Katholiken fordern in Reute die Priesterweihe für Frauen

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 In Reute zeigen Alternativen zur klerikalen Männerkirche auf (von links): Nadine Maier, Sarah Meyer-Hübner, Weihbischof Karrer,
In Reute zeigen Alternativen zur klerikalen Männerkirche auf (von links): Nadine Maier, Sarah Meyer-Hübner, Weihbischof Karrer, Margret Kehle. Birgit Mock, Sr. Maria Hanna. (Foto: Rudi Heilig)
Rudi Heilig

Rund 150 Katholiken haben am Montagabend im Kloster Reute ein Zeichen für die Weihe der Frauen in der katholischen Kirche gesetzt. Zu dieser Veranstaltung hatte der Diözesanrat und der Katholische Deutsche Frauenbund Rottenburg-Stuttgart (KDFB) eingeladen.

Pfarrer Stefan Werner begrüßte die Besucher in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul. Einleitende Lieder wurden von Dietlind Zigelli, Stefan Werner (Oboe) sowie Schwester Franziska Bachmann (E-Piano) begleitet. Bei kaltem Abendwind begann anschließend ein Gebetsweg auf dem Klostergelände. Dabei legten Frauen an fünf Stellen „Steine des Anstoßes“ ab. Sie benannten deutlich den Stillstand der Amtskirche in dieser Frage, klerikale Strukturen, den Missbrauchsskandal und eine „Diskrepanz zwischen Lebenswirklichkeit und Kirchenlehre“.

Nach einem kurzen Stehimbiss in der Pilgerstätte des Klosters folgte im Festsaal eine Talkrunde mit dem Thema: „Macht Kirche zukunftsfähig“. Die Journalistin Sarah Meyer-Hübner des SWR moderierte den Talk. Neben Weihbischof Matthäus Karrer nahmen Magret Kehle, Diözesanrätin; Nadine Maier‚ Diözesanjugendseelsorgerin und Birgit Mock, Bundesvizepräsidentin des KDFB auf dem Podium Platz. Gleich zum Auftakt wurde Nadine Maier mit der Frage der Moderatorin: „Trauen sie sich das Amt einer Priesterin/Diakonin zu?“ konfrontiert. Nach kurzem Überlegen kam dann von ihr ein klares Ja zur Diakonin. Die Jugendseelsorgerin problematisierte: „In den Jugendverbänden erleben die Kinder und Jugendlichen demokratische Mitbestimmung und paritätisch besetzte Leitungsteams. Wenn sie erwachsen werden und in der Kirche bleiben, ist nichts mehr davon da. Das kann ich meiner 20-jährigen Tochter nicht mehr begründen“.

Weihbischof Matthäus Karrer gab unumwunden zu, dass sich hinter der Frauenfrage auch eine Machtfrage verberge. „Einige Bischöfe denken immer noch naturrechtlich und lehnen die Zulassung von Frauen zu den Ämtern ab. Andere argumentieren historisch und akzeptieren ein Diakonat der Frau, sofern es geschichtlich nachweisbar ist. Ich gehöre zu den pastoraltheologisch orientierten Bischöfen, die vertreten, dass Theologie sich fortlaufend in der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen und Entwicklungen beweisen muss. Aus theologischer Sicht ist es möglich, dass das Diakonat der Frau sehr zügig angegangen werde“. Insgesamt macht Karrer einen positiven Trend bei den Bischöfen aus: „Papst Franziskus tut uns gut, er hat eine neue Kultur in die Bischofskonferenz gebracht“.

Diözesanrätin redet Tacheles

Die Vizepräsidentin des KDFB, Birgit Mock, begrüßte die von den Bischöfen im März verabschiedete Quote von einem Drittel Frauen in kirchlichen Führungspositionen. Sie ist sicher, dass sich somit das Bild der Kirche positiv verändern lässt. Diözesanrätin Margret Kehle aus dem Dekanat Allgäu-Oberschwaben scheute sich nicht, Tacheles zu reden. „Es sind genug gute Worte gesprochen, besänftigen geht nicht mehr, jetzt muss gehandelt werden“. Frauen können in der Bibel, aber auch unter ihren Müttern und Großmüttern, welche das Frauenwahlrecht erstritten haben, Vorbilder finden. „Warum sollten wir uns nicht auch mutig hinstellen und für unsere Kirche kämpfen“, ermutigte Kehle.

Applaus erhielt die Generaloberin Schwester Maria Hanna Löhlein für ihre provokante Frage: „Wenn Jesus Frauen um sich gesammelt hat, wenn er Maria von Magdala zur ersten Osterzeugin macht, wenn Gott sich von einer Frau als Mensch zur Welt bringen lässt - wie können wir da noch argumentieren, dass Frauen nicht in Ämter kommen können“. Die größte Spaltung in der Kirche verlaufe derzeit nicht zwischen unterschiedlichen Denkrichtungen, sondern zwischen Kirchenvolk und Klerus: „Ich sehe immer mehr Menschen, die es nicht verstehen, was unsere Amtskirche tut oder nicht tut“. Die Bischöfe müssten Schritte gehen „in eine Richtung, die den Menschen Hoffnung gibt“, so die Generaloberin, „nur zuhören reicht nicht mehr“. Sie erklärte auch, dass bei den Franziskanerinnen Leitungsämter auf begrenzte Zeit gewählt seien. Die Führungskräfte würden fortlaufend kritisch hinterfragt und legten am Ende der Amtszeit Rechenschaft ab. Dies beinhalte eine „Riesenchance“ und ein gutes Vorbild, wie in der Kirche die Getauften gemeinsam Verantwortung tragen könnten.

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