Helmut Jäger las in der Stadtbücherei in Bad Waldsee.
Helmut Jäger las in der Stadtbücherei in Bad Waldsee. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Helmut Jäger hat einen Oberschwaben Krimi geschrieben. „Das Grab an der Schussen“ heißt sein Erstling, mit dem er am Freitagabend in der Waldseer Stadtbücherei zu Gast war. In einem sehr intimen Rahmen, mit nicht einmal einem Dutzend Besucher.

Es ist dunkel in der Bücherei. Eine Stehleuchte taucht das aufgeschlagene Buch vor Jäger in eine helle Pfütze, auf zwei leger zusammengeschobenen Tischen flackern Kerzen. Die wenigen Gäste trinken Rotwein aus Wassergläsern oder das Schussenrieder Pils aus der Flasche. „Das ist ein netter überschaubarer Kreis“, sagt Helmut Jäger. Er spricht ein paar Worte zu seiner Vita – gebürtiger Oberbayer, gelernter Buchhändler – und erzählt, wie er zum Krimiautor geworden ist: Durch einen Autorenwettbewerb, den die Schwäbische Zeitung einst auslobte, zu dem eine seiner Töchter ihn drängte und den er schließlich doch knapp verlor. Seinen Roman hat er trotzdem geschrieben und im August ist er nun im Emons Verlag erschienen.

„Ich mag Krimis. Und nun habe ich selbst einen geschrieben“, steht auf dem Instagram-Profil des 68-Jährigen. Was dort nicht steht: Die Geschichte, die Jäger in gut drei Monaten geschrieben hat, rankt sich um Carl Sopran, einen investigativen Journalisten, den sein unruhiges Leben und die Liebe nach Oberschwaben verschlagen haben. Nach Berg bei Ravensburg, um genau zu sein. Dorthin, wo Jäger bereits Anfang der 1990-er Jahre schon einmal wohnte und nun jüngst wieder hingezogen ist. Sonst gebe es keine autobiografischen Züge, betont Jäger während der Lesung. Dabei aber nimmt die mörderische Geschichte in Finnland ihren Lauf – in der Heimat seiner entzückenden Frau, die ihren Mann zur Lesung begleitet. Dann liest Jäger etwas mühsam erst („Vielleicht sollte ich doch noch Sprechunterricht nehmen“) und im Laufe des Abends immer flüssiger aus verschiedenen Kapiteln, springt gekonnt zwischen den Erzählsträngen des verschollenen, finnischen Großindustriellen, einem gesichtslosen Mörder und seinem Spürhund Carl Sopran.

Dessen Name ist übrigens eine Verneigung an den kauzigen Ermittler Carl Mørck aus der Feder von Jussi Adler-Olsen, dem dänischen Autor, der weltweit mehr als zehn Millionen Exemplare seiner Bücher unter die Leser gebracht hat und zu dessen Fans sich auch Jäger zählt. Dass sein Krimi in Oberschwaben spielt – im Altdorferwald, in Enzisreute aber auch in Konstanz und in Bad Waldsee – das ist alleine der ursprünglichen Idee beim lokalen Autorenwettbewerb geschuldet. Nun aber hat Jäger mehr als Gefallen gefunden, am Heimatkrimi. Der „hochspannende Prozess“ der Figurenentwicklung, das nächtliche Schreiben, das Recherchieren kann der Rentner nicht mehr lassen.

Aktuell ist er mit seinem Erstlings-Krimi auf kleiner Lesereise in Oberschwaben, aber Jäger hat bereits die Fährte aufgenommen, für einen zweiten Fall seines Journalisten. Dann wird ein Verbrechen seinen Carl Sopran wieder für ein paar Kapitel ins Ausland führen. In die Toscana. Soviel stehe schon fest, sagt Jäger. Auch, dass seine Hauptfigur dem Schussental treu bleiben wird. Und während Jäger in der Stadtbücherei noch über dynamische Schreibprozesse, über Recherchen im Sägewerk und den Segen einer professionellen Lektorin spricht, während dessen hat sich eine stille Besucherin das Buch gekauft – und beginnt noch am Tisch zu lesen.

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