Hymer-Museum: SZ-Leser in geheimer Mission

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Viele Eindrücke, viele Fragen: Wolfgang Flucht (links) und sein Sohn Joachim (rechts) tauschen sich mit Susanne Hinzen, Geschäft
Viele Eindrücke, viele Fragen: Wolfgang Flucht (links) und sein Sohn Joachim (rechts) tauschen sich mit Susanne Hinzen, Geschäft (Foto: Kara Ballarin)
Kara Ballarin

Noch eine Woche, dann öffnet das Erwin-Hymer-Museum für die Öffentlichkeit. Schon jetzt sehen alle, die auf der B 30 an der transparenten Gebäudefront vorbeifahren, einiges von dem, was sich im Inneren verbirgt. Darüber aber, wie die Ausstellung genau konzipiert ist, herrscht von Seiten der Erwin-Hymer-Stiftung als Trägerin des Museums Stillschweigen.

20 Gewinner der SZ-Verlosung hatten am Freitag das Privileg, sich vorab die Ausstellung anzusehen – die Presse aber musste draußen bleiben. Ein Testlauf, der den Museumsmachern durchaus nützlich ist. Jeder Besucher bekam nach der Besichtigung einen mehrseitigen Fragebogen. Anhand der Antworten können noch „Anpassungen“ vorgenommen werden, sagt Susanne Hinzen, Geschäftsführerin der Stiftung. Die SZ-Leser hat sie vor dem anschließenden Treffen mit der Schwäbischen Zeitung im neuen Museumsrestaurant Caravano instruiert: Keine Details an die Presse!

Gliederung nach Reisezielen

Wolfgang Flucht aus Oberhofen und sein Sohn Joachim aus Horgenzell zeigen sich beeindruckt von dem, was sie gerade gesehen haben – von der Raumhöhe, von den Exponaten, die locker verteilt seien – und verraten doch einiges. „Ich hatte eine Präsentation von Wohnwagen erwartet“, sagt Wolfgang Flucht, „und so fand ich die Darstellung der Reisegebiete sehr interessant.“ Den Fluchts zufolge ist die Ausstellung gegliedert nach Reisezielen – Marokko, die Wüste, natürlich Italien, das die frühen Wohnwagen-Pioniere über die Alpen lockte. Die einzelnen Reisegebiete sind mit „atmosphärischen Details“ ausgestattet, berichtet Irmgard Wirtensohn-Baader aus Bad Waldsee: Eine Kaffeekanne als Symbol für Marokko, eine Mütze steht für Skandinavien. „Pssssst“, sagt Susanne Hinzen dann. „Wir wollen doch nicht zu viel verraten.“

Die historischen Wohnwagen seien stets eingebunden in ihren zeitlichen Kontext – aufgewertet mit vielen Details, etwa auch mit den passenden Autos als „Zugmaschine“ aus der jeweiligen Zeit. „Zwei solcher Autos bin ich selbst früher gefahren: den alten VW und den Opel Rekord“, sagt Wolfgang Flucht, bevor Susanne Hinzen „Psssst“ sagen kann.

Hochwertige Materialien, aufwendige Installationen – „hier ist auf Schwäbisch gut Kohle vergraben worden“, sagt Joachim Flucht. Susanne Hinzen lächelt nur, Zahlen verrät sie erst kommende Woche. „Wen wollen Sie mit der Ausstellung ansprechen“, fragt Joachim Flucht, denn nach dem Museumsbesuch kämen automatisch Fragen zu Hymer auf. „Geht es nur darum, die Geschichte des Reisens zu zeigen, oder ist das auch eine unterschwellige Werbestrategie, dass man danach zu Hymer rübergeht und sich ein Wohnmobil kauft?“ Susanne Hinzen verneint. „Wir sind kein Unternehmensmuseum, sondern eine Stiftung.“ Es gehe darum, mit der Ausstellung alle Menschen anzusprechen – auch die, die noch nie mit dem Wohnwagen unterwegs waren.

Von Anfängen und Kühlschränken

Die Ausstellung widmet sich auch den Anfängen der Wohnmobil-Firmen. „Interessant, wie die entstanden sind, etwa Hymer und Dethleffs“, sagt Wolfgang Flucht und zieht eine Parallele zur Garage, in der der kürzlich verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs begonnen hat. Und sein Sohn Joachim erzählt davon, wie die Museumsmacher die wichtige Rolle des Kühlschrank im mobilen Reisen aufgegriffen haben.

Die Ausstellungsstücke seien begehbar, erzählen die Fluchts. Allein die Möglichkeit, in die verschiedenen Wohnmobile reinzuklettern, mache den Besuch auch für Kinder interessant, sagt der zweifache Vater Joachim Flucht. Vieles sei zudem medial aufbereitet und für unterschiedliche Altersstufen interessant.

Die Fluchts reisen häufig mobil und sagen: „Es ist kein Wunder, dass uns die Ausstellung interessiert.“ Doch auch Irmgard Wirtensohn-Baader, die nach eigener Aussage überhaupt keine Camperin ist und auch nach dem Ausstellungsbesuch keine werden wird, spricht von einem „gelungenen stimmigen Gesamtkonzept“. Sie hatte sich die Ausstellung viel technischer vorgestellt. „Nur die drei Entwicklungsstationen Pioniere, Teile und Konstruktion sind mir ein bisschen zu eng aufeinander“, sagt sie zu Susanne Hinzen. Was Irmgard Wirtensohn-Baader damit meint? „Psssst“, sagt Hinzen. (sz)

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