Auch Hunde in Gefahr: Immer mehr Füchse in der Region sterben an Staupe

 13 tote Füchse sind allein in der Gemeinde Amtzell in den vergangenen Wochen gefunden worden. Sie alle waren vom Staupevirus be
13 tote Füchse sind allein in der Gemeinde Amtzell in den vergangenen Wochen gefunden worden. Sie alle waren vom Staupevirus befallen. (Foto: dpa/Patrick Pleul)
Redakteurin

Es ist eine unsichtbare, aber dennoch potenziell tödliche Gefahr: Immer mehr Füchse in der Region fallen dem Staupevirus zum Opfer.

Ein Anstieg der Staupefälle ist für den gesamten Regierungsbezirk zu verzeichnen,

teilt Thomas Miller, Leiter des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamts Aulendorf – Diagnostikzentrum (STUA), auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mit. Für den Menschen und Katzen ist das Virus ungefährlich. Anders sieht es beim „besten Freund des Menschen“ aus, dem Hund.

So gefährlich ist die Krankheit

Wie Füchse können auch Hunde sich mit dem Staupevirus infizieren und schwer daran erkranken. „Bei der Staupe handelt es sich um eine bei Tieren meist tödlich verlaufende Allgemeinerkrankung, die sich vornehmlich in Abmagerung, Husten, Durchfall, Verhaltensauffälligkeiten und fehlender Fluchtreaktion zeigt. Auch Krämpfe oder Bewegungsstörungen und Hautveränderungen werden zum Teil beobachtet“, beschreibt das Veterinär- und Verbraucherschutzamt Ravensburg die Erkrankung. „Tiere, die eine Staupeinfektion überleben, weisen bleibende Spätschäden, wie zum Beispiel Lähmungen, auf.“

„Es sind relativ viele tote Füchse“

Eine genaue Zahl, wie viele Füchse in den vergangenen Wochen an Staupe gestorben sind, kann Robert Gayer, Leiter des Veterinär- und Verbraucherschutzamts, nicht nennen. Aber: „Es sind relativ viele tote Füchse“, so Gayer. Allein im Gebiet der Gemeinde Amtzell sind in den vergangenen Wochen insgesamt 13 Füchse tot aufgefunden worden, berichtet die Gemeinde. „Die Untersuchungen beim Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf ergaben nun, dass alle 13 verendeten Füchse mit dem hochansteckenden Staupevirus befallen waren“, so die Amtzeller Gemeindeverwaltung.

Tote Füchse werden in Aulendorf untersucht

Am STUA werden laut Miller tot aufgefundene oder krank erlegte Füchse nicht nur aus dem Kreis Ravensburg, sondern dem ganzen Regierungsbezirk Tübingen untersucht. Die aktuelle Entwicklung der Staupeerkrankungen unter Füchsen bezeichnet der STUA-Leiter als „Welle“. „Staupe ist eine Virusinfektion, die in Wellen verläuft. Diese Wellenbewegungen sind typisch für die Staupeinfektion in der Wildpopulation“, erläutert Miller. Wenn sie einen toten Fuchs aufgefunden haben, können Jäger ihn vom STUA untersuchen lassen, müssen es aber nicht. „Staupe ist keine anzeigepflichtige Seuche“, sagt Gayer.

Übertragen wird das hochansteckende Virus laut Veterinäramt durch direkten Tierkontakt beim Spaziergang oder durch Tröpfcheninfektion. „Nicht zu vernachlässigen ist die indirekte Virusübertragung durch Füchse und andere empfängliche Wildtiere, die sich in der Nähe von Siedlungen aufhalten“, warnt das Veterinäramt. Aber auch Hunde, die sich nicht im Wald aufhalten, sind gefährdet, und zwar durch den Kontakt mit anderen Hunden. „Staupe ist von Hund zu Hund übertragbar“, sagt Gayer.

Wie Hundehalter ihre Tiere schützen können

Wie können Hundebesitzer ihre Lieblinge schützen? „Der einzige Weg, wie man seinen Hund vor einer Staupeinfektion schützen kann, ist die Impfung“, stellt Gayer klar. Zwar sei die Krankheit nicht auf den Menschen übertragbar, führt Miller aus. „Ungeimpfte Hunde können sich jedoch jederzeit über erregerhaltiges Material in der Umwelt mit dem Staupevirus infizieren. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission für Veterinärmedizin die Impfung. Die Staupe-Impfung gehört zu den sogenannten Core-Impfungen.“ Damit sind Impfungen gegen Erkrankungen gemeint, gegen die jedes Tier zu jeder Zeit geschützt sein sollte. „Die Impfung wird sehr gut vertragen und ist hochwirksam“, sagt Miller.

Appell des Veterinäramts

Aufgrund der Erkrankungswelle appelliert das Veterinäramt an alle Hundehalter, „den Impfschutz ihrer Tiere zu überprüfen und sie nötigenfalls beim Tierarzt impfen zu lassen“. Einen wirksamen Schutz vor der Staupe würden Hundehalter nur durch vorbeugende Impfungen erreichen, und zwar „möglichst schon im Jungtieralter und durch regelmäßige Nachimpfungen.“

Was tun, wenn man einen toten Fuchs findet?

An Staupe können neben Füchsen auch andere fleischfressende Wildtiere wie Marder, Dachse und Waschbären erkranken. Die Krankheit ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. „Es gibt verschiedene Verlaufsformen“, erläutert Gayer. Die Krankheit könne auch dazu führen, dass sich Tiere anders verhalten. Für den Fall, dass Spaziergänger einen toten Fuchs finden oder einen kranken beobachten, rät der Veterinäramtsleiter dazu, das der Jägerin oder dem Jäger zu melden, der für das jeweilige Revier zuständig ist. „Der Jäger oder die Jägerin kann das Tier dann erlegen, wenn es krank ist, und das tote Tier unschädlich beseitigen.“ Laut Gayer gibt es mehrere Fuchssammelstellen im Kreis, wo Jäger tote Füchse abgeben können.

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Persönliche Vorschläge für Sie