In der Stadtbücherei gibt es einen Generationswechsel

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 Büchereileiter Karl Birkle (links) tritt Ende 2018 seinen Ruhestand an und wird zuvor den jungen Kollegen Jan Scheurer einarbe
Büchereileiter Karl Birkle (links) tritt Ende 2018 seinen Ruhestand an und wird zuvor den jungen Kollegen Jan Scheurer einarbeiten, der für Brigitte Scheller nachgerückt ist. (Foto: Sabine Ziegler)
Foto: Sabine Ziegler

In der Stadtbücherei gelten seit Mai folgende Öffnungszeiten: Montag geschlossen; Dienstag, 9 bis 18 Uhr; Mittwoch/Donnerstag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr; Freitag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 19 Uhr; Samstag, 10 bis 13 Uhr.Der neueste Service betrifft die Rückgabe/Verlängerung ausgeliehener Medien: Nutzer, die ihre Mailadresse hinterlegen, werden per Mail an das Ende der Leihfrist erinnert – und zwar rechtzeitig einige Tage zuvor.

In der Stadtbücherei kündigt sich zum Jahresende ein Generationswechsel an: Nach mehr als 30 Jahren an der Spitze der kommunalen Einrichtung wird Karl Birkle (62) seinen Ruhestand antreten. Seine langjährige Stellvertreterin Brigitte Scheller (62) ist Ende September verabschiedet worden. Für sie rückte der Rheinländer Jan Scheurer nach, der gerade seinen Bachelor in Bibliothekswissenschaften an der Technischen Hochschule (TH) Köln gemacht hat. Der 26-Jährige freut sich auf seine neue Aufgabe in einer kleineren, kommunalen Bücherei.

Wenn „Bücherei-Urgestein“ Birkle ab Januar seinen Ruhestand genießen und auf Reisen gehen wird, dann müssen seine Kollegen eine große Lücke schließen. „Auf Karl Birkle und seine Buchempfehlungen war immer Verlass, da bin ich noch nie reingefallen“, freut sich Ulrike Weissenhorn aus Reute, die für einen Kurzurlaub einen Stapel neu erschienener Bücher ausleihen möchte und sich dafür Literatur-Tipps einholt beim „Chef“. Solche guten Erfahrungen haben in den 33 Jahren seit Eröffnung der Bücherei viele Stammkunden gemacht. Und das ist einer der Gründe dafür, warum dieses Haus auch in Zeiten eines völlig veränderten Medienverhaltens gut besucht ist.

Laut Birkle summieren sich die Entleihungen aus dem gut 30 000 Medien (1986: 15 000 Medien) umfassenden Bestand auf insgesamt 120 000 im Jahr. „Grob gerechnet dürften wir jährlich mehr als 100 000 Besucher hier haben: sei’s zum Ausleihen, oder zum Zeitunglesen und Kaffeetrinken oder weil sie Kopien machen oder faxen möchten, was sonst kaum noch jemand anbietet in öffentlichen Räumen“, fasst Birkle diesen Service zusammen. „Ich komme auf meinen Radtouren von Weingarten her gerne in diese Bücherei, weil ich weder Fernsehen noch Internet habe und dann eben hier meine Seiten aufrufen kann“, berichtet Karl Heinz Sattler und weist auf ein weiteres Angebot hin: den Internetzugang.

Waren es vor drei Jahrzehnten Bücher, Kassetten und Spiele, für die sich Kinder und Erwachsene interessierten, sind nach und nach mit CDs, DVDs und Hörbüchern weitere moderne Medien hinzugekommen, auf die nicht nur die (Kur-)Gäste der Bäderstadt gerne zurückgreifen. „Bücher sind schon noch gefragt, aber man merkt, dass seltener ein Kochbuch ausgeliehen wird, weil sich Hobbyköche ihre Rezepte bei Chefkoch.de holen. Und nach ihren Reisezielen schauen sie auch im Internet, da braucht es nicht mehr unbedingt den gedruckten Reiseführer“, beschreibt Birkle das veränderte Medienverhalten.

Neuerungen gegenüber habe sich sein Team aber nie verschlossen. Und so gehören „Fernleihe“, „Onleihe“ oder „eLearning“ zum Portfolio des Hauses, das zudem eine Mediothek in der Schulmensa unterhält. „Wir haben immer versucht, mit der Zeit zu gehen, haben aber auch unser Standardprogramm nie vernachlässigt“, bringt der Bibliothekar die Strategie des siebenköpfigen Teams auf den Punkt. So können Gäste des Foyer-Cafés, das am Freitag neu möbliert wird, aus einem großen Angebot an regionalen wie überregionalen Tageszeitungen auswählen und 60 verschiedene Magazine durchblättern. Birkle: „Dazu wird fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt. Die Bücherei ist eben ein angenehmer Treffpunkt im Zentrum der Altstadt ohne Konsum-Verpflichtung – und das schätzen die Leute.“

Selbstredend, dass auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden – vom Kindertheater über Kabarett bis hin zu Autorenlesungen wird ein breites Spektrum abgedeckt in historischen Räumen, die auch 33 Jahre nach ihrer Sanierung ansprechend sind. „Auch zwischendurch hat die Stadt das historische Gebäude modernisiert und die Besucher haben darauf sehr positiv reagiert“, freut sich Birkle, der von 2001 bis 2015 zudem der örtlichen Volkshochschule vorstand und dort ein besuchernahes Programm auf die Beine gestellt hat.

Diese Aufgabe hat der siebenfache Vater schon vor einigen Jahren abgegeben. Und seine Tätigkeit in der Stadtbücherei wird er nun Ende 2018 altersbedingt beenden. Bis dahin bleibt aber genügend Zeit, den jungen Kollegen Scheurer einzuarbeiten. Der Bibliothekswissenschaftler war parallel zu seinem Studium als Aushilfskraft beschäftigt in der Fachstelle für Jugendmedienkultur Nordrhein-Westfalen; und hier besonders im Projekt „Spieleratgeber“ tätig. Dazu kam die Mitarbeit in medienpädagogischen Projekten wie Veranstaltungs- und Technikbetreuung sowie redaktionelle Arbeit. Das Thema seiner Bachelorarbeit lautet: „Stand der ,Virtual Reality’ und Benutzungskonzepte in Bibliotheken.“

In der Stadtbücherei gelten seit Mai folgende Öffnungszeiten: Montag geschlossen; Dienstag, 9 bis 18 Uhr; Mittwoch/Donnerstag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr; Freitag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 19 Uhr; Samstag, 10 bis 13 Uhr.Der neueste Service betrifft die Rückgabe/Verlängerung ausgeliehener Medien: Nutzer, die ihre Mailadresse hinterlegen, werden per Mail an das Ende der Leihfrist erinnert – und zwar rechtzeitig einige Tage zuvor.

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