Kirchengemeinde hofft auf Neubau für Kindergarten St. Paul

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Der Steinacher Kindergarten St. Paul liegt idyllisch am Schlosspark, aber er ist baulich veraltet und soll deshalb durch einen N
Der Steinacher Kindergarten St. Paul liegt idyllisch am Schlosspark, aber er ist baulich veraltet und soll deshalb durch einen Neubau an diesem Standort ersetzt werden. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Ginge es nach dem Willen der Kirchengemeinde St. Peter, würde der baulich veraltete Steinacher Kindergarten St. Paul möglichst bald durch einen Neubau ersetzt werden mit Platz für fünf Gruppen. Der Bedarf dafür ist nach Angaben von Pfarrer Thomas Bucher vorhanden, zumal in allen vier katholischen Kindertagesstätten Bad Waldsees Wartelisten geführt würden. Aufgrund der gemeinsamen Kindergartenfinanzierung hat hier jedoch die Kommune ein gewichtiges Wort mitzureden. Und deshalb wird es wohl keinen so raschen Baubeginn geben, wie dies der Kirchengemeinderat gerne hätte.

In dessen jüngster öffentlicher Sitzung waren sich die Räte laut Bucher darin einig, dass St. Paul möglichst 2020 abgerissen und neu aufgebaut werden sollte. Ein Teil der Gebäude stamme noch von 1964 und eine Sanierung mache wenig Sinn. Der Neubau sollte deutlich mehr Platz bieten und sich für moderne Pädagogik besser eignen als die Bestandsbauten. „Der dreigruppige Kindergarten ist zu klein geworden für den Stadtteil Steinach. Wir könnten uns deshalb vorstellen, dass dort künftig fünf statt drei Gruppen betreut werden, zumal wir dringend Plätze in der U3-Betreuung anbieten sollten“, weiß der Seelsorger.

Die Kirchengemeinde ist aber nicht nur Träger von St. Paul, sondern betreibt auch St. Martin in der Gartenstadt, Gut Betha auf dem Frauenberg und St. Michael in Mittelurbach. „Das ist eine ordentliche Anzahl für uns und bedeutet hohe Kosten, wenn die Gebäude wie jetzt in Steinach und später auch in Mittelurbach saniert oder sogar neu gebaut werden müssen. Deshalb können wir ein Neubauvorhaben finanziell nur gemeinsam mit der Stadt stemmen“, so Bucher.

Einer Studie zufolge müsse beim Neubau einer Kindertagesstätte mit einem Betrag von 700 000 bis eine Million Euro pro Gruppe gerechnet werden. Bucher weiß: „Da kommen dann schnell vier bis fünf Millionen Euro für das Neubauprojekt von St. Paul zusammen.“ Und eine Trägerschaft abzugeben, sei für die Kirche keine Option: „Wir sind stark bei der Kinderbetreuung und haben sehr kompetentes Personal“, weist der Seelsorger Gedankenspiele, wonach St. Paul theoretisch ja auch auf die Kommune übergehen könnte, wenn die Stadt schon eine hohe Geldsumme in den Neubau investiere, zurück.

Traditionell arbeiten Staat und Kirche im Kindergartenwesen eng zusammen. Es gibt Finanzierungsschlüssel, nach denen sich die Kommune an baulichen Investitionen beteiligt. Laut Bucher trägt die Mehrheit der Kosten in Höhe von 70 Prozent die Gemeinde und 30 Prozent – oder eher noch weniger – die Kirche. „Dafür bezahlt die Kirche das Kindergartenpersonal und holt sich nur den Abmangel von der Kommune“, erläutert der Pfarrer das Finanzierungsmodell.

Für das Bauprojekt in Steinach seien die ersten Gespräche mit den Verantwortlichen im Rathaus bereits geführt worden. Die vom Kirchengemeinderat vorgeschlagene Aufstockung um bis zu zwei U3-Gruppen mit je zehn Kleinkindern in St. Paul ist für die Kommune „nur eine von mehreren Möglichkeiten, der nach wie vor großen Nachfrage nach Plätzen zu begegnen“, weiß auch Bucher.

Trotzdem hofft er darauf, dass Kirchengemeinde und Kommune möglichst bald eine „gute Lösung“ finden. „Wir als Kirche möchten in Steinach präsent bleiben und dort wohnortnah eine gute Kinderbetreuung anbieten – auch für die Kleinsten, wie das heute von den Eltern vielfach gefordert wird“, betont Bucher. Während der Bauarbeiten müssten sich Kinder und Personal eben mit einer Zwischenlösung arrangieren. „Wir würden sie im Gemeindehaus aufnehmen, das hat auch mit der Eugen-Bolz-Schule immer gut geklappt und die Lage am See ist ja auch ganz nett.“

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