seinem Fach, wie sie angesichts der zunehmenden Spezialisierung in der Ausbildung der Ärzte immer seltener werden, sagte OSK-Geschäftsführer Wolf. „Bei solchen Routiniers kann man sich als Patient sehr gut aufgehoben fühlen.“ Darüber hinaus sei Heinze ein Mediziner, der seinen Patienten nicht nur professionell und kompetent, sondern auch „auf Augenhöhe“ begegnet ist, betonte der Bad Waldseer Bürgermeister Roland Weinschenk. Auch das habe wesentlich zu dem guten Ruf beigetragen, den das Krankenhaus in der Öffentlichkeit genießt.

Die Zuwendung zum einzelnen Patienten ist Dr. Heinze immer ein Anliegen gewesen. „Die Patienten kommen zwar in erster Linie zum Chirurgen und nicht zum Anästhesisten“, meinte er in der seiner Abschiedsrede. Aber er habe sich immer bemüht, auch nach der Operation für die Patienten da zu sein und oft erlebt, wie dankbar die Menschen dafür gewesen sind. In Zeiten der Fallpauschalen, die ein „Primat der Ökonomie“ begründen würden, sei das zum Problem geworden. Die Ärzte sollten wieder die Zeit bekommen, um sich mit den kranken Menschen mehr befassen zu können, wünscht sich Heinze.

Er blickte zurück auf seine Anfangsjahre. Unter 52 Bewerbern für die Stelle in Bad Waldsee hatte er sich durchgesetzt. Die Geburtshilfe war gerade geschlossen, als er in Bad Waldsee anfing. Für einen Anbau im Süden waren die Aufträge bereits vergeben, doch dann wurden die Pläne kurzfristig wieder verworfen. 146 Betten hatte das Krankenhaus. Aus dem Kreiskrankenhaus wurde Anfang 1997 ein Haus der Oberschwabenklinik. „Viele Patienten blieben damals noch sechs Wochen bei uns“, erinnert sich Dr. Heinze. Die Zeiten haben sich gewandelt. Heute hat das Haus 85 Betten, die durchschnittliche Verweildauer liegt bei unter sechs Tagen.

„Erster unter Gleichen“ habe er als Vorgesetzter immer sein wollen, schloss Heinze. „Alles Gute“ wünschte er zum Abschied, sowohl für jeden einzelnen Beschäftigten als auch für das Krankenhaus „als Institution“.

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