„Jedes einzelne Kind ist alle Anstrengungen wert“

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 Kinderärztin Irina André-Lang beim Vortrag im Gymnasium.
Kinderärztin Irina André-Lang beim Vortrag im Gymnasium. (Foto: Bettina Schwarz)
Schwäbische Zeitung

Die Kinderärztin Irina André-Lang ist wie jedes Jahr nach Bad Waldsee gekommen, um über ihre Arbeit in Lesotho zu berichten, wo sie mit dem Verein „Yes we care“ Entwicklungshilfe in Pitseng leistet. Das Gymnasium sammelte bei verschiedenen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren Spenden für die Highschool in Pitseng und André-Lang erklärte, wie diese Spenden dort eingesetzt werden, teilt die Schule mit.

Ihr Vortrag begann mit allgemeinen Informationen über Lesotho, einem Binnenstaat in Südafrika, der zu großen Teilen auf 3000 Meter Höhe liegt. Dort leben rund zwei Millionen Menschen, die meisten im etwas flacheren Westen, viele aber auch in den abgelegenen Bergdörfern im mittleren und östlichen Teil des Landes. Etwa die Hälfte der Landesbevölkerung ist unter 18 Jahre alt. Lesotho ist in etwa so groß wie Belgien und ein wenig entwickeltes Land mit hoher Arbeitslosigkeit und schlechter Infrastruktur, einige Diamantenminen bieten Beschäftigung.

Ein gravierendes Problem ist laut der Kinderärztin die mangelhafte Gesundheitsversorgung. Für das ganze Land gebe es lediglich eine Kinderärztin und insgesamt nur 89 Ärzte, die sich nahezu alle um die Hauptstadt niedergelassen hätten. Erkrankte Menschen außerhalb der größeren Städte würden deshalb zuerst einen Geistheiler aufsuchen, der sie kurieren soll. Die größten Probleme Lesothos sind nach Angaben André-Langs die Krankheiten Aids und Tuberkulose, die für sehr hohe Sterberaten in den Generationen der 30- bis 50-Jährigen verantwortlich seien. Zurück blieben Waisenkinder, die auf sich alleine gestellt kaum Chancen auf ein vernünftiges Leben oder ein Überleben hätten. So verhungern auch im Jahr 2018 noch 13 Prozent der unter fünfjährigen Kinder. In den Jahren 2016 und 2017 wurde die Lebenssituation in Lesotho zusätzlich durch eine große Dürre verschärft.

Diese Dürre hatte auch Auswirkungen auf das Leben der Schüler in der Pitseng Highschool, die von den Waldseer Gymnasiasten unterstützt wird, sagte André-Lang. In den Jahren vor der Dürre hätten zur besseren Nahrungsmittelversorgung der Kinder und Jugendlichen Hühner, Milchkühe und Schweine durch die Spendengelder aus Bad Waldsee und weiterer Spender angeschafft werden können, was die einseitige Nahrung aus Maisbrei und Kohlsuppe deutlich aufgewertet habe. Durch die Dürre hätte aber kein Futter für die Tiere mehr bereitgestellt werden können, die Tiere hätten notgeschlachtet geschlachtet werden müssen, bevor sie verhungerten. Die Schüler hätten aber noch ausreichend mit Nahrung versorgt werden können. Mittlerweile falle wieder ausreichend Niederschläge, neue Tiere seien gekauft worden.

Irina André-Lang zeigte auch Bilder der Jungs in Pitseng, die nun im neu gebauten Jungen-Internat leben, das durch die Spenden aus dem Charity-Lauf des Gymnasiums von 2016 ermöglicht wurde. Die Jungen hätten sich vorher zu zweit ein Bett in einem baufälligen Gebäude ohne Beleuchtung und Sanitäranlagen teilen müssen. Lachende Kinder, die sich über ein eigenes Bett, einen Waschraum, Schlafsäle, Aufenthaltsraum und Studierzimmer freuen, seien der Lohn für den Einsatz der Schüler des Gymnasiums. Auch zu den beiden Patenkindern des Gymnasiums, Khotsofalang, ein 17-jähriger Junge, der in einem Jahr sein Abitur schreiben wird, und Pakiso, ein 16-jähriges Mädchen, brachte André-Lang Neuigkeiten mit.

Das Waldseer Gymnasium übernimmt nach eigenen Angaben seit einigen Jahren jeweils für zwei Schüler der Pitseng-Highschool eine Patenschaft, davon werden die Schulgelder und weitere Dinge wie die Schuluniform bezahlt. Die Highschool koste in Lesotho Geld, weswegen sich weniger als die Hälfte der Kinder noch einen Schulbesuch nach der siebenjährigen Grundschule leisten könne.

Die Gymnasiasten der siebten und achten Klassen sowie die Kursstufenschüler waren in diesem Jahr die Zuhörer. Der beeindruckende und berührende Vortrag von Irina André-Lang sei mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden, heißt es. Ihre Arbeit und ihr Engagement würden aufzeigen, wie wir unmittelbar helfen könnten, das Leben einiger hundert Kinder wesentlich zu verbessern. Das sei mehr als nur der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“, jedes einzelne Kind sei alle Anstrengungen wert.

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