Hitze erhöht die Gefahr für Badeunfälle

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Für Nichtschwimmer sind die Schwimmerbecken im Freibad und auch der Stadtsee außerhalb des abgegrenzten Bereiches tabu, um Bade
Für Nichtschwimmer sind die Schwimmerbecken im Freibad und auch der Stadtsee außerhalb des abgegrenzten Bereiches tabu, um Badeunfälle zu vermeiden. (Foto: Sabine Ziegler)
Freie Redakteurin

Der DLRG-Stützpunkt Bad Waldsee gibt folgende Tipps für das Schwimmen im Stadtsee:

Möglichst nicht alleine weit hinaus schwimmen.

Bei sehr hohen Temperaturen mit dem erhitzten Körper langsam ins Wasser eintauchen und nicht hineinspringen, weil die unteren Schichten im See noch immer kühl sind und für Kreislaufprobleme sorgen können.

Wer draußen auf dem See einen Krampf in den Beinen hat, sollte ruhig bleiben und sich in Rückenlage langsam Richtung Ufer bewegen bzw. um Hilfe rufen.

Unsichere Schwimmer sollten in Ufernähe bleiben und ein kleines Luftkissen oder Schwimmbrett mitführen, damit sie sich im Notfall daran festhalten und Handzeichen geben können.

Kleinkinder und Nichtschwimmer sollten vom Steg fernbleiben und sich nur im gekennzeichneten Nichtschwimmer-Bereich in Ufernähe aufhalten

Aufeinander achten im Wasser und gegebenenfalls helfend unterstützen beziehungsweise das Aufsichtspersonal informieren. (saz)

Die ungewohnte Hitze macht allen zu schaffen. Wohl dem, der diese „Hundstage“ am Stadtsee verbringen kann, wo es im Wasser gut auszuhalten ist. Wer von der Sonne erhitzt im kühlen Nass nach Abkühlung lechzt, sollte allerdings einige Tipps beherzigen, die das örtliche DLRG bereithält. Und Nichtschwimmer, von denen es auch in der Bäderstadt immer mehr gibt, sollten sich vorsehen, damit es nicht zu Badeunfällen kommt.

Dieser Super-Sommer hat auch viele Schattenseiten. Denn beim Baden in Seen oder Flüssen kommen immer wieder Menschen ums Leben. Gründe für solche Unfälle sind unsicheres Schwimmen oder der Umstand, dass sich Nichtschwimmer im Übermut in tiefes Gewässer wagen. „Das ist erschreckend, und wir vom DLRG verfolgen das aufmerksam. Wir können nur an die Eltern appellieren, ihre Kleinkinder oder Grundschüler am Stadtsee gut im Auge zu behalten“, sagt Robert Rothmund. Er ist Leiter des DLRG-Stützpunkts Bad Waldsee, der zur Ortsgruppe Baienfurt gehört.

„Eltern delegieren die Verantwortung gerne"

Derzeit könne das örtliche DLRG aufgrund von Personalmangel zwar keine Aufsichten am Freibad-Ufer führen. „Aber über das Stadtfest waren wir da, und aus der Erfahrung der letzten Jahre weiß ich, dass Eltern die Verantwortung für ihre Kinder gerne delegieren an das Aufsichtspersonal und es am See dadurch zu gefährlichen Situationen kommen kann“, berichtet Rothmund. Immer wieder müsse man Kinder aus dem See zurückholen, weil sie – vermeintlich geschützt durch Schwimmflügel – zu weit hinauspaddelten. „Wer nicht schwimmen kann, muss aber zwingend in Ufernähe bleiben und sollte von den Eltern nicht aus den Augen gelassen werden“, mahnt der DLRG-Helfer an die elterliche Aufsichtspflicht, die sich auch auf die beheizten Becken erstrecke.

Hans-Peter Moser vom Freibad bestätigt die Eindrücke des DLRG-Leiters. Er ist froh, dass er bei diesen Mittelmeer-Temperaturen über volle Personalstärke verfügt und alle Aufsichten auf dem großen Strandbadgelände und am See stellen kann. „Wir haben jetzt täglich 3500 bis 4000 Besucher hier, und es ist tatsächlich eine Entwicklung, dass viele Schüler nicht richtig schwimmen können. Das fordert das Personal schon heraus“, betont der Betriebsleiter der städtischen Freizeiteinrichtung. „Zwischen fünf und zehn Mal die Woche müssen die Kollegen Kinder aus dem Tauchbecken der großen Rutsche herausholen, die sich kaum über Wasser halten können und nur mit knapper Not an den Rand kommen.“

Viele Erstklässler können gar nicht schwimmen

Mit dieser unerfreulichen Entwicklung werden auch die Sport- und Schwimmlehrer der Döchtbühlschule konfrontiert. Von den Erstklässlern sind nach Einschätzung des zuständigen Lehrpersonals inzwischen „mindestens 60 bis 70 Prozent“ des Schwimmens gar nicht mächtig. „Oder sie können nicht wirklich schwimmen, weil sie sich höchstens mit vier, fünf Zügen über Wasser halten können“, sagte Rektor Franz Wiest dazu auf SZ-Anfrage. Einer der Gründe, warum sich heutige Grundschüler nicht sicher im Wasser bewegen können, sind überbuchte Schwimmkurse in ganz Oberschwaben. Auch in Bad Waldsee werden laut Moser und Rothmund Wartelisten geführt von den Anbietern, zu denen auch Moser sowie der DLRG-Stützpunkt zählen.

Das weiß auch Schulleiter Frank Wiest, und deshalb werde dem Schwimmunterricht an seiner Schule ein hoher Stellenwert eingeräumt. „Von Klasse 1 bis 6 gibt es jede Woche konsequent eine Schulstunde Schwimmunterricht. Wir sind dankbar, dass wir das Lehrschwimmbecken auf unserem Gelände haben “, so der Rektor. Für Wiest ist Schwimmen können eine „elementare Geschichte. Eine Wassergewöhnung sollte deshalb schon bei Kleinkindern beginnen, damit sie die Angst davor verlieren, und dann lernen sie ab fünf, sechs Jahren in der Regel zügig schwimmen“, sagt Wiest.

Was die ausgebuchten Schwimmkurse betrifft, hat der Pädagoge eine eigene Sicht der Dinge: „Auch die Eltern können hier unterstützen, indem sie mit ihren Kindern früh in Schwimmbäder gehen, sie anleiten, und dann klappt das mit dem Schwimmen in den meisten Fällen auch ohne Kurs.“

Der DLRG-Stützpunkt Bad Waldsee gibt folgende Tipps für das Schwimmen im Stadtsee:

Möglichst nicht alleine weit hinaus schwimmen.

Bei sehr hohen Temperaturen mit dem erhitzten Körper langsam ins Wasser eintauchen und nicht hineinspringen, weil die unteren Schichten im See noch immer kühl sind und für Kreislaufprobleme sorgen können.

Wer draußen auf dem See einen Krampf in den Beinen hat, sollte ruhig bleiben und sich in Rückenlage langsam Richtung Ufer bewegen bzw. um Hilfe rufen.

Unsichere Schwimmer sollten in Ufernähe bleiben und ein kleines Luftkissen oder Schwimmbrett mitführen, damit sie sich im Notfall daran festhalten und Handzeichen geben können.

Kleinkinder und Nichtschwimmer sollten vom Steg fernbleiben und sich nur im gekennzeichneten Nichtschwimmer-Bereich in Ufernähe aufhalten

Aufeinander achten im Wasser und gegebenenfalls helfend unterstützen beziehungsweise das Aufsichtspersonal informieren. (saz)

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